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Kirche

Franz Jung wird Würzburger Bischof

Seit September hatte Unterfranken keinen Bischof mehr. Friedhelm Hofmann war altersbedingt zurückgetreten. Nur fünf Monate später steht nun sein Nachfolger fest: ein umsichtiger Entscheider aus Speyer. Wann er zum Bischof geweiht wird, ist dagegen noch unklar.

Würzburg.Das Bistum Würzburg hat einen neuen Bischof. Der Generalvikar des Bistums Speyer, Franz Jung, wird künftig die Geschicke der katholischen Kirche in Unterfranken leiten. Dies gaben das Bistum und der Vatikan in Rom zeitgleich am Freitagmittag bekannt. Der 51-Jährige tritt die Nachfolge von Friedhelm Hofmann an, der im September 2017 in den Ruhestand entlassen wurde. Hofmann war 13 Jahre lang Bischof in Würzburg.

In der nur fünf Monate andauernden Sedisvakanz hatte Weihbischof Ulrich Boom das Bistum geleitet. Bis zum Amtsübernahme des neuen Bischofs wird er dies auch weiterhin tun. Jung soll Boom zufolge „wohl in der Osterzeit“ zum 89. Bischof von Würzburg geweiht werden. Ein konkreter Termin steht noch nicht fest.

Jung sagte zur Entscheidung des Papstes: „Ich bin noch dabei, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich die Pfalz und mein Heimatbistum Speyer, in dem ich so viele prägende Jahre erlebt habe, schon bald verlassen soll.“ Die Berufung zum Bischof von Würzburg erlebe er als großen Vertrauensbeweis und Verantwortung, der er sich gerne stelle.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx, gratulierte Jung: „Die Gläubigen des Bistums Würzburg dürfen sich auf ihren neuen Oberhirten freuen.“ Dieser habe sich in Speyer (Rheinland-Pfalz) mit „umsichtiger und weitsichtiger Perspektive“ einen Namen gemacht und zehn Jahre lang wichtige Weichenstellungen für die Entwicklung des Bistums getroffen.

Auch Jungs Vorgänger Hofmann zeigte sich am Freitag zufrieden mit der Entscheidung aus Rom. „Ich denke, das ist der richtige Mann für den richtigen Ort. Er ist Wissenschaftler, er ist Organisator und er ist pastoral ein kluger Hirte. Und das muss er auch sein, denn nach meinem Dafürhalten kommt es auf die Nähe zu den Menschen an“, sagte der 75-Jährige. Das passe auch zu den aktuellen Herausforderungen im Bistum. „Die Baustellen sehe ich in der Pastoral der Zukunft, in der Umstrukturierung unserer Gemeinden. Das ist eine Herausforderung, die uns binden wird.“

Franz Jung wurde 1966 geboren und wuchs nach Angaben des Bistums in Ludwigshafen am Rhein auf. Jung studierte Philosophie und katholische Theologie in München und an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Der promovierte Neutestamentler wurde 1992 wurde zum Priester geweiht, 2001 promovierte er in München. Generalvikar in Speyer war er seit 2009.

Dort wurde er laut Mitteilung des Bistums Würzburg als entscheidungsstarker Gestalter mit strategischem Weitblick geschätzt. Der Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, freue sich zwar mit seinem Generalvikar über dessen Ernennung, die Berufung bedeute aber zugleich „für das Bistum Speyer und auch für mich persönlich einen schmerzlichen Verlust“.

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) begrüßte Jungs Ernennung: „Die reichen Erfahrungen von Franz Jung gerade in der Seelsorge und der kirchlichen Verwaltung haben eine besondere Bedeutung für das hohe Amt, das nun auf ihn wartet. Ich bin davon überzeugt, dass der neue Würzburger Bischof wertvolle Impulse geben kann.“ Der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) freut sich auf die Zusammenarbeit mit Hofmanns Nachfolger und wünscht Jung, dass „er sich in seiner neuen Wirkungsstätte Würzburg schnell so gut einlebt wie sein Vorgänger, der im Ruhestand auch nicht mehr an eine Rückkehr nach Köln denken wollte“.

Die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ nutzte die Ernennung für generelle Kritik am Auswahlprozess auf der Suche nach einem neuen Bischof. „Die Tatsache, dass das nach alter Gutsherrenart gelaufen ist, ist nicht erstrebenswert. Wer allen vorstehen soll, muss auch von allen gewählt werden“, sagte Sprecher Magnus Lux. Es gehe dabei nicht um eine Wahl wie die Bundestagswahl. Aber auch die Kirchgemeinden sollten Vorschläge machen dürfen, die dann sondiert werden. In der Praxis schlagen die Domkapitulare und die Bischofskonferenz dem Vatikan geeignete Kandidaten vor. Der Papst wählt schließlich aus und ernennt den neuen Bischof.

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