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Bayern
Donnerstag, 21. Juni 2018 29° 8

Museum

Freier Eintritt ins Bayern-Museum?

Direktor Loibl erzählt in Regensburg Details zu dem Projekt. Offen ist, ob Besucher zahlen – und wie das Haus heißen soll.
Von Marianne Sperb, MZ

Eine Frau und Kinder in Tracht, vor der Grundsteinlegung im Mai 2015 auf der Baustelle des Museums der Bayerischen Geschichte: Ob Besucher des Museums Eintritt zahlen müssen, ist offen.
Eine Frau und Kinder in Tracht, vor der Grundsteinlegung im Mai 2015 auf der Baustelle des Museums der Bayerischen Geschichte: Ob Besucher des Museums Eintritt zahlen müssen, ist offen. Foto: dpa

Regensburg.Dr. Richard Loibl ist ein großer Geschichtenerzähler vor dem Herrn. Seine Fabulierlust führte ihn am Donnerstagabend vom weiten Horizont bayerischer Geschichte zu Hölzchen und Stöckchen und wieder zurück zum großen Bogen der vergangenen 200 Jahre, den das Museum der bayerischen Geschichte ab 2018 in Tausenden Details sinnlich umsetzen und interaktiv recherchierbar machen will. Im Regensburger Presseclub griff sich der Direktor des Hauses der bayerischen Geschichte in Augsburg und Vater des künftigen Museums in Regensburg ein paar der Erzählstränge heraus – und tippte drei große offene Fragen an.

Die eine Frage ist: Werden Besucher des Prestigeprojekts, das der Freistaat, mit Regensburger Hilfe, für rund 70 Millionen Euro am Donaumarkt errichtet, Eintritt zahlen? „Ich bin eher einer, der sagt: Wenn wir uns das schon bildungspolitisch leisten, sollten wir konsequent sein und auf Eintritt verzichten“, bekannte Loibl. „Andererseits: Was nichts kostet, ist auch nichts wert.“ Noch dieses Jahr wird es eine Sitzung zu der politischen Entscheidung geben, bei der Loibl einen Vorschlag unterbreiten soll. „Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, was ich empfehlen werde. Meine Entscheidungsfindung ist noch nicht abgeschlossen.“ Vielleicht liege die Lösung ja in der Mitte: bei maßvollen Ticketpreisen.

„Bisher gibt es noch keinen Etat“

Die Baustelle des Museums der Bayerischen Geschichte, Stand: Mai 2015: Pünktlich zum 100. Geburtstag des Freistaates soll das Museum im Mai 2018 eröffnen.
Die Baustelle des Museums der Bayerischen Geschichte, Stand: Mai 2015: Pünktlich zum 100. Geburtstag des Freistaates soll das Museum im Mai 2018 eröffnen. Foto: dpa

Eine zweite noch nicht abschließend geklärte Frage ist: Wie wird das Haus heißen? Offenbar dämmert es, dass „Museum der bayerischen Geschichte“ nicht gerade einen griffigen Namen abgibt, auch mit Blick auf ausländische Besucher. Loibl jedenfalls erwähnte, bei der bevorstehenden Sitzung werde auch besprochen, wie das Museum heißen wird.

Dr. Richard Loibl, künftiger Leiter des Museums der Bayerischen Geschichte, war am Donnerstagabend zu Gast im Presseclub Regensburg.
Dr. Richard Loibl, künftiger Leiter des Museums der Bayerischen Geschichte, war am Donnerstagabend zu Gast im Presseclub Regensburg. Foto: altrofoto.de

Drittens ist unklar, wie viel Budget der Freistaat der Regensburger Einrichtung gewähren wird. „Bisher gibt es noch keinen Etat“, sagte Loibl. Ab März 2016 wird der für das Museum entscheidende Doppelhaushalt 2017/2018 verhandelt; dann werde man klarer sehen. Im Übrigen scheint Loibl auf den Rückhalt von Ministerpräsident Horst Seehofer zu vertrauen, der überzeugt hinter dem Projekt und dem Haus der Bayerischen Geschichte stehe. „Er hat bisher auch jede unserer Landesausstellungen eröffnet“, führte Loibl als Beleg an – anders als Ex-Landesvater Edmund Stoiber, „der bekanntermaßen ein Kulturbanause war“.

Angelika Schüdel, Kulturjournalistin beim Bayerischen Rundfunk, moderierte das Gespräch. Sie hatte zu Anfang versucht, den Gast aus der Reserve zu locken. Sie stellte sich in schwarzem Kleid, weißen T-Shirt und orangen Strümpfen vor Loibl hin und fragte: „Passe ich jetzt in diesem Outfit in Ihr Konzept?“ Der Historiker blieb cool – „Attraktiv, bunt und vielfältig: Basst scho.“ – und tauchte ab in die Geschichte vom Urdirndl, eine der x Bayern-Geschichten, die er im Ärmel hat.

Oktoberfest und FC Bayern

In den 1980ern ging man in Jeans und Lederhose zum Oktoberfest. Als Gabriele Weishäupl 1985 Festleiterin wurde, erschien sie im Dirndl ihrer Oma, einer Passauerin. Die Tracht kam gut an, Weishäupl ließ sich von einem jugoslawischen Schneider in München ein Modell in den Stadtfarben Schwarz-Gelb anpassen – und fand Nachahmerinnen. Im Bayern-Museum werden das Urdirndl der Oma und das Exemplar der Enkelin zu sehen sein, als Beleg für die Gabe der Bayern, sich gut zuverkaufen.

Kommentar

Kostenlos, aber wertvoll

Zu einem Ort der Selbstvergewisserung Bayerns solle das Museum der Bayerischen Geschichte werden, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer im Mai diesen...

Caroline Wolf vom Haus der Bayerischen Geschichte zeigt die Taschenuhr eines Soldaten aus dem ersten Weltkrieg, in der eine Schrapnellkugel steckt: Die Uhr soll eines der Exponate im Bayern-Museum sein.
Caroline Wolf vom Haus der Bayerischen Geschichte zeigt die Taschenuhr eines Soldaten aus dem ersten Weltkrieg, in der eine Schrapnellkugel steckt: Die Uhr soll eines der Exponate im Bayern-Museum sein. Foto: dpa

Das Geschichtenerzählen ist auch so etwas, was den Bayern nach Loibls Überzeugung im Blut liegt. Das Museum wird auf diese Kunst bauen und auf 36 Bühnen Geschichtstheater inszenieren – selbstverständlich wissenschaftlich seriös. Loibl ironisch: „Wir versuchen, trotz der Hinwendung ans Publikum, der Wahrheit nahe zu kommen.“

Dirndl und Demokratisierung, Könige und Kriege, NS-Zeit und Neubeginn, D-Mark und Dachau: Multimedial, konkret und an Dingen, die mit persönlichen Erinnerungen aufgeladen sind, soll das Museum weiß-blaue Geschichte zum Sprechen bringen. „Sie können ein Bild an die Wand nageln, Stellwände aufstellen. Aber irgendwann hören Sie zu lesen auf“, so Loibl. Vermittlung nah am Menschen sei deshalb die Leitlinie – bis hin zum intensiv geschulten Besucherservice, der statt der Aufseher im Haus präsent sein wird.

Am Ende der Inszenierung wird das Museum danach fragen, wofür Bayern steht. Schulklassen nannten bei Umfragen im Wesentlichen nur zwei Begriffe: Oktoberfest und FC Bayern. „Das macht schon nachdenklich“, so Loibl. „Reicht uns das? Auch danach werden wir fragen.“

Alle Berichte zum Museum der bayerischen Geschichte finden Sie hier.

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