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Glaube

Gloria: Der Papst soll Buße tun

Nach indigenen Riten im Vatikan: Katholiken kritisieren Franziskus. Bischof Voderholzer distanziert sich von dem Protest.
Von Marianne Sperb und Dr. Christian Eckl

  • Mitglieder eines indigenen Volkes mit bemalten Gesichtern und Federschmuck am Kopf treffen auf Papst Franziskus während der Eröffnungsmesse für die Amazonas-Synode. Foto: Andrew Medichini/AP/dpa
  • Ein Mädchen aus dem Amazonas-Gebiet überreicht Papst Franziskus am 27. Oktober eine Pflanze. Im Amazonas-Gebiet sollen angesehene Männer, die eine Familie haben und schon als Diakone tätig sind, auch Priester werden dürfen. Dafür stimmte in Rom die Mehrheit der Teilnehmer der Synode. Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Rom.Eine Gruppe konservativer Katholiken hat Papst Franziskus zu öffentlicher Buße wegen angeblichen Götzendienstes aufgerufen. Der Papst habe die „heidnische Göttin Pachamama“ angebetet und damit die Kirche des Apostels Petrus entweiht, zitieren die Katholische Nachrichtenagentur kna und Medien wie Domradio Köln aus einem Brief, der am Dienstag in sieben Sprachen auf verschiedenen Internetseiten veröffentlicht wurde. Unter den rund 100 Unterzeichnern ist auch Gloria von Thurn und Taxis.

Gloria von Thurn und Taxis (links) mit Bischof Rudolf Voderholzer und ihrer Tochter Elisabeth, bei den Schlossfestspielen 2018 in Regensburg: Die Fürstin gehört zu den Unterzeichnern eines Protestbriefs, der den Papst zu Buße aufruft. Voderholzer hat sich von der Aktion distanziert.  Foto: Armin Weigel/dpa
Gloria von Thurn und Taxis (links) mit Bischof Rudolf Voderholzer und ihrer Tochter Elisabeth, bei den Schlossfestspielen 2018 in Regensburg: Die Fürstin gehört zu den Unterzeichnern eines Protestbriefs, der den Papst zu Buße aufruft. Voderholzer hat sich von der Aktion distanziert. Foto: Armin Weigel/dpa

Die Verfasser des Schreibens rufen die Bischöfe weltweit zu einer „brüderlichen Zurechtweisung“ von Papst Franziskus auf. Die Oberhirten sollen Gläubige warnen, dem Beispiel des Kirchenoberhaupts zu folgen, weil sonst die „ewigen Verdammnis“ drohe. Die Kritiker werfen dem Pontifex vor, er habe das erste alttestamentliche Gebot verletzt.

Requiem

Glorias Requiem ohne den Kardinal

Kardinal Müller war erkrankt. An seiner Stelle feierte der Prälat das Requiem mit der Fürstin und ihren Töchtern.

Auslöser der Aktion ist die Amazonas-Synode Ende Oktober in Rom. Zum Auftakt hatte in den vatikanischen Gärten ein Gebet für die Schöpfung mit indigenen Riten stattgefunden. Symbole indigener Traditionen waren auch während der Synode und ihrer Gottesdienste zu sehen. In der Kirche Santa Maria wurden sogenannte Pachamama-Figuren aufgestellt; sie stellen die Muttergöttin Pachamama dar, die von indigenen Völkern in Südamerika verehrt wird. Die Holzfiguren einer unbekleideten Schwangeren sollen das Leben und seine Zukunft symbolisieren.

Petition „Gegen die jüngsten Sakrilege“

Konservative Christen werten „heidnische Symbole“ in einer Kirche als Sakrileg. Die Anbetung in den Vatikanischen Gärten betrachten die Briefschreiber als „Entweihung“. Zu den Unterzeichnern zählen laut dem Blog „Stilum Curiae“ des früheren Vatikankorrespondenten Marco Tosatti der deutsche Philosoph Josef Seifert und der emeritierte Freiburger Theologe Hubert Windisch sowie der Priester Stefan Dreher, Hausoberer der Petrusbruderschaft in Stuttgart.

Menschen

Bei Glorias Schattenmann im Schloss

Der streitbare Katholik Prälat Imkamp zog im Januar von Augsburg nach Regensburg – als Hausgeistlicher von St. Emmeram.

Die Petition „Gegen die jüngsten Sakrilege“ stützt sich auf Kritik von verschiedenen Kardinälen und Bischöfen, die die Gestaltung der Amazonas-Synode als „götzendienerisch und sakrilegisch“ verurteilt hätten. Als Gewährsleute genannt werden die deutschen Kardinäle Walter Brandmüller und Gerhard Ludwig Müller sowie Bischof Rudolf Voderholzer.

„Vorwürfe, Anschuldigungen oder gar Verurteilungen des Papstes mit Internetaktionen gehen an der Sache vorbei und sind nicht der Weg, der zu diesem Ziel führt. Sie sind deshalb auch nicht mein Weg.“

Bischof Rudolf Voderholzer

Der Regensburger Bischof distanzierte sich am Mittwoch aber von dem Protestbrief. Im katholischen Nachrichtenportal kath.net schreibt Voderholzer, die Verfasser des Protestbriefs würden sich auf seine Predigt vom 31. Oktober beziehen: „Diesen Bezug und die mit ihm verknüpften Vorwürfe gegen Papst Franziskus weise ich entschieden zurück“, so der Bischof. Vorwürfe, Anschuldigungen oder gar Verurteilungen des Papstes mit Internetaktionen „gehen an der Sache vorbei und sind nicht der Weg, der zu diesem Ziel führt. Sie sind deshalb auch nicht mein Weg.“

Voderholzer hatte in seiner Predigt Ende Oktober aktuelle Debatten in der Kirche aufgegriffen. Sein Fazit formulierte Voderholzer am Mittwoch so: „Das Neue, was wir als Christen den Menschen bringen, ist Christus selbst. In seiner Neuheit kommt er den Fragen, der oft unausdrücklichen Sehnsucht aller Menschen und ihrer „natürlichen“ Religiosität entgegen, reinigt sie zugleich, erhöht sie und gibt ihnen die unüberbietbar göttliche Antwort. In Christus sind alle Religionen „aufgehoben“, „aufgehoben“ in einem dreifachen Sinn: Außer Kraft gesetzt, erhöht und bewahrt. Deswegen geschieht Inkulturation immer in Anknüpfung und Bruch zugleich.“

Proteste

Kirchengemeinde lädt Gloria wieder aus

Gloria von Thurn und Taxis hätte in einer Bochumer Kirche mit Kardinal Müller diskutieren sollen. Doch daraus wurde nichts.

Vehement hatte sich Voderholzer in der Predigt gegen die Forderung der Amazonas-Synode positioniert, auch nicht zölibatär lebende Priester in „entlegenen Regionen der Kirche“ zuzulassen: „Dies ist freilich nicht besonders originell oder gar neu, und in seiner Zielsetzung durchschaubar. Denn es gibt in der weltumspannenden einen und deshalb katholischen Kirche keine kirchlich zweitrangigen Regionen. Und in einer so bedeutenden Frage kann und wird es auch keine nur regionalen Lösungen geben.“

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