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Tradition

Hamburgerin näht Trachtenröcke

Erdbeerkuacha, Sommagwitta, Brausebuiva – so heißen Röcke von Caroline Herrmann-Lauenstein. Ihr Atelier liegt am Ammersee.
Von Martina Scheffler

In ihrem Element: Caroline Herrmann-Lauenstein beim Schneidern Foto: Lino Mirgeler/dpa
In ihrem Element: Caroline Herrmann-Lauenstein beim Schneidern Foto: Lino Mirgeler/dpa

Schondorf.Es ist ein bisschen die Verwirklichung eines Kindheitstraums, das Modell „Griasnockerl“ oder auch das weit schwingende „Kaffeehaferl“ – kein Kaffeeklatschmenü, sondern Trachtenröcke.

Elemente der Herkunftskultur mit den Traditionen der neuen Heimat mixen – nichts anderes eigentlich hat Caroline Herrmann-Lauenstein gemacht. Ihre Trachtenröcke haben Hamburger Migrationshintergrund, wie sie selbst. Die 52-Jährige lebt im schönsten Oberbayern, in Schondorf am Ammersee, stammt aber aus der Hansestadt. Zunächst führte der Weg der gelernten Maskenbildnerin etappenweise von Eimsbüttel bis Eppendorf.

Trachtenstoffe und Dirndl habe ich immer schon gemocht, aber das zieht man in Hamburg letztlich nicht an.

Caroline Herrmann-Lauenstein

Bis sie am Thalia-Theater einen Herrn aus München kennenlernte. Als dann der Nachwuchs kam, stand die Familie vor der Frage: Nordseeinsel oder Bayern? Der Ammersee war beiden bekannt, sie hatten Freunde dort. In der neuen Heimat entdeckte Herrmann-Lauenstein die Liebe zur Trachtenmode neu. „Trachtenstoffe und Dirndl habe ich immer schon gemocht, aber das zieht man in Hamburg letztlich nicht an.“

n Bayern angekommen, kaufte sich die Großstädterin gleich mehrere Dirndl, die sie aber mangels Gelegenheit kaum anzog. Sie wollte etwas, das man häufiger tragen kann – mit Trachtenelementen, aber nicht so, dass man gleich gefragt wird, ob man aufs Oktoberfest geht. „Dann habe ich für mich einen Rock genäht, und daraus ist eine Leidenschaft geworden.“

Kreationen werden bis nach Südtirol und in die Schweiz verkauft

Irgendwann ging sie mit ihren Modellen auf einen Kunsthandwerkermarkt und wurde von einem Ladenbesitzer angesprochen. Inzwischen ist sie in zahlreichen Geschäften in Süddeutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz mit ihren Kreationen vertreten. Die tragen so kreative wie beredte Namen wie Erdbeerkuacha, Sommagwitta, Brausebuiva, Himbeerkracherl oder, etwas missverständlich, Auszogne. Die Namen vergibt Herrmann-Lauensteins Mann, der des Baierischen immer noch mächtiger ist als die „Rockmacherin“, wie sich die jugendlich wirkende Designerin nennt.

Was macht ihren bajuwarisch-hanseatischen Stilmix aus? „Dass ich nicht hier Wurzeln habe, sondern woanders, hat mir vielleicht die Freiheit gegeben, was zu interpretieren, was es noch nicht gab.“ Die Farbzusammensetzung etwa spielt bei ihr eine wichtige Rolle, wenn aus 20 Orangetönen nur der eine passende ausgewählt wird.

Trachten waren in der Mode „schon immer da“

Die Modebranche habe sich schon immer traditioneller Elemente bedient, sagt Johann Stockhammer, Studiengangleiter Mode an der Hochschule Pforzheim und ehemals selbstständiger Designer. Auch bei Trachten werde abgekupfert: „Jeder zitiert jeden.“ So sei dies auch kein aktueller Trend, sondern „schon immer da“. Es herrsche ein Eklektizismus in der Mode.

Der Designer Dries van Noten etwa „zitiert immer irgendwelche Trachten“, auch bei Gucci seien sie schon Thema gewesen. Vor allem das Spiel mit der Trachtenmode habe zugenommen, bestätigt Tanja Croonen, PR-Referentin beim GermanFashion Modeverband Deutschland. „Auf der Fashion Week sieht man auch diesen Style.“ Zu Oktoberfestzeiten ziehe sich das durch das ganze Land. Es werde aber alles modischer interpretiert, nicht nur als Ausdruck von Tradition. Dies spreche auch deutlich jüngere Zielgruppen an.

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