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Bayern
Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Interview

Fakten offenlegen und damit aufrütteln

Jan A. Lutz stellt mit seiner Open-Data-Initiative Luftwerte in Echtzeit zur Verfügung. Die Daten aber kommen von Bürgern.
Von Jana Wolf

Auf Ihrer Webseite luftdaten.info kann man Feinstaubwerte in Echtzeit abrufen. Warum eigentlich?

Als eines von acht „OK Labs“ in Deutschland haben wir in Stuttgart 2015 angefangen, den Umgang mit Daten zu verändern. Jeder Bürger soll Zugriff auf belastbare Fakten bekommen und diese selbst erzeugen können. Mit den Daten der Bürger versuchen wir zu arbeiten. Für mich als Kommunikationsdesigner ist es reizvoll, Daten so zu visualisieren, dass man sie schnell und in Echtzeit erfassen kann. So kann jedes Kind komplexe Feinstaubwerte verstehen. „OK“ steht übrigens für „Open Knowledge“ – also offenes Wissen.

Warum beschäftigen Sie sich ausgerechnet mit Feinstaubdaten?

In Stuttgart ist das ein sehr wichtiges Thema, weil wir Automobilkonzerne vor Ort haben. Wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, ist schnell klar, wie man handeln muss: den Verkehr reduzieren. Wir haben in Deutschland voll auf die Automobilindustrie gesetzt. Die hat leider zielstrebig auf den Dieselskandal und vermehrt auf SUVs hingearbeitet. Jetzt fährt diese Industrie gegen die Wand und wir müssen innovative und effiziente Alternativen entwickeln – gerade in Stuttgart. Ich bin ein großer Fan von Transparenz, Ökologie und Nachhaltigkeit. Mit unserem Projekt wollen wir Luftdaten transparent darstellen und damit aufklären.

Sie stellen online eine Bauanleitung für Feinstaubsensoren bereit. Bei der Software wird’s kniffelig. Hatten nur wir zu kämpfen?

Stimmt. Die Hürde ist, die Software zu installieren – da muss man durch. Es ist bewusst Teil unseres Projekts, sich da hineinzufuchsen. Das ist viel nachhaltiger, als wenn man alles bereitstellt. Man setzt sich so mit der Technik auseinander und es entsteht eine Verbindung zum Projekt. Und: Das haben schon schwäbische Hausfrauen geschafft. Zudem gibt es mittlerweile 25 „OK Labs“ in ganz Deutschland, die gerne helfen.

Sehen Sie schon konkrete Auswirkungen des Projekts?

Wir bekommen viel positives Feedback und vernetzen uns immer stärker europaweit. Aktuell sind 5260 Messstellen registriert, 3469 davon in Deutschland (Stand 8. Juni). Es gibt so positive Beispiele wie eine Gruppe in Sofia, Bulgarien. Die arbeitet vor Ort mit Bürgermeisterin und Regierung zusammen. Konkret für jeden Einzelnen: Wenn man sieht, die Luftwerte sind schlecht, sollte man nicht gerade joggen gehen und einfach das Auto mal stehen lassen.

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