MyMz

Jahresrückblick

Gala: Drei Überraschungen für den VKKK

Der regionale Jahresrückblick „Menschen, die bewegen“ zeigt 2019 viele Emotionen. Von Witz bis Provokation war alles dabei.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Der VKKK durfte sich am Ende des Abends über zwei große Schecks und einen neue BMW 118i freuen. Foto: Lex
Der VKKK durfte sich am Ende des Abends über zwei große Schecks und einen neue BMW 118i freuen. Foto: Lex

Regensburg.Einen Menschen wie Prof. Dr. Franz-Josef Helmig, Vorsitzender des Vereins zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder in Ostbayern (VKKK), bringt eigentlich selten etwas aus der Ruhe. Bei der Jahresrückblicksgala „Menschen, die bewegen“ am Samstagabend in Regensburg ist er aber dann doch etwa überrumpelt. „Platt“, wie er es nennt. Ein bisschen etwas habe er gewusst, aber damit habe er nicht gerechnet, gesteht er. Denn der VKKK wird nicht nur mit einem, sondern mit drei vorgezogenen Weihnachtsgeschenken bedacht. 15 000 Euro werden aus den Erlösen der Gala übergeben – von Martin Wunnike, Vorsitzender der Geschäftsführung des Mittelbayerischen Verlags, und Geschäftsführer und Chefredakteur Manfred Sauerer. Weitere 6100 Euro legt die Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank Regensburg-Schwandorf obendrauf und das BMW Group Werk Regensburg unterstützt das Engagement für schwerkranke Kinder und deren Familien mit einem neuen BMW 118i im Wert von 40 000 Euro.

Alle Talk-Gäste des Abends kommen nochmal auf der Bühne zusammen. Foto: Lex
Alle Talk-Gäste des Abends kommen nochmal auf der Bühne zusammen. Foto: Lex

Für das Publikum im ausverkauften Marinaforum ist die Spendenübergabe der krönende Abschluss eines überaus gelungenen Abends. Die vierte Gala „Menschen, die bewegen“ wird als die bisher schönste gelobt. Es wird gelacht, gestaunt, provoziert, Anteil genommen. Elf außergewöhnliche Menschen und ihre Geschichten lassen die Rückschau auf 2019 wie im Flug vergehen.

Schwester Jubilata und ihr Stöckli

Für das sogenannte Warm-up sorgen in diesem Jahr nicht die Moderatoren, Redakteurin Marina Gottschalk und Josef Pöllmann, geschäftsführender Chefredakteur der Mittelbayerischen, sondern Missionsschwester Jubilata aus dem Kloster Strahlfeld. Kräftig klatschen, an die Ohrläppchen fassen und herzhaft lachen: Körper und Seele gesund zu halten, das ist offenbar ganz einfach, wenn man ihren Anweisungen folgt.

Kräftig klatschen, an die Ohrläppchen fassen und herzhaft lachen: Beim Warm-up ist das Publikum gefordert. Foto: Lex
Kräftig klatschen, an die Ohrläppchen fassen und herzhaft lachen: Beim Warm-up ist das Publikum gefordert. Foto: Lex

Die Missionsschwester erzählt, wie sie mit der in Afrika erlernten Reflexzonenmassage Schmerzen lindern kann. Aus einem Besenstil hat sich die 77-Jährige ein „Stöckli“ gebastelt, mit dem sie auch schwierige Stelle zur Behandlung erreicht. „Und dann wird auch mal laut geschrien“, fragt Pöllmann nach. „Ja“, lacht Jubilata. „Die Nachbarn wissen ja Bescheid.“

Hannes Ringlstetter spühte vor Witz

Hannes Ringlstetter erzählt von seinen Anfängen in Regensburg. Foto: Lex
Hannes Ringlstetter erzählt von seinen Anfängen in Regensburg. Foto: Lex

Wie Jubilata sprüht auch Kabarettist Hannes Ringlstetter, der 2019 mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet wurde, vor Witz. Er erzählt, dass er immer häufiger gerne einfach nur blöd vor sich hinschaut. Dabei hat Ringlstetter dafür nicht viel Zeit. Er tourt mit seiner Band, hat eine Rolle in der TV-Serie „Hubert und Staller“ und seit 2016 auch eine Late Night Show im Bayerischen Fernsehen. Doch bis dahin sei es ein langer Weg gewesen, sagt er. Im kommenden Jahr wird er 50 Jahre und würde sich selbst gerne ein besonderes Geschenk machen und die Namensrechte an der Continental-Arena erwerben. „Einen Dauerauftrag mit 340 Euro im Monat würde ich raushauen“, lässt er Jahn-Präsident Hans Rothammer wissen.

Sehen Sie hier die schönsten Bilder des Gala-Abends:

Die "Menschen, die bewegen"-Gala 2019

Auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld ist Roland Büchner, der sich kürzlich als Domkapellmeister in den Ruhestand verabschiedet hat. Noch sei er nicht dazu gekommen, viel zu lesen, zu reisen oder sich als Gasthörer an der Universität einzuschreiben, gesteht er. „Erst muss ich mein Büro ausräumen. Aber weil ich dabei immer Noten und andere interessante Dinge finde, dauert das so lange.“ Ein Domspatzen-Konzert seines Nachfolgers habe er bereits besucht. „Das war schon komisch.“

Vorkämpferin für den Birth-Strike

Dr. Verena Brunschweiger ist Vorkämpferin für den Birth-Strike und provoziert gerne, wie man auch an ihren Äußerungen bei der Gala merkt. Die Lehrerin am Albrecht-Altdorfer-Gymnasium in Regensburg machte 2019 mit ihrem Buch Schlagzeilen, in dem sie Frauen auffordert, zugunsten des Klimas auf eigene Kinder zu verzichten. Sie selbst, die von manchen Medien als „Herzlos-Lehrerin“ kritisiert wurde, sieht ihre Einstellung als Dienst an der Gesellschaft. „In der Klimadebatte geht es immer nur um einen Strohhalm hier und eine Plastiktüte da, aber mir liegt etwa an diesem Planeten und deshalb möchte ich mehr tun, als auf Strohhalme zu verzichten“, sagt sie.

Vor der Gala haben wir die Gäste gefragt: Welche Menschen haben Sie 2019 besonders bewegt?

Am roten Teppich bei „Menschen, die bewegen“

Den rasantesten Auftritt des Abends bestreitet Klaus Gebhardt aus Schwandorf. Gebhardt arbeitet bei der Sparkasse und ist in zwei Feuerwehren aktiv. Bei Einsätzen legt er die 600 Meter zwischen Arbeitsplatz und Gerätehaus mit einem Cityroller zurück. In orangefarbener Warnweste ist er mittlerweile als schnellster Feuerwehrmann in der Stadt bekannt. „Damit habe ich auch schon Radfahrer überholt“, erzählt er.

„Diese Behörde hat mein Leben zerstört.“

Joachim Wolbergs

Die Lebensgeschichte des derzeit suspendierten Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs kennt in Regensburg jeder. Zum zweiten Mal steht er in der sogenannten Korruptionsaffäre vor Gericht. Wie sich der Absturz anfühle, will Pöllmann wissen. „Das hält jeder aus, der davon überzeugt ist, dass das, was ihm vorgeworfen wird, nicht stimmt“, sagt Wolbergs. Welche Wut sich allerdings in ihm angestaut hat, wird deutlich, als die Rede auf den Prozess kommt. „Diese Behörde hat mein Leben zerstört“, sagt er über die Staatsanwaltschaft. Sein Wunsch für die Zukunft: Er wolle gesund bleiben und wieder Oberbürgermeister werden.

Die Gala und ihre Sponsoren

  • Ausstrahlung:

    Der Regionalsender TVA strahlt eine Aufzeichnung der Gala am Samstag, 7. Dezember, um 20 Uhr in seinem Programm aus. Am Mittwoch, 1. Januar läuft die Show noch einmal ab 18 Uhr.

  • Sponsoren:

    BMW Group Werk Regensburg, Rewag und Volksbank Raiffeisenbank Regensburg Schwandorf.

  • Spendenzwecke:

    Bisher wurden mit Spenden bedacht: Rettungsorganisation Sea Eye, Verein „Mütter in Not“, Zentrum für Seltene Erkrankungen am Uniklinikum, VKKK.

Seniorinnen auf Autogrammjagd

Ilse Schnaitter (l.) und Sofie Graßegger lieben das Autogramme jagen. Foto: Lex
Ilse Schnaitter (l.) und Sofie Graßegger lieben das Autogramme jagen. Foto: Lex

Nur zwei wichtige Autogramme fehlen Ilse Schnaitter und Sofie Graßegger – das von Robbie Williams und vom Papst, sagen sie. Die Frauen haben ein außergewöhnliches Hobby. Sie sammeln Unterschriften Prominenter Auf höchst amüsante Weise erzählen sie, wie sie stundenlang auf die Stars warten – nicht immer lohnt sich der Einsatz. Die jüngeren Stars, die gerade mal einen Tag bekannt seien, seien nicht so herzlich, beklagt sich Sofie Graßegger.

Als Speicherpapst hat sich Professor Michael Sterner von der OTH Regensburg einen Namen gemacht. Der 41-Jährige entwickelte die Power-to-Gas-Technologie. Sterner gilt als Vordenker und hat sogar einen Song für die Klimabewegung geschrieben. „Es geht um unsere Existenz, um unsere Lebensgrundlage.“ Die Klimaziele der Bundesregierung sieht er als völlig unzureichend an. „Lasst den Worten endlich Taten folgen“, sagt er unter Beifall.

Hier sehen Sie den ersten Teil der Gala:

Gala 2019: Menschen, die bewegen

Seit über 20 Jahren auf der Bühne

Sängerin Steffi Denk zeigt auch ihr musikalisches Können. Foto: Lex
Sängerin Steffi Denk zeigt auch ihr musikalisches Können. Foto: Lex

Sängerin Steffi Denk steht seit über 20 Jahren auf der Bühne, am Samstagabend allerdings nicht mit der Showband um Geff Eisenhauer und Sänger Markus Engelstädter, sondern als Talkgast. Sie spricht unter anderem über ihre Adipositas-Erkrankung. Nach einer Magen-Verkleinerung hat sie 90 Kilo abgenommen. Aber auch mit weniger Körpervolumen bleibt sie eine der besten Stimmen Ostbayerns, wie sie auf der Bühne unter Beweis stellt.

Auch Hermann Goß, Chef der Brauerei Bischofshof, ist 2019 in den Ruhestand gegangen. „Im Blut vom Hermann muss eigentlich Bier fließen“, schrieb einmal eine italienische Fachzeitung über ihn. Er habe „vom Papst bis zum Ganoven“ alle mit Bier versorgt, erzählt er. Die Brauerei loszulassen, sei ihm dennoch einfacher gefallen, als er gedacht habe. Goß ist jetzt als Weltenbummler unterwegs.

Spielplatz und Nachsorgezentrum in Planung

Den jüngsten Gast des Abends begleitet Schauspieler und VKKK-Vorstandsmitglied Marcus Mittermeier auf die Bühne. Victoria Behm aus Kümmersbruck ist zwölf Jahre alt und hat schon einen tapferen Kampf gegen den Krebs geführt. Seit vier Jahren ist sie das Gesicht einer Spendenkampagne und darf deshalb beim Höhepunkt des Abends, der Schecküberreichung, mit dabei sein.

Event

Hinter den Kulissen der großen Gala

Bei „Menschen, die bewegen“ amüsierten sich viele Galagäste bis tief in die Nacht. Emotionen gab es nicht nur auf der Bühne.

Das Lachen von Kindern wie Victoria, die durch eine schwere Zeit gehen müsse, treibt die Verantwortlichen des VKKK seit 30 Jahren an, Spenden zu generieren, um vielfältige Hilfen zu leisten. Prof. Helmig verrät, dass die Gelder für einen Spielplatz an der Kinder-Uniklinik verwendet werden. Auch ein Nachsorgezentrum sei in Planung. Mit der Gala „Menschen, die bewegen“, sei man diesen Zielen ein Stück näher gekommen, bedankt er sich. Und die nicht abgesprochene Überraschung auf der Bühne hat der VKKK-Vorsitzende dafür gerne in Kauf genommen.

BMW stellt sich in Regensburg neu auf

  • Veränderung:

    Einen Blick in die Zukunft gewährte BMW am Samstagabend. Im April kommt das erste elektrifizierte Fahrzeug aus Regensburg auf den Markt, der X1 als Plug-in-Hybrid.

  • Vorhaben:

    BMW hat in Regensburg das Ziel, verschiedene Antriebe in einem Werk zu fertigen. Am Ende soll der Kunde entscheiden, ob er sein Lieblingsmodell als Verbrenner, Hybrid oder als Elektroauto fahren will. Um das zu erreichen, verändert sich an vielen Stellen der Arbeitsalltag.

  • Investitionen:

    BMW investiert nach eigenen Angaben in die Transformation des Regensburger Werks innerhalb von fünf Jahren mehr als 300 Millionen Euro.

  • Maßnahmen:

    Für den Prozess sind bauliche Veränderungen wichtig. Außerdem sollen die Mitarbeiter fit gemacht werden für Zukunft.

Gala 2019: Menschen, die bewegen - Teil 2

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht