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Siegenburg

Facebook-Kommentar stört Prozess

In der Verhandlung um die Hatz auf einen transsexuellen Mann durch Siegenburg musste eine Frau zugeben, im Internet falsche Behauptungen aufgestellt zu haben.

Die drei tatverdächtigen Männer, die sich derzeit wegen der Hatz auf einen transsexuellen Mann in Siegenburg verantworten müssen, sitzen in Untersuchungshaft. Foto: dpa

Regensburg. Wie schnell man durch einen Facebook-Kommentar in Erklärungsnot geraten kann, musste eine junge Frau am Montag beim Prozess um die Hatz auf einen Mann durch Siegenburg erfahren. Eine Freundin des angeklagten Brüderpaares hatte am Wochenende in dem Sozialen Netzwerk behauptet, dass seitens der Familie des dritten Angeklagten wohl Geld geflossen sein müsste. Ihrer Meinung nach sei die Aussage des 22-jährigen Opfers nicht anders erklärbar. Der transsexuelle Mann hatte vor Gericht den mitangeklagten 24-jährigen Daniel A. in Schutz genommen. Dieser habe weniger fest getreten und geprügelt und zudem versucht, die Hatz durch den Ort zu beenden, sagte das Opfer im Zeugenstand. Die junge Frau musste ihren Facebook-Kommentar vor dem Vorsitzenden Richter Carl Pfeiffer erklären. Dabei räumte sie ein, dass sie keine Anhaltspunkte für diese Äußerung gehabt habe, sondern dies alleine aus der Zeugenaussage des Opfers zugunsten des Angeklagten A. geschlossen habe. Oberstaatsanwältin Ulrike Klein ermahnte die junge Frau eindringlich: „Ihnen muss doch klar sein, dass sie sich mit so etwas strafbar machen können.“

Die Mutter des Mitangeklagten A. wurde daraufhin ebenfalls in den Zeugenstand geholt. Sie bestritt jegliche Zahlungen an das bei der Tat im Februar 2012 schwer verletzte Opfer, bestätigte aber auch, dass sie den transsexuellen Mann nach der Tat angezeigt habe, weil dieser Morddrohungen gegen ihre Familie ausgesprochen hatte und Geldzahlungen wollte. Der Forderung des jungen Mannes, der unter psychischen Problemen leidet und derzeit unter Betreuung steht, sei man nicht nachgekommen. „Wir haben uns ausgesprochen und ihm gesagt, dass Daniel das, was er verbockt habe, selbst ausbaden müsse“, so die 45-jährige Frau zum Gericht. Mehr als ein paar Zigaretten habe man dem Opfer nicht gegeben. „Wenn das Bestechung ist, dann bin ich schuldig“, so die Mutter des Angeklagten.

Am zweiten Prozesstag wurden weitere Zeugen gehört, darunter der ermittelnde Beamte bei der Kripo Landshut, der das Opfer nach der Tat befragt hatte. Der 22-jährige habe damals einen aufgewühlten, aber keinen verängstigten Eindruck gemacht, sagte der Polizeibeamte. Bei einer Ortsbegehung habe er die Prügel und Fußtritte, aber auch einen geplanten sexuellen Übergriff geschildert. „Er sagte, dass er aufgefordert wurde, sich auszuziehen und einem der Tatbeteiligten einen zu blasen“, so der Beamte. Von wem diese Aufforderung kam, habe das Opfer nicht sagen können. Von den drei Angeklagten im Alter zwischen 18 und 24 Jahren hatte nur Daniel A. nach der Tat eine Aussage bei der Kripo gemacht. Damals hatte er berichtet, dass er Angst hatte, das schwer verletzte Opfer könnte sterben, weil sie es auf einem Feldweg seinem Schicksal überlassen hatten. Beim ersten Prozesstag am Freitag hatten alle drei Männer zwar die Tat gestanden, keiner wollte aber mit dem Tod des 22-Jährigen gerechnet haben. Für das Gericht ist dies eine zentrale Frage, denn die Anklage lautet auf Körperverletzung und auf versuchten Mord durch Unterlassen. Der Prozess wird am 17. Juni fortgesetzt. (ig)

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