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Feuerwehrfrauen der ersten Stunde

Die großen Schlagzeilen Ostbayerns: 1965 gründet sich in Runding die erste Frauenlöschtruppe Deutschlands. Sogar ein Gesetz musste geändert werden.
Von Mario Geisenhanslüke, MZ

  • Käthi Faschingbauer, Thekla Mühlbauer und Renate Wanniger (von links) gründeten mit sieben weiteren Frauen 1965 die erste weiblich Feuerwehrtruppe Deutschlands. Fotos: Geisenhanslüke
  • Die Prüfung zum Leistungsabzeichen 1965.
  • Die neue Generation: Magdalena Meier (vorne) und Verena Rädlinger.
  • Stefan Mühlbauer (l.) und Sven Schmuderer helfen heute gerne.

Runding.Es ist ein Treffen der Generationen. Auf der einen Seite des Tisches sitzen wahre Pionierinnen – Feuerwehrfrauen der ersten Stunde. Auf der anderen Seite sitzen die heutigen Brandbekämpferinnen. Fast 50 Jahre liegen zwischen beiden Gruppen, die an diesem Sonntagnachmittag im Feuerwehrhaus in Runding im Landkreis Cham gemeinsam sitzen.

Die Freiwillige Feuerwehr Runding hat groß aufgefahren. Auch der Vorstand ist da. Insgesamt rund 20 Leute haben sich im ersten Stock des Feuerwehrhauses versammelt. Es gibt starken Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Dazu flackert ein Film über die Leinwand – aber nicht irgendeiner. Es ist ein Fernsehbeitrag des ZDF aus den 1960-Jahren über die erste weiblich Feuerwehrtruppe Deutschlands. Die wurde genau hier – in Runding – 1965 gegründet. Und drei der damals neun Feuerwehrfrauen sitzen mit am Tisch: Käthi Faschingbauer (69), Renate Wanniger (67) und Thekla Mühlbauer (65). Es ist ein buntes Zusammentreffen zum Ende des Wochenendes – und eine gute Gelegenheit zum Austausch: Wie war es früher? Wie ist es heute?

Sogar das Gesetz wurde geändert

„Die Kleidung passt uns Frauen nach wie vor nicht“, sagt die aktuelle Löschmeisterin Elisabeth Rädlinger und lacht. Auch sind Frauen in der Feuerwehr nach wie vor in der Minderheit. Neben den sechs Frauen können im Brandfall aktuell rund 40 Männer in dem 2300-Einwohner-Dörfchen ausrücken. „Das gleicht sich aber immer weiter an. In der Jugend machen die Damen fast schon 50 Prozent aus“, sagt der Vorsitzende der Rundinger Feuerwehr, Hubert Scheubeck.

Das wäre 1965 undenkbar gewesen. Die neun Rundinger Feuerwehrfrauen schrieben in den 1960er Jahren Geschichte. „Wir hatten damals die volle Unterstützung – vom Bürgermeister bis zum Landrat“, erinnert sich Renate Wanniger. Aber wie kamen sie überhaupt auf die Idee, etwas machen zu wollen, was damals sonst nur Männern vorbehalten war? „Wir haben bei einer Löschprobe zugeschaut“, erzählt Käthi Faschingbauer. „Dann ist Renate (Wanniger) zum damaligen Kommandanten gegangen und hat gesagt: ’Du Sepp, können wir das nicht auch machen?’ Und er hat geantwortet: ’Natürlich, wenn du ein paar Mädchen zusammenbringst’.“ Gesagt, getan und ein paar Tage später war die neunköpfige Gruppe beisammen.

Während die Frauen in Runding schnell als gleichrangige Brandbekämpferinnen akzeptiert waren, galt das noch lange nicht für ganz Bayern. Als sie 1965 ihr Leistungsabzeichen machen wollten, weigerte sich der erste Prüfer schlicht und einfach, den Test mit Frauen durchzuführen. Noch am selben Tag konnte zwar Ersatz beschafft werden und Käthi Faschingbauer und ihr Team absolvierten die Prüfung mit Bravour. Aber ihr Abzeichen bekamen sie trotzdem erst zwei Jahre später. Denn im bayerischen Feuerwehrgesetz waren nur „Feuerwehrmänner“ vorgesehen. Also musste erst eine Gesetzesänderung her, bevor die neun „Feuerwehrleute“, wie es seither im Gesetzestext heißt, ihr Abzeichen entgegennehmen konnten.

Schnell wurde auch die deutsche Medienlandschaft auf das kleine Örtchen im Bayerischen Wald aufmerksam. „Sie lassen nichts mehr anbrennen“ titelte beispielsweise die Bild-Zeitung 1967. Und auch das ZDF strahlte eben jenen Beitrag aus, den sich an diesem Sonntag im Rundinger Feuerwehrhaus Alt und Jung gemeinsam anschauen. „Wir fühlten uns schon ein wenig wie Stars“, sagt Renate Wanniger rückblickend. Das ZDF habe damals sogar einen Bus zur Verfügung gestellt und eine Gage gezahlt.

Erster Einsatz für den Filmbeitrag

Den ersten echten Einsatz hatten die Frauen der Rundinger Feuerwehr dann auch erst während der Dreharbeiten mit dem ZDF: Weil der damalige Bürgermeister Karl Beer für spektakuläre Bilder sorgen wollte, zündete er ein paar Rauchbomben. Während die ersten beiden noch ordnungsgemäß funktionierten, setzte die dritte indes eine Scheune in Brand. Das Kamerateam war begeistert und die Frauenlöschtruppe gefordert. „Die Leute haben gedacht, es brennt nur für das Fernsehen. Dabei hat es tatsächlich gebrannt“, erinnerte sich Beer in einem Fernsehbeitrag des Bayerischen Rundfunks aus dem vergangenen Jahr.

Dass die neun Rundinger Frauen nicht die ersten gewesen sind, die in der hiesigen Feuerwehr tätig waren, verrät ein Blick in die Chronik des Vereins. Denn schon 1943, während des Höhepunkts des Zweiten Weltkriegs, als viele Männer an der Front waren, mussten die Frauen am Ort bereits aushelfen. Mehr aber auch nicht. „Das war eben damals im Krieg“, sagt Käthi Faschingbauer. „Unsere Entscheidung hat das aber nicht beeinflusst.“

Großen Einfluss auf die heutigen Frauen der Rundinger Feuerwehr oder ihren Wunsch, Mitglied zu werden, hat auch die Geschichte der Pionierinnen anno 1965 nicht mehr. Sie habe sich erst „nach dem Fernsehbeitrag des BR“ damit beschäftigt, sagt eine der beiden Jugendwartinnen, Verena Rädlinger. „Ist doch klar, dass die alte Geschichte heute keinen Einfluss mehr hat“, wirft Käthi Faschingbauer ein. Das sei schließlich auch fast schon ein halbes Jahrhundert her.

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