MyMz

Soziales

Gloria: „Viele brauchen Hilfe“

Die Fürstin spricht über soziales Engagement – und erzählt, wie sie überlegte, die Notstandsküche zu schließen.
Von Marianne Sperb

Gloria von Thurn und Taxis in der Notstandsküche, mit Küchenchef Helmut Seitz  Foto: Moosburger/altrofoto.de
Gloria von Thurn und Taxis in der Notstandsküche, mit Küchenchef Helmut Seitz Foto: Moosburger/altrofoto.de

Regensburg.Albert I. von Thurn und Taxis gründete die Notstandsküche 1919, um die Hungernden nach dem Ende des 1. Weltkriegs zu verköstigen. 100 Jahre später gibt es die Armenküche im Schloss nach wie vor – obwohl ihr Fortbestand schon mal in Frage stand. Fürstin Gloria spricht im MZ-Interview über die Hintergründe.

100 Jahre Notstandsküche: Was bedeutet Ihnen diese Tradition?

Sehr viel! Das ist eine sehr schöne Tradition und offensichtlich auch eine sehr wichtige. Denn es gibt noch viele Menschen, die tatsächlich dringend Hilfe brauchen. Ihnen ist dieses Essen eine ganz ganz große Hilfe zur Bewältigung ihrer Notlage.

Einige Gäste hier haben ihr Leben lang gearbeitet, aber heute bleibt ihnen nicht genug zum Leben. Wie sehen Sie die soziale Lage?

Wir haben einen Sozialstaat, der funktioniert auch gut. Dennoch ist es so, dass viele Menschen zu wenig haben. Natürlich muss man jeden Einzelfall anschauen, aber: Armut wird es immer geben – leider!

Fürst Albert I. gründete die Küche 1919, da hatte die Familie gerade selbst sehr viel verloren: 100 000 von 130 000 Hektar Grundbesitz. Welche Rolle spielt Wohltätigkeit bei Thurn und Taxis?

Ich glaube, Wohltätigkeit ist einfach eine konsequente Umsetzung des katholischen Glaubens. Thurn und Taxis war immer eine sehr katholische Familie, der es nicht nur im Gebet, sondern auch in der Praxis wichtig war, den Glauben zu leben, und nicht nur in der Familie, sondern auch im ganzen Umfeld. Es ist doch ein echtes Zeugnis von Glauben, wenn man ein Herz hat für die Schwächeren, insbesondere in einer Zeit, in der es einem selbst nicht so gut geht.

Haben Sie Kontakt zu den Gästen hier, gerade jetzt, bei den Vorbereitungen zum Jubiläum?

Ich kenne mehrere Leute, die regelmäßig hierherkommen, weil ich ab und zu vorbeischaue und gerade in letzter Zeit viel hier war. Der Großteil der Essen wird ausgeliefert, an Leute, die nicht mehr hierher kommen können, weil sie so unbeweglich geworden sind oder eben gar nicht mehr vor die Haustür gehen. Wir sind sehr dankbar, dass wir mit der Caritas zusammenarbeiten können, die den Leuten das Essen nach Hause bringt.

Eine Frau drehte sich gerade draußen in der Waffnergasse noch mal um und rief laut in die Luft: „Danke, liebe Fürstin!“ Bekommen Sie solche Reaktionen mit?

Ja, die Leute hier sind sehr nett und auch sehr zugänglich. Sie sind dankbar, und sie können diese Dankbarkeit auch aussprechen. Aber man tut ja nicht Gutes, weil man Dank bekommen möchte. Dank kommt manchmal auch von ganz anderer Seite zurück. Dank darf man nicht voraussetzen. Aber wenn er kommt, ist es schön.

Thurn und Taxis hat unterschiedliche Zeiten erlebt, gute und weniger gute. Haben Sie in den weniger guten, etwa nach dem Tod von Fürst Johannes, nicht überlegt, die Notstandsküche, die ja einen deutlichen sechsstelligen Betrag pro Jahr kostet, zu schließen?

Ganz am Anfang, als wir in einer finanziell schwierigen Lage waren, habe ich das schon überlegt. Wir rechneten aber alles durch und stellten sehr schnell fest, dass es sehr viele Menschen gibt, die die Hilfe der Notstandsküche dringend benötigen. Wir sagten: Okay, dann müssen wir an anderer Stelle sparen. Wir können nicht bei der Notstandsküche sparen, die müssen wir auf Teufel komm raus erhalten. Ich bin froh, dass wir das geschafft haben. Denn das Engagement ist ja immer davon abhängig, wie solvent das Haus ist. Wir haben die Krise bewältigt. Gott sei Dank.

Geben Sie einen kurzen Ausblick auf die Jubiläumsfeier am 11. Mai. Was ist geplant?

Das Schönste am 11. Mai ist natürlich der Gottesdienst. Die wunderbare Josef Menzl Blaskapelle wird den Gottesdienst gestalten und dann gehen wir mit unseren Gästen hier herüber, es gibt bayerische Schmankerln, die Blaskapelle spielt. Dann sitzen hier alle beinander: die Familie, die Gäste von auswärts, der Ministerpräsident Söder und die Gäste von der Notstandsküche, ganz gemischt. Und für alle gibt es das gleiche Essen. Ich könnte mir vorstellen, dass es schon ein sehr schönes Fest wird.

Hier geht es zum Bayern-Teil.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht