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Ausbildung

Gesang und Tanz mit Tradition

In München wird Volksmusik an der Uni gelehrt. In Freyung können Studierende üben, ihr Fach in der Praxis zu unterrichten.
Von Melanie Bäumel-Schachtner

Es macht Spaß, ins Waldhorn zu pusten. Doch für die Nachbarn hören sich die Klänge noch nicht so harmonisch an. Foto: Melanie Bäumel-Schachtner
Es macht Spaß, ins Waldhorn zu pusten. Doch für die Nachbarn hören sich die Klänge noch nicht so harmonisch an. Foto: Melanie Bäumel-Schachtner

Straubing.Musik, Gesang und Tanz – aus diesen drei Komponenten besteht echte Volksmusik. Und die macht nicht nur Erwachsenen richtig Spaß, sondern auch Kindern. Diese Freude wollen 13 Studenten in ihrem späteren Berufsleben Groß und Klein vermitteln und haben bereits damit angefangen.

Sie werden derzeit noch an der Hochschule für Musik und Theater in München ausgebildet, der einzigen Hochschule in Deutschland, an der Volksmusik tatsächlich als Fach studiert werden kann. Die jungen Musiker wollen später unterrichten und brauchen dazu schon jetzt Übung. Deshalb hat Simone Lautenschlager, die Studiengangleiterin an der Hochschule, eine Kooperation mit der nagelneuen Volksmusikakademie in Freyung begonnen. Einmal im Jahr sollen dort alle 13 Studenten des Studiengangs ausprobieren können, wie der Unterricht für Jung und Alt am besten aussieht, damit auch alle motiviert bei der Sache sind. Jeden Vormittag waren 90 Schulkinder zu Gast und machten die Volksmusikakademie zu einem noch bunteren Ort.

Vielfältige Figuren

Im Wald leben Bären und Rehe, auch die Wildsau darf nicht fehlen, aber was macht die Riesenschlage im Forst? Sie schlängelt sich hindurch und wird verkörpert von rund 30 Dritt- und Viertklässlern der Grundschule am Schloss Wolfstein in Freyung. Resi Fehringer steht in der Mitte eines Probenraumes der heuer eingeweihten Volksmusikakademie und gibt Anweisungen. Mit blitzenden Augen stellen sich die Kinder paarweise auf und marschieren im Takt von fröhlichen volksmusikalischen Klängen los. Sie meistern gekonnt die Figuren, ab und an liebevoll, aber bestimmt korrigiert von den Studenten der Hochschule, die für den vormittäglichen Unterricht die Regie übernommen haben. Die Mienen sind hochkonzentriert, doch als das Stück mit den Tanzbewegungen gemeistert ist, brandet Jubel auf und alle freuen sich, auch Resi Fehringer.

Die 29-Jährige kommt aus Niederösterreich und ist nach München gezogen, um dort Volksmusik zu studieren. „Bei mir zu Hause ist diese Kultur nicht verankert. Als Harfenistin wollte ich auch diese Seite der Musik kennenlernen und habe mich für den wunderschönen Studiengang entschieden“, sagt die quirlige Musikerin und freut sich, dass sie in Freyung so gut aufgenommen wurde: „Die Kinder sind voll lieb und brav, sie machen super mit, es macht riesig Spaß und das Ambiente ist total toll. Hier kann man auch mal mehr Zeit mit dem Unterricht verbringen und vieles ausprobieren“, freut sie sich. Die Kinder – jeden Tag ist eine andere Schule dran mit dem kostenlosen Unterricht – hängen an ihren Lippen.

Zwischenzeitlich stielt ihr Kommilitonin Sophia die Schau. Zusammen mit Resi hat sie eine Unterrichtseinheit zum Thema „Wald“ vorbereitet. Sie fragt in die Runde, wer einmal in ihr Waldhorn pusten möchte. Sofort schnellen die Kinderfinger nach oben. Einige Kinder wählt die Hornistin aus und lässt sie probieren, dem funkelnden Instrument Töne zu entlocken. Da sie die Technik vorher schon mit den Kindern geübt hat, klappt das sogar ganz gut. Ein wenig schräg ist der Klang aber schon – ein paar Kinder halten sich bei den Erstversuchen ihrer Mitschüler grinsend die Ohren zu.

Komplizierte Tanzfiguren sind unter der Regie der motivierten Studenten kein Problem. Foto: Melanie Bäumel-Schachtner
Komplizierte Tanzfiguren sind unter der Regie der motivierten Studenten kein Problem. Foto: Melanie Bäumel-Schachtner

Am Dachboden wird mit der Steirischen aufgespielt, und einige Studenten üben mit den Kindern Volkstanz. Die Figuren wie die Schnecke und das paarweise Aufstellen klappen schon gut. Die ganze Woche über kommen morgens Kinder, abends Erwachsene, damit die Studenten intensiv üben können, wie der Spaß an der Volksmusik am besten vermittelt werden kann. Es gibt Seminare, Tanzabende und auch ein Konzert.

Intensive Erfahrungen

„Sie lernen dabei sehr viel für ihr späteres Berufsleben“, weiß Simone Lautenschlager. Der Studiengangleiterin zufolge werden die Kinder vormittags auf verschiedene Gruppen aufgeteilt, und die Studenten bereiten Unterrichtseinheiten vor. „Dabei können sie jeden Tag anhand einer anderen Gruppe testen, wie die Inhalte ankommen und diese verfeinern und verbessern“, sagt die 38-jährige Diplom-Musiklehrerin, die Klarinette im Hauptfach studiert hat. Für sie ist die Kooperation mit der Volksmusikakademie eine Win-Win-Situation: „Wir buchen diese eine ganze Arbeitswoche und erhalten so die Möglichkeit, Kinder und Erwachsene in tollen Räumlichkeiten intensiv zu unterrichten und das in der Hochschule Vermittelte in der Praxis anzuwenden“, so ihr begeistertes Urteil. „In München wäre das nicht möglich, es gibt keine geeigneten Räume, und auch die Kinder muss man erstmal finden.“

Dabei haben die Kinder eine Menge Spaß. Das können Xaver und Dominik, die zwei Freyunger Grundschüler in der Gruppe von Resi Fehringer, nur unterstreichen. Auf die Frage der Studentin, wie ihnen der Vormittag an der Volksmusikakademie gefallen hat, warten die zwei gar nicht erst ab, bis sie aufgerufen werden: „War brutal schee“, ruft Xaver wie aus der Pistole geschossen. Dominik gibt ihm recht: „Einfach megaguad!“

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