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Verkehr

Feuchte Hände für die Rettungsgasse

Nur bei der Hälfte aller Staus wird eine Rettungsgasse gebildet. Ein Simulator des Feuerwehrmuseums Bayern soll nun helfen.
Von Benedikt Dietsch

Waldkraiburg.Insgesamt 14 Verletzte, einer davon in Lebensgefahr, zwei schwer verletzt – doch die Rettungskräfte kommen nicht durch, da keine Rettungsgasse gebildet wird. Meldungen wie diese von der A3 bei Wörth letzte Woche gibt es bundesweit fast täglich. Immer wieder versäumen es Autofahrer, die lebensrettende Gasse zu bilden und machen so die Zufahrt zum Unfallort für Feuerwehr, Polizei und Sanitäter zu einer Mammutaufgabe.

Das Feuerwehrmuseum Bayern in Waldkraiburg hat sich nun etwas einfallen lassen, um Autofahrer für diese Problematik zu sensibilisieren: Hier soll Ende Juli ein Simulator für Einsatzfahrten Besuchern die Möglichkeit geben, ein Feuerwehrauto durch brenzlige Situationen zu manövrieren. Dazu sitzen sie in der umgebauten Kabine eines Fahrzeugs und übernehmen dort alle Aufgaben eines echten Profis.

Rettungsgasse

  • Gesetz:

    Das richtige Verhalten für die Rettungsgasse ist in §11 Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung festgelegt.

  • Novellierung:

    Im Januar 2017 wurde bestimmt, dass die Rettungsgasse schon bei Schrittgeschwindigkeit einzunehmen ist.

  • Bußgeld:

    Die Bayerische Polizei wird laut Innenminister Joachim Herrmann vermehrt auf die Einhaltung der Rettungsgasse achten. Auf stark frequentierten Strecken werden Polizeifahrzeuge mit Hinweistafeln eingesetzt. Bei einem festgestellten Verstoß ist ein Bußgeld von bis zu 320 Euro zu zahlen. (dg)

Für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst ist die Rettungsgasse wichtig, um schnellstmöglich zum Unfallort zu gelangen. Foto: Matthias Schrader/dpa
Für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst ist die Rettungsgasse wichtig, um schnellstmöglich zum Unfallort zu gelangen. Foto: Matthias Schrader/dpa

Vom Lenken über Gas geben bis hin zum Einsatz des Martinshorns müssen sie alle Hebel in Gang setzen, um an die Unfallstelle zu kommen. So soll klar werden, „dass so eine Fahrt doch nicht so einfach ist, wie viele glauben“, erklärt Alexander Süsse, der Vorsitzende des Feuerwehrmuseums. „Es muss ein hautnahes Erlebnis sein, so realistisch wie möglich. Die Leute sollen mit feuchten Händen aussteigen.“

Hohe Belastung für die Retter

Die bekommen schließlich auch Rettungskräfte vor Ort manchmal: „Für die Kollegen“, verrät Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer, „ist das immer eine ganz schwierige Situation. Die stehen immer unter Zeitdruck und wenn keine Rettungsgasse gebildet wird, ist das auch eine zusätzliche Belastung für uns.“ Dabei liege es eigentlich auch im Interesse der Ungeduldigen, dass Einsatzkräfte zügig durchkommen: „Nur die Bildung einer Rettungsgasse kann eine schnelle Auflösung des Staus herbeiführen“, erklärt der Kreisbrandrat.

Die Realität sieht bekanntlich anders aus: Laut Museumsvorstand Süsse werde in nur etwa der Hälfte der Fälle eine Rettungsgasse gebildet.

Das liege auch an der neuen Regelung, die noch nicht alle Autofahrer verinnerlicht hätten: Ende 2016 wurde den Verkehrsteilnehmern in puncto Rettungsgasse eine klare Verhaltensvorschrift an die Hand gegeben. Während vorher bezüglich Zeitpunkt der Gassenbildung im Gesetzestext noch vage von „stockendem Verkehr“ die Rede war, soll nun Platz gemacht werden, „sobald Fahrzeuge [...] mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden“.

Nur die Hälfte weiß, wie es geht

Doch nicht nur der Zeitpunkt, auch die Vorgehensweise scheint Vielen unklar zu sein: Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im vergangenen Jahr gab etwa jeder Zweite an, nicht zu wissen, wie er auf einer dreispurigen Straße den Weg für Retter frei machen soll; ungefähr ein Drittel konnte nicht sagen, wie die Rettungsgasse bei zwei Spuren funktioniert.

Die Polizei setzt auf verstärkte Präventivarbeit, um auf die Bedeutung der Rettungsgasse hintzuweisen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die Polizei setzt auf verstärkte Präventivarbeit, um auf die Bedeutung der Rettungsgasse hintzuweisen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Diesen Umstand beklagt auch das Polizeipräsidium Oberpfalz: „Leider ist immer noch nicht Allen bewusst, wann und wie eine Gasse gebildet werden muss“, äußert sich Pressesprecher Albert Brück, „es braucht eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, um hier aufzuklären, auch mit Blick auf die LKW-Fahrer aus dem Ausland.“ Für Klarheit könnten auch Straßenschilder wie in Österreich sorgen. Sie zeigen an, wie die Rettungsgasse gebildet werden soll. Wer nicht mitmacht, wird im Nachbarland hart bestraft: Bis zu 2000 Euro kann es kosten, nicht zur Seite zu fahren.

Alarmierend: Nur jede zweite Rettungsgasse wird richtig gebildet. Bei Unfällen verlieren die Retter so viel Zeit. Foto: Peter Steffen/dpa
Alarmierend: Nur jede zweite Rettungsgasse wird richtig gebildet. Bei Unfällen verlieren die Retter so viel Zeit. Foto: Peter Steffen/dpa

Eine Regelung, die Kreisbrandrat Scheuerer begrüßen dürfte. Ihm zufolge könnten „hohe Geldstrafen die Leute dazu bringen, zur Seite zu fahren.“ Eine Annahme, die von Seiten der Polizei untermauert werden kann: Die Anhebung der Strafsätze von 20 auf bis zu 320 Euro im Herbst vergangenen Jahres bewirkte laut Pressestelle eine spürbare Verbesserung des Verhaltens.

Die Idee der Waldkraiburger könnte helfen, die Situation zu verbessern. Doch um den Simulator in Betrieb nehmen zu können, benötigt das Museum noch Spenden für Anhänger und Leinwand. Erst wenn diese Hindernisse überwunden sind, ist der Weg frei zur wichtigen Aufklärungsarbeit.

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