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Flughafenanbindung: Kurvenreicher Streit

Setzt sich das Konzept von Otto Zeitler durch? Der Landtag soll die Tunnellösung des Oberpfälzer Abgeordneten prüfen lassen.

Der Münchner Flughafen

Regensburg.Mit der Hilfe des Landtags will der CSU-Abgeordnete Otto Zeitler Argumente für eine effizientere und günstigere Anbindung Ostbayerns an den Flughafen München („Zeitler-Vorschlag“) sammeln. Zeitler befürchtete im Gespräch mit der MZ eine gewisse Hinhaltetaktik des von Martin Zeil (FDP) geführten bayerischen Wirtschaftsministeriums gegenüber seinem Vorschlag.

Jetzt soll notfalls der Landtag die vom Büro Vieregg-Rössler ausgearbeitete Variante per Beschluss überprüfen lassen. Er habe bereits mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm darüber gesprochen, sagte Zeitler im MZ-Interview. Das Gutachten koste nur rund 46000 Euro – ein „Sonderangebot“ verglichen mit den Kosten für das Gutachten des Wirtschaftsministeriums. Das Ministerium hatte in einem eigenen Gutachten mehrere Varianten erarbeiten lassen. Eine 125 Millionen Euro teure Schleife bei Neufahrn („Neufahrner Gegenkurve“) wird derzeit favorisiert. Im Herbst will Minister Zeil das Startsignal geben.

Spitze beim Kosten-Nutzen-Wert

„Direkt, umsteigefrei und fernlinientauglich“ soll die Schienenanbindung sein, wie Zeitler sagte. Diese Ansprüche erfülle die „Neufahrner Gegenkurve“ nicht. Nachdem die zunächst von den ostbayerischen Politikern favorisierte „Marzlinger Spange“ politisch nicht durchsetzbar gewesen sei, habe er sein Konzept entwickelt.

Der Zeitler-Vorschlag sieht den Neubau einer Bahnstrecke von der jetzigen Trasse südlich von Freising zu einem neuen Fernbahnhof im Flughafen vor. Inbegriffen sind zwei Tunnel: Einer führt die Bahnstrecke unter der Isar hindurch, ein anderer zum unterirdischen Flughafenbahnhof.

Zeitler kann sich – die Seriosität des Planungsbüros Vieregg-Rössler unterstellt – auf beeindruckende Zahlen stützen. Die Gesamtkosten für seinen Vorschlag inklusive neuem Fernbahnhof und dem „Erdinger Ringschluss“, der Anbindung des Flughafens und der Region Freising an den Münchener Ostbahnhof, liegen mit 578 Millionen Euro um ein knappes Drittel unter den Kosten für die bisherige Planung.

Auch bei der Kosten-Nutzen-Berechnung hat der Zeitler-Vorschlag laut Vieregg-Rössler die Nase vorne. Der Faktor liegt bei 1,15, während die Neufahrner Gegenkurve inklusive des benötigten viergleisigen Ausbaus nur auf einen Faktor von 0,39 kommt. Auch mit einem weiteren Argument kann der Zeitler-Vorschlag punkten: Die neue Strecke ließe sich auch als Fernbahntrasse weiterführen – bis nach Ingolstadt, der Heimat von Ministerpräsident Horst Seehofer.

Gambke will Anbindung kippen

Die Schienenanbindung Ostbayerns an den Flughafen München generell infrage stellte am Donnerstag abermals der Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Gambke (Bündnis 90/Grüne). Der Landshuter will „angesichts erforderlicher Milliardeneinsparungen im Bundeshaushalt auch Verkehrsprojekte noch einmal auf den Prüfstand“ stellen – unter anderem die Neufahrner Gegenkurve.

Schon kurze Zeit nach der „angeblich soliden“ Kostenschätzung seien deren Kosten um fast 50 Prozent nach oben angepasst worden, kritisierte Gambke. Zur Errechnung des Nutzens der Maßnahme seien viele unrealisierte Verkehrsprojekte wie die Donau-Moldau-Bahn einberechnet worden. „Diese Verbindung nach Prag ist sicherlich ein vernünftiges Verkehrsprojekt, aber noch nicht einmal im weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplans“, heißt es in einer Pressemitteilung des Abgeordneten.

Wenn man weiter berücksichtige, dass auch für die östliche Schienenanbindung des Flughafens kein Geld zur Verfügung stehe, bleibe die Maßnahme als Einzelprojekt „sehr fragwürdig“. Für eine vernünftige Schienenanbindung des ostbayerischen Raumes an den Münchner Flughafen bedürfe es mehr als der „Taschenspielertricks der Staatsregierung“ – nämlich eines „Gesamtkonzepts, in dem auch andere Schienenanbindungen berücksichtigt werden und notwendige Infrastrukturmaßnahmen für das Schienennetz, beispielsweise die Streckenbeschleunigungen Plattling-Landshut und Regensburg-München, nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag geschoben werden“.

Staats- und Bundesregierung setzten dagegen weiterhin auf Flickwerk. „Wenn es dann an die konkrete Finanzierung geht, rächt sich das“, übte Gambke am Donnerstag Kritik.

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