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Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Kollision

Haftbefehl gegen Fahrdienstleiter

Ein Personenzug fährt bei Aichach in einen Güterzug, zwei Menschen sterben. Der Fahrdienstleiter soll verantwortlich sein.
Von Ulf Vogler, dpa

Beim Zusammenstoß eines Personenzugs mit einem Güterzug in Aichach sind zwei Menschen ums Leben gekommen und 14 verletzt worden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Beim Zusammenstoß eines Personenzugs mit einem Güterzug in Aichach sind zwei Menschen ums Leben gekommen und 14 verletzt worden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Aichach.Erneut soll ein Bahn-Fahrdienstleiter ein schweres Zugunglück mit Toten verursacht haben. Nach einem Unfall mit zwei Todesopfern bei Aichach in Bayern hat die Polizei am Dienstag den 24 Jahre alten Fahrdienstleiter festgenommen. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg am Dienstag auf Anfrage sagte, wurde zwar Haftbefehl unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung gegen den 24-Jährigen beantragt und vom Ermittlungsrichter erlassen. Der Haftbefehl wurde laut Nachrichtenagentur afp aber unter Auflagen wieder außer Vollzug gesetzt.

Am Montagabend war gegen 21.15 Uhr eine mit rund 30 Passagieren besetzte Regionalbahn wenige Hundert Meter vor dem Bahnhof im schwäbischen Aichach frontal in die Lok eines stehenden Güterzuges gefahren. Der 37 Jahre alte Zugführer des Personenzuges und eine 73 Jahre alte Passagierin starben. 14 Menschen wurden zudem verletzt, teils schwer.

Der Fahrdienstleiter soll dafür verantwortlich sein, dass die beiden Züge auf demselben Gleis unterwegs waren und zusammenstießen. Ein technischer Defekt könne nach ersten Ermittlungen ausgeschlossen werden, sagte Polizeisprecher Markus Trieb. Allerdings könne noch nicht gesagt werden, was der 24-Jährige konkret falsch gemacht hat. „Dafür ist es noch viel zu früh.“

Der 37 Jahre alte Zugführer des Personenzuges und eine 73 Jahre alte Passagierin starben bei dem Unglück. In dem Triebwagen der Regionalbahn wurde bei dem Aufprall ein weiterer Fahrgast schwer verletzt. Zwei Passagiere erlitten mittelschwere und elf Fahrgäste leichte Verletzungen. Der Lokführer aus dem Güterzug kam ohne äußerliche Verletzungen davon.

Erinnerung an Unglück von Bad Aibling

Der Vorfall erinnert an das Zugunglück im oberbayerischen Bad Aibling vom Februar 2016. Damals waren zwei Züge der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) frontal zusammengestoßen. Zwölf Menschen starben, 89 wurden verletzt. Der Fahrdienstleiter hatte auf seinem Handy gespielt und Signale falsch gestellt. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung hatte er zurückgezogen.

Ob auch der 24-Jährige abgelenkt war und es deswegen zu dem Unfall in Aichach kam, war zunächst nicht geklärt. Betroffen war ein Personenzug der Bayerischen Regiobahn (BRB), die wie die BOB zum Berliner Nahverkehrskonzern Transdev gehört. „Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und den verletzten Passagieren“, sagte BRB-Chef Bernd Rosenbusch.

Auch die DB-Mitarbeiter reagierten mit tiefer Betroffenheit. „Den Angehörigen der beiden Verstorbenen möchte ich im Namen der Deutschen Bahn unser tiefes Mitgefühl aussprechen“, sagte Klaus-Dieter Josel, DB-Konzernbevollmächtigter für Bayern, in München. „Unsere Gedanken sind auch bei den Verletzten.“

Auch in der Oberpfalz passieren immer wieder schreckliche Unfälle an den Kreuzungsbereichen zwischen Zug und Straße. Mehr dazu lesen Sie hier.

Kripo ermittelt vor Ort

Wie die Polizei später herausfand, sollen etwa 15 weitere Passagiere, die offenbar ohne größere Blessuren blieben, nach dem Unglück den Einsatzort verlassen haben, bevor die Beamten deren Personalien feststellen konnten. Die Kriminalpolizei hofft nun, dass diese Fahrgäste sich bei der Polizei melden. Die Zeugen könnten wichtige Hinweise für das Ermittlungsverfahren geben.

Die Kriminalpolizei ermittelte bis zum späten Dienstagnachmittag vor Ort. Zudem kam ein externer Gutachter zur Unglücksstelle, um bei der Ursachensuche zu helfen. Danach begannen Bahnmitarbeiter damit, die demolierten Züge zu bergen und die Strecke auf Schäden zu untersuchen. Mit einer Freigabe der Bahnstrecke sei nicht vor Mittwoch zu rechnen, teilte die DB mit. Für die Fahrgäste wurde mit Bussen ein Ersatzverkehr eingerichtet.

170 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei waren in der Nacht an der Unfallstelle. Mehrere Rettungshubschrauber flogen die Verletzten in Kliniken. Im Landratsamt Aichach-Friedberg koordinierte die Führungsgruppe für den Katastrophenschutz den Einsatz.

Bei der DB arbeiten mehr als 12 000 Fahrdienstleiter, die täglich mehr als 40 000 Züge durch Deutschland steuern. Auf dem 34 000 Kilometer langen Schienennetz werden dafür rund 3000 Stellwerke genutzt, wo die Fahrdienstleiter Signale und Weichen per Hebel, Tasten oder Mausklick kontrollieren. Die Arbeitsbelastung der Fahrdienstleiter gilt als groß.

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