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Prozesse

Frührentner von Schwiegersohn getötet

Ein 39-jähriger Straubinger stach seinem Opfer einen Holzsplitter mehrfach in die Halsschlagader. Es ging um 15 990, 70 Euro.
Von Wolfgang Ziegler

Tobias M. (l.) – mit seinem Verteidiger Rechtsanwalt Uwe Grabner – legte ein Geständnis ab. Foto: Ziegler
Tobias M. (l.) – mit seinem Verteidiger Rechtsanwalt Uwe Grabner – legte ein Geständnis ab. Foto: Ziegler

Regensburg.Wie viel ist ein Menschenleben wert? Das des 62-jährigen Frührentners Georg H. gerade einmal 15 990, 70 Euro. Wegen dieser Summe wurde der an einer Muskelkrankheit leidende Mann im Dezember vergangenen Jahres von seinem Schwiegersohn Tobias M. (39) in seiner Wohnung in Straubing niedergeschlagen und eiskalt getötet.

Tobias H. hatte seinem Opfer zunächst eine massive Holzschublade mit solcher Wucht auf den Kopf geschlagen, dass diese zerbrach. Danach hatte er einen besonders spitzen Holzsplitter des Möbel genommen und seinem auf dem Boden liegenden Schwiegervater mehrfach in die Halsschlagader gestoßen. Der 62-Jährige verblutete. Seit gestern muss sich Tobias M. vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Dr. Michael Hammer verantworten. Die Anklage lautet auf Mord.

Entzündet hatte sich der Streit, weil Tobias M. dem Frührentner einen vorübergehend überlassenen Geldbetrag zur Hälfte für eigene Zwecke verwendet hatte. Der 62-Jährige hatte seiner Tochter und seinem Schwiegersohn bereits 2011 knapp 22 000 Euro ausgehändigt, um das Geld auf diese Weise vor Gläubigern in Sicherheit zu bringen. Nachdem keine Gefahr von Schadensersatzansprüchen mehr bestand, bekam Georg H. nur ein Jahr später 10 200 Euro zurück. Die restliche, inzwischen auf 15 990,70 Euro angewachsene Summe verwendete Schwiegersohn Tobias M. aber, um sein eigenes Girokonto auszugleichen.

Bekennerbrief gebastelt

Am 10. Dezember 2018 schlug dann allerdings die Stunde. Georg H. hatte den Restbetrag zurückverlangt, Tobias M. hatte das Geld nicht mehr. Als der 39-Jährige am Nachmittag dieses Tages seinen Schwiegervater besuchte, um ihm die Sachlage zu erklären, war Streit vorprogrammiert. Der entbrannte auch sogleich, als Tobias M. „beichtete“. Georg H. soll seinen Schwiegersohn nach dessen Darstellung als „Idioten“ bezeichnet haben und auf ihn losgegangen sein. Der schubste den 62-Jährigen zurück, es ging hin und her, schließlich stürzte der körperlich unterlegene Frührentner und blieb am Boden liegen. Der Satz, er werde dafür Sorgen, dass Tobias M. seine Familie nicht mehr sehe, war sein Todesurteil. „Ich hab Angst gehabt. Ich zog die Schublade heraus und schlug zu. Ich war wie von Sinnen“, sagte der Angeklagte gestern vor Gericht. Auch dass er seinem Opfer mit einem Holzsplitter mehrfach in den Hals stach – „damit es nicht leiden muss“ – räumte er ein.

Danach fuhr er nach Hause, redete mit seiner Frau und seinen beiden Kindern als ob nichts gewesen wäre, man aß gemeinsam zu Abend. Nachts bastelte Tobias M. aus ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben einen Bekennerbrief, in dem es hieß: „Schwein, wir haben Dich, Du Kindergrabscher“, womit er von sich ablenken wollte.

Eindeutige DNA-Spuren

Am nächsten Morgen ließ er sich unter einem Vorwand von seinem Hausarzt krankschreiben und brachte den Zettel in die Wohnung seines Schwiegervaters, wo dieser noch immer tot in seinem Blut lag. Er packte die zerborstenen Holzteile der Schublade zusammen, nahm das Handy des 62-Jährigen, packte eigene Kleidung dazu, die er am Vortag getragen hatte, und warf das Beweismaterial in die Donau. Weit kam es nicht, Polizei-Taucher stellten es alsbald sicher. Die darauf hinterlassenen DNA-Spuren waren eindeutig.

Tötungsdelikte

  • Mord § 211 StGB:

    Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder aus sonstigen niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam, mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet. Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. Lebenslänglich kann nach der Verbüßung von 15 Jahren Haft zur Bewährung ausgesetzt werden.

  • Totschlag § 212 StGB:

    Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft. In besonders schweren Fällen ist auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen.

Wohl auch aufgrund dieser erdrückenden Beweislast legte der Angeklagte vor der Schwurgerichtskammer ein umfassendes, jedoch mit einigen Erinnerungslücken gespicktes Geständnis ab. Anders als die Anklage schilderte er die Tötung seines Schwiegervaters aber als Affekttat, also nicht als geplanten Mord. Er habe mit dem 62-Jährigen reden und ihm aufzeigen wollen, wie er das unterschlagene Geld zurückzuzahlen gedenke. Angeblich hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits entsprechende Schritte eingeleitet.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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