MyMz

Parteitag

Für Söder Macht, für Seehofer Ehre

Die CSU wählt Söder mit 87,4 Prozent zum neuen Chef. Es geht an diesem Tag auch um Horoskope und den Blick in die Zukunft.
Von Christine Schröpf

Der bisherige Parteivorsitzende Horst Seehofer (l.) gratuliert dem neu gewählten CSU-Vorsitzenden Markus Söder beim Sonderparteitag in der Kleinen Olympiahalle in München. Foto: Tobias Hase/dpa
Der bisherige Parteivorsitzende Horst Seehofer (l.) gratuliert dem neu gewählten CSU-Vorsitzenden Markus Söder beim Sonderparteitag in der Kleinen Olympiahalle in München. Foto: Tobias Hase/dpa

München.Ob Markus Söder die CSU zur neuen Stärke führt, wird sich zeigen. An den 87,4 Prozent bei seiner Wahl zum neuem CSU-Chef lässt sich jedenfalls sein aktueller Kurswert in der eigenen Partei ablesen. Beim Sonderparteitag am Samstag in München erhält er 674 Ja-Stimmen, kassiert aber auch 97 Nein-Stimmen. Als das Ergebnis verkündet wird, atmet Söder erst einmal tief durch. „Ein Vertrauensvorschuss“, sagt er – sieht aber Potenzial nach oben. Als Vergleichswert gelten die 90,3 Prozent, die Vorgänger Horst Seehofer 2008 bei seiner ersten Wahl erhalten hatte. Er trete in „große Fußstapfen“, hatte Söder schon bei seiner Ankunft Demut demonstriert. Nach 35 Jahren Mitgliedschaft in der CSU bekomme er nun die Chance, diese „großartige Partei“ zu führen.

„Die Partei ist motiviert und geschlossen. Jetzt wird marschiert.“

Der Oberpfälzer CSU-Chef Albert Füracker

Der Chamer CSU-Landtagsabgeordnete Gerhard Hopp spricht von einem „ehrlichen Ergebnis“. Wichtig war ihm Söders Versprechen zur Teamarbeit – und die Absage an eine One-Man-Show. „Das brauchen wir jetzt.“ Die Einschätzung des Oberpfälzer CSU-Chefs und bayerischen Finanzministers Albert Füracker fällt uneingeschränkt positiv aus. „Ein hervorragendes Ergebnis. Die Partei ist motiviert und geschlossen. Jetzt wird marschiert.“ 35-Prozent-Umfragen zwingen die CSU zu einem Neustart. Den rund 800 Delegierten, die zum Parteitag gekommen sind, steckt noch die 37,2-Prozent-Pleite bei der Landtagswahl in den Knochen. Bei der Europawahl im Mai und den Kommunalwahlen 2020 will man wieder Erfolge einfahren.

 Der bisherige Parteivorsitzende Horst Seehofer winkt beim CSU-Sonderparteitag zur Neuwahl des Parteivorsitzenden in der Kleinen Olympiahalle in München (Bayern). Foto: Tobias Hase/dpa
Der bisherige Parteivorsitzende Horst Seehofer winkt beim CSU-Sonderparteitag zur Neuwahl des Parteivorsitzenden in der Kleinen Olympiahalle in München (Bayern). Foto: Tobias Hase/dpa

Auch Seehofer steht an diesem Tag im Fokus. Söders Aufstieg markiert seinen Machtverlust. Im März 2018 hatte er bereits sein Ministerpräsidentenamt an den Rivalen übergeben, nun erfolgt der zweite Stabwechsel. Seehofers Abschiedsrede fällt am Samstag knapp aus. Sie dauert nur 18 Minuten. Sein wichtigster Wunsch für die Zukunft: „Verachtet mir die kleinen Leute nicht.“ Kurz streift er die „Misshelligkeiten“, die es beim Machtkampf in der CSU gegeben habe. Er habe vieles „hingenommen und geschluckt“, aber nicht weiter darüber geredet – und werde das auch künftig so halten.In seiner letzten Stunde als CSU-Chef verlässt ihn aber nicht die Freude am hintersinnigen Scherz, er wagt sich in typischer Manier auf heikles Terrain. Seehofer (Sternzeichen Krebs) zitiert aus seinem Tageshoroskop, aus dem sich mit etwas Phantasie ein Rückzug vom Rückzug vom Parteivorsitz ableiten ließe – und das nach all den Monaten, in denen seine Partei alle Hebel ansetzte, um ihn aus dem Amt zu befördern. „Sie verlieren keinesfalls Ihr Gesicht, wenn Sie eine getroffene Entscheidung revidieren“, hatte Seehofer am Morgen in seiner Heimatzeitung gelesen. „Vor zehn Jahren hätte ich das als Auftrag empfunden, heute fehlt mir die Risikobereitschaft“, sagt er.

Schluss-Applaus: 3 Minuten, 20 Sekunden

An der Länge des Schlussbeifalls lässt sich der Grad des Wohlwollens bemessen, den die Delegierten Seehofer nach all den Querelen aktuell zugestehen. Es werden 3 Minuten und 20 Sekunden. Das ist ordentlich, aber nicht berauschend. Bei den Delegierten hat er in der Schlussphase als Parteichef Sympathien verscherzt. „Er hat Dank für sein Lebenswerk verdient, aber er nicht für seinen zähen Abschied“, sagt Matthias Beer, Landesschatzmeister der Jungen Union Bayern und Ortsvorsitzender der CSU Beratzhausen (Lkr. Regensburg). Der Oberpfälzer Landtagsabgeordnete Hopp sagt: Die vergangenen eineinhalb Jahre seien schwierig gewesen. „Aber in der Gesamtsicht steht er in einer Reihe mit Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber.“

Miniatur-Parteizentrale für Seehofer

Von Söder kommt in der Stunde des Erfolgs eine Geste an den Vorgänger. Er schlägt Seehofer für den CSU-Ehrenvorsitz vor. Die Delegierten stimmen noch beim Parteitag mit großer Mehrheit dafür. „Ein starkes Signal, dass Seehofer nicht abgedrängt wird“, sagt die Oberpfälzer Delegierte Erika Sauer. „Die Unterstützer von Markus Söder reichen den Unterstützern von Horst Seehofer die Hand.“

Seehofer erhält zum Abschied vom Parteivorsitz einen Nachbau der CSU-Parteizentrale für seine Modelleisenbahn. Foto: Tobias Hase/dpa
Seehofer erhält zum Abschied vom Parteivorsitz einen Nachbau der CSU-Parteizentrale für seine Modelleisenbahn. Foto: Tobias Hase/dpa

Seehofer erhält auch ein wohl überlegtes Abschiedspräsent: Eine Miniatur der CSU-Parteizentrale, Maßstab 1:87, von einem Modellbauer in 300 Stunden Arbeit gefertigt, gedacht für Seehofers Modelleisenbahnanlage im Keller des Ferienhauses im Altmühltal. In der echten Parteizentrale zieht nun Söder die Fäden. Er hat der CSU einen Reformkurs verordnet: Sie soll frischer, jünger, weiblicher werden – allerdings ohne die Männer und die Generation 50 plus zu verschrecken. Der Oberpfälzer JU-Mann Beer glaubt, dass das gut gelingen wird. Er nennt den Vorstand des CSU-Kreisverbands Regensburg-Land als Musterbeispiel. „Knapp 40 Prozent sind unter 40 Jahre.“ Es gebe eine große Bereitschaft der älteren Parteifreunde, Spielräume zu schaffen. „Von dieser Generation höre ich eher: ihr Jungen müsst ran.“

„Ich bin nicht bereit, München und andere Städte dauerhaft den Grünen zu überlassen.“

Der neue CSU-Chef Markus Söder

Die Debatte über die CSU-Reform soll in den kommenden Monaten geführt werden, bei einem Parteitag im Herbst dann Beschlüsse gefasst werden. Auch inhaltlich will Söder die CSU besser positionieren und um verlorene Wähler kämpfen. „Ich bin nicht bereit, München und andere Städte dauerhaft den Grünen zu überlassen.“ Er will auch die Neubürger im Freistaat stärker umwerben, nur 25 Prozent von ihnen hatten bei der Landtagswahl für die CSU votiert. „Bayer wird man nicht nur durch Geburt“, sagt Söder. Vor allem aber will er das Gemeinschaftsgefühl in den eigenen Reihen stärken. „Lasst uns endlich anfangen, aus großartigen Solisten ein noch besseres Orchester zu machen.“

CSU-Parteitag

Seehofers Adieu als CSU-Chef

Erst war er der Retter der CSU, nun setzt die Partei auf Söder. Beim Parteitag am Samstag findet der Wechsel seinen Abschluss

Unterstützung im Europa-Wahlkampf

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, Manfred Weber, Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei im EU Parlament, und Markus Söder beim CSU-Sonderparteitag. Foto: Tobias Hase/dpa
Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, Manfred Weber, Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei im EU Parlament, und Markus Söder beim CSU-Sonderparteitag. Foto: Tobias Hase/dpa

Die Europawahl im Mai wird zum ersten Testfall. Mit CSU-Vize Manfred Weber hat die Partei einen Mann am Start, der gute Aussichten hat, im Sommer zum EU-Kommissionspräsidenten aufzusteigen. Der Niederbayer ist Spitzenkandidat der konservativen Parteien-Familie EVP. Weber präsentiert am Samstag einen Leitantrag mit starker proeuropäischer Note. Die Europawahl im Mai wird zum ersten Testfall. Mit CSU-Vize Manfred Weber hat die Partei einen Mann am Start, der gute Aussichten hat, im Sommer zum EU-Kommissionspräsidenten aufzusteigen. Der Niederbayer ist Spitzenkandidat der konservativen Parteien-Familie EVP. Weber präsentiert am Samstag einen Leitantrag mit starker proeuropäischer Note. Er sieht Europa am Scheideweg und appelliert an die Bürger, sich bei der Stimmabgabe zur Europawahl der eigenen Verantwortung bewusst zu sein, bevor es zu spät ist. Es dürfe nicht passieren, „dass wir am 27. Mai alle in der Früh die Nachrichten anschauen und feststellen, dass dieser Kontinent am Rutschen ist“.

CDU-Chefin nennt Weber „Glücksfall“

Söder sichert Weber im Wahlkampf maximale Unterstützung zu. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, die als Gast zur CSU gekommen ist, steht dem nicht nach. „Wir arbeiten in den nächsten Monaten für einen Mann: für Manfred Weber“, sagt sie. Er sei der „Kandidat der Herzen“ und ein Glücksfall für die Union.

Weitere Nachrichten aus der bayerischen Landespolitik finden Sie hier!

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht