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Falschem Schönheitschirurgen droht Haft

Ein 31-Jähriger hat Dutzende Schönheitsoperationen vorgenommen, ohne Arzt zu sein. In Regensburg steht er vor Gericht.
Von Marion von Boeselager, MZ

Vor Gericht legte der Angeklagte ein Geständnis ab.
Vor Gericht legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Foto: von Boeselager

Regensburg.Ein 31-jähriger Regensburger ohne jede medizinische Ausbildung gab sich jahrelang als Schönheitschirurg aus. Insgesamt 56 Patienten soll der Mann in seinen „Praxisräumen“ in der Clermont-Ferrand-Allee sowie in Privatwohnungen in Hannover mit Silikon- und Botox-Injektionen sowie weiteren kosmetischen Eingriffen behandelt haben. Den finanziellen Schaden – neben gesundheitlichen Folgen – für die vertrauensvollen Kunden bezifferte die Staatsanwaltschaft mit 63 235 Euro.

Seit Montag steht der Mann, der nach eigenen Angaben an Angststörungen leidet und selbst zahllose plastische Operationen hinter sich hat, wegen gefährlicher Körperverletzung, Betrugs sowie Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen vor dem Landgericht. Nach Vorgesprächen stellte das Gericht unter Vorsitz von Dr. Bettina Mielke dem Angeklagten bei einem Geständnis eine moderate Haftstrafe von vier bis fünf Jahren in Aussicht – angesichts der Tatsache, dass die „gesundheitlichen Folgen für die Geschädigten nach Aktenlage nicht sehr schwerwiegend“ ausfielen. Doch sei das „Gefährdungspotenzial“ sehr hoch gewesen, erklärte Dr. Mielke.

Angeklagter legt Geständnis ab

Der Angeklagte, der in Handschellen aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, machte von dem Angebot Gebrauch. Der 31-Jährige mit markanten Gesichtszügen, langem Deckhaar und über den Ohren rasiertem Schädel legte ein umfassendes Geständnis ab. Ohne zu stocken, erzählte er seine Geschichte.

Seit 2012 lebte der Angeklagte nach seinen Worten sehr isoliert: „Ich hatte keine Freunde, saß nur zu Hause oder im Auto. Meine Eltern dachten, ich studiere“. Grund für die Isolation sei eine Angststörung gewesen, eine „extreme Phobie, von anderen Leuten gesehen zu werden“. Nach mehreren erfolglosen Therapien griff er „zur Selbstmedikation“. Er ließ sich mehrfach operieren, nahm zur Linderung seiner Zustände Betäubungsmittel. Gleichzeitig informierte er sich eingehend im Internet über verschiedene Methoden der plastischen Chirurgie. „Ich ekelte mich vor meinem eigenen Körper.“

Im Internet, so der Angeklagte, habe er dann Leute kennengelernt, denen es genauso ging wie ihm und die schon viele OPs hinter sich hatten. Vorwiegend handelte es sich dabei um „transsexuelle Frauen, die nicht mehr daran erinnert werden wollten, wie sie früher aussahen.“

Eingriffe im Hotelzimmer

Eine von ihnen wurde seine erste Patientin. Ihr erzählte der Angeklagte, er studiere Medizin und habe schon mehrfach in Praxen gearbeitet, in denen kosmetische Operationen durchgeführt würden. Der Eingriff – Injektionen mit Silikonöl – fand in einem Hotel statt. „Es war eine aufregende Sache für uns beide. Ich hatte große Angst, etwas falsch zu machen“, so der Angeklagte. Doch die Patientin sei mit dem Ergebnis sehr zufrieden gewesen. „Das gab mir einen großen Ego-Flug. Ich hatte ja lange kein Erfolgserlebnis mehr.“

Er habe allerdings nicht damit gerechnet, dass die Dame, eine Clubsängerin aus der Hannoverschen Party-Szene, daraufhin für den falschen Mediziner eifrig die Werbetrommel rührte. Sie vermittelte laufend Freunde an ihn, die auch behandelt werden wollten. „Ich hatte das Gefühl, ich werde gebraucht. Plötzlich war ich bei vielen Leuten gefragt.“ Die Materialien für die Eingriffe will der Angeklagte über die Praxis eines echten Arztes und später über eine Regensburger Apotheke bezogen haben. „Das Vertrauen der Chefin hatte ich mir erschwindelt.“

Mehr Patienten dank Facebook

Mit zunehmender Kundenzahl erstellte der Angeklagte eine Preisliste und verdiente bald „richtig Geld“. Den Patienten erzählte er, er habe sein Medizinstudium nun abgeschlossen. Ab Mitte 2013 behandelte er die Patienten in „eigenen Praxisräumen“ in seiner Heimatstadt Regensburg. Die Eltern, stolz auf ihren erfolgreichen Sohn, bezahlten die Wohnung. Der 31-Jährige warb nach eigenen Worten nun via Facebook als „C. Face Design“ für seine Dienste. Er fälschte eine Approbationsurkunde und weitere Dokumente, die ihm eine Ausbildung in den USA und seine Zugehörigkeit zur Vereinigung Ästhetischer Chirurgen bescheinigten, und stellte sie ins Netz. „Die Patientenzahl nahm exponentiell zu“, so der Angeklagte. Nicht zuletzt, da zufriedenen Patienten „dies gleich auch auf Facebook posteten“.

„Das war die glücklichste Zeit meines Lebens“, schloss der Angeklagte. Die endete jedoch, als 2014 plötzlich „die Kripo und die Staatsanwaltschaft vor meiner Tür stand“. Doch auch nach den ersten Vernehmungen und Durchsuchungen machte der falsche Doktor noch weiter. „Ich hatte damals noch kein Unrechtsbewusstsein“, so der Angeklagte. „Heute sehe ich das anders.“

Nun muss das Gericht anhand von Zeugenaussagen und Gutachtern unter anderem prüfen, ob die Folgeschäden für einige Patienten wie Verhärtungen, Knötchen, Schwellungen, Rötungen und Herzrasen den bisherigen Erkenntnissen entsprechen. Der Prozess dauert an.

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