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Brauchtum

Frischer Wind im Kulturhaus

Das einstige Armenhaus ist in Hengersberg kulturelles Aushängeschild. Mit neuem Konzept will Florian Jung Besucher anlocken.
Von Michaela Schabel

Mit 400 Quadratmetern Fläche bietet das Kulturhaus in Hengersberg Raum für eine Dauerausstellung und für Sonderausstellungen.
Mit 400 Quadratmetern Fläche bietet das Kulturhaus in Hengersberg Raum für eine Dauerausstellung und für Sonderausstellungen.

Hengersberg.Nein, der Eingang ist nicht an der Straße durch die alte Holztür, auch wenn auf der Klingel „Kunsthaus“ steht. Man muss um die Ecke gehen, um den offiziellen Eingang zu finden, und zwar um die rechte, nicht die linke, wo die Spitze des Emblems des Kunsthauses wieder zur Straße führt. Etwas umständlich, aber es soll sich ja jetzt einiges ändern. Seit Kreisheimatpfleger Florian Jung 2018 die Leitung des Kulturhauses übernommen hat, sind schon wichtige Dinge gelungen. Selbst Kunstsammler, schlägt sein Herz für die Kunst und jetzt hat er Räumlichkeiten, um seine Visionen zu realisieren. Als zweiter Vorsitzender des Vereins Hengersberger Kunst- und Museumsfreunde kennt er das Haus, seine Geschichte und die vielen kleinen Geschichten über die beiden Kunstvereinigungen, die Donau-Wald-Gruppe und den Bayerwaldkreis, die hier eine Heimat gefunden haben.

Ein Zimmer für jeden Kranken

Kreisheimatpfleger Florian Jung hat viel vor mit dem Kulturhaus: Er plant sechs Sonderausstellungen pro Jahr. Fotos: Michaela Schabel
Kreisheimatpfleger Florian Jung hat viel vor mit dem Kulturhaus: Er plant sechs Sonderausstellungen pro Jahr. Fotos: Michaela Schabel

Um sich dieser Aufgabe voll widmen zu können, hat Florian Jung, Realschullehrer für Deutsch und Geschichte, sein Lehrdeputat reduziert. Schon nach einem Jahr steht die Konzeption des Museums auf neuen Beinen. Das Herzstück, die Ganzjahresausstellung mit den Künstlern der Donau-Wald-Gruppe und des Bayerwaldkreises, „is jetzt ganz anders“, freut sich Jung. Früher war die Sammlung im Laufe der Jahre Stück für Stück gewachsen, was sich in der Hängung zeigte. Jetzt sind die Ausstellungen sehr übersichtlich gestaltet. Über eine Informationstafel mit einem Foto des Künstlers, einem kurzen Einblick in das künstlerische Schaffen und einem biografischen Steckbrief sind die Werke auch im Alleingang gut zuzuordnen. Durch die kleinflächigen Ausstellungsräume, in denen früher ein Armer bzw. Kranker pro Zimmer lebte, konnte Jung die Bilder auch geografisch systematisieren. In die Region Deggendorf gehören zum Beispiel die niederbayerischen Wald- und Berglandschaften in glühenden Farben von Eckhardt Schädrich. Auch Künstler aus Passau, Landshut und Regensburg sind jeweils in einem Raum vertreten.

In zwei Räumen und einem Gang werden im Erdgeschoss die Bilder des Bayerwaldkreises präsentiert. Zwölf Mitglieder zählte diese Künstlergruppe, die von 1966 bis 1997 bestand. Zu entdecken gibt es einiges, beispielsweise die imposanten Landschaften Gerhard Michels, inspiriert von seinen Reisen nach Nordeuropa oder die bekannten Illustrationen von Josef Fruth. Die Gruppe scheiterte schließlich an den unterschiedlichen Einstellungen der alten, traditionell verorteten und der neuen Mitglieder wie Herbert Muckenschnabl und Robert Kaindl-Trätzl.

Ein Haus mit Geschichte

  • Ursprung:

    Das Kloster Niederaltaich gründete in dem Gebäude im 15. Jahrhundert ein Spital-, Armen- und Leprosenhaus etwas abseits des Hengersberger Marktplatzes, um Ansteckungsgefahr zu vermeiden.

  • Neuzeit:

    Nach 1803 kam das Haus infolge der Säkularisation in den Besitz des Marktes Hengersberg. Die Nutzung blieb bestehen, die Bausubstanz verschlechterte sich, die Hygiene litt. Mitte der 1990er Jahre wurde das barocke Baudenkmal fachkundig restauriert.

  • Nutzungswandel:

    Das einstige Spital sollte ein Kulturhaus werden. Mit 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche bietet es neben der Dauerausstellung Raum für Sonderausstellungen. Mit 300 Mitgliedern sind die Kunst- und Museumsfreunde in der ganzen Region verankert.

  • Öffnungszeiten:

    Samstags und an Feiertagen von 14 bis 16 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr. Florian Jung führt nach Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten. Kontakt: spital@hengersberg.de. (mcb)

Der zweite Stock ist den insgesamt anspruchsvolleren Künstlern der Donau-Wald-Gruppe vorbehalten, die meisten von ihnen hatten eine Akademie besucht. Ziel und gemeinsamer Nenner dieser Künstler war es, 1946 nach der NS-Diktatur durch die neue Freiheit die modernen künstlerischen Entwicklungen bekannt zu machen. Durch gemeinsame Ausstellungen wurden die 16 Künstler und ihre Kunst in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen. 1947 organisierten sie in Grafenau die erste Ausstellung. Zwei Eintrittskarten sind heute noch in einer Vitrine zu sehen. 13 Ausstellungen, auch im Ausland, präsentierte die Donau-Wald-Gruppe alleine 1975.

Zusammenarbeit mit Schulen

Die Bilder von Otto Sammer wurden sogar von US-amerikanischen Sammlern gekauft. Erst nach 44 Jahren löste sich die Künstlergruppe 1990 aus Altersgründen auf. In vier Räumen und einem Gang präsentiert, kommen die Werke gut zur Wirkung. Der größte Raum ist Heinz Theuerjahr gewidmet. Georg Philipp Wörlen, ebenfalls Gründungsmitglied, ist durch Werke aus allen seinen Schaffensphasen präsent. Eine Skizze von Josef Karl Neruds berühmtem „Fisch“ für die Illustrierung von Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ in der US-amerikanischen Neuen Zeitung ist zu sehen.

Für Jung ist es wichtig, dass das Hengersberger Kunsthaus durch Sonderausstellungen attraktiv bleibt. Der Gang und ein Ausstellungsraum im zweiten Stock bieten Platz für 30 bis 40 Bilder. Schon früher hat Jung thematische Ausstellungen initiiert. Jetzt soll die moderne Malerei stärker in den Vordergrund treten. Sechs Sonderausstellungen pro Jahr sind geplant, davon eine in Kooperation mit einer Schule. Zurzeit stellen Schüler des St.-Gotthard-Gymnasiums Niederaltaich Arbeiten aus. „Das ist natürlich nicht ganz einfach, wenn man auf ein bestimmtes Niveau Wert legt“, sagt Jung, doch es gilt, den Nachwuchs für das Museum zu interessieren. Was man von jung an schätzt, erscheint in späteren Jahren vertraut und lebenswert.

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