mz_logo

Bayern
Mittwoch, 15. August 2018 27° 6

Bildung

Nur der Unterricht ist handyfrei

Bayern will das Smartphone-Verbot lockern. Dabei nutzen schon jetzt Schulen in der Region ihren Gestaltungsspielraum.
Von Maximiliane Gross

Bei Verstößen gegen das Handyverbot werden die Geräte häufig eingezogen. Auch ein Verweis kann ausgesprochen werden. Foto: Marcus Führer dpa
Bei Verstößen gegen das Handyverbot werden die Geräte häufig eingezogen. Auch ein Verweis kann ausgesprochen werden. Foto: Marcus Führer dpa

Regensburg.Die Zeit, in der die Schule eine absolut handyfreie Zone war, ist längst vorbei. Das hat auch Kultusminister Bernd Sibler erkannt. Der CSU-Politiker deutet kürzlich eine Lockerung des Gesetzes an. Die Schulen könnten dann selbst über die private Handynutzung ihrer Schüler in Pausen entscheiden.

Für viele Schulen aus der Region wäre das trotz Änderung nichts Neues. Dr. Hubert Balk, Schulleiter am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium in Cham geht davon aus, dass es nach den Ankündigungen des Kultusministers auch in Zukunft keine großen Veränderungen an seiner Schule geben werde. Bislang ist es so geregelt, dass die Schüler direkt vor dem Haupteingang und im Sekretariat ihre Handys privat nutzen dürfen. Im Unterricht habe der Lehrer die Entscheidungsgewalt.

„Die Schüler verstehen es, wenn man mit ihnen darüber spricht. Es wird bei uns weitgehend eingehalten.“

Hubert Balk, Schulleiter in Cham

Seit zwei Jahren gibt es an seinem Gymnasium Wlan, trotzdem bleiben die Smartphones auf dem Gelände größtenteils verboten. Die Schule möchte verhindern, dass Klassenkameraden durch diskriminierende Fotos und Videos aus der Schule, die im Internet auftauchen, gemobbt werden.

Gemeinsam eine Lösung finden

Eine Schule, die deutlich strenger mit dem Gesetz umgeht, ist die Konrad-Max-Kunz-Realschule in Schwandorf. Dort halten sich Lehrer und Schüler an die Vorschriften der Realschulverordnung (RSO). „Auf dem Schulgelände sind Handys, MP3-Player und Co. verboten, außer der Lehrer erlaubt es“, sagt Schulleiter Helmuth Kösztner. Was die Schüler allerdings auf den Toiletten machen, könne nicht geprüft werden.

„Auf dem Schulgelände sind Handys, MP3-Player und Co. verboten, außer der Lehrer erlaubt es.“

Helmuth Kösztner, Schulleiter in Schwandorf

So eine harte Linie in Sachen Handynutzung gibt es an der Maximilian Kolbe Schule in Neumarkt nicht – ganz im Gegenteil. Zusammen mit der Schülermitverwaltung (SMV) und dem Schulforum (Eltern, Schüler und Lehrer) wurde an der FOS/BOS eine gemeinsame Regelung erarbeitet. In den Pausen und in Freistunden dürfen die überwiegend volljährigen Schüler ihre Smartphones nutzen, während der Unterrichtszeit ist der Gebrauch untersagt. Schulleiter Markus Domeier resümiert: „Die Verstöße können wir pro Jahr an einer Hand abzählen. Die Schüler akzeptieren die Regelung.“ Er ist sich aber sicher, dass es an seiner Schule nur so gut funktioniert, weil ein Großteil der Schüler schon erwachsen ist. Bei Minderjährigen könne er sich das nur schwer vorstellen.

Schüler zeigen Verständnis

Das Privat-Gymnasium Pindl in Regensburg handhabt die Handynutzung ähnlich und legte ebenfalls gemeinsam mit dem Schulforum eine Regelung fest. In bestimmten Räumen sind die Handys in der Pause erlaubt. Verboten bleiben aber Spiele und Fotos vom Schulgelände. „Im Großen und Ganzen ist die Akzeptanz hoch“, so Schulleiter Bernd Ackermann. Halten sich Schüler nicht daran, gibt es einen Verweis. Das sei laut Ackermann mit dem Schulforum abgesprochen.

Die Lockerung der Regelung könnte schon bald im Landtag diskutiert werden. Foto: Sebastian Widmann/dpa
Die Lockerung der Regelung könnte schon bald im Landtag diskutiert werden. Foto: Sebastian Widmann/dpa

Für die Grundschule in Offenstetten ist das Thema ebenfalls nicht neu. Dort stehen für den Unterricht mit den Sechs- bis Zehnjährigen eigene Schul-iPads zur Verfügung, die bei Bedarf genutzt werden. Private Geräte dürfen die Kleinen nicht nutzen, das betont Rektorin Liane Köppl gegenüber der Mittelbayerischen. „Entweder die Handys werden erst gar nicht von zuhause mitgebracht oder sie müssen ausgeschalten in der Tasche sein.“

Die Regelung

  • Inhalt:

    Im Schulgebäude und auf dem -gelände sind Mobilfunktelefone und digitale Speichermedien, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden, verboten. Die unterrichtende oder Aufsicht führende Lehrkraft kann Ausnahmen gestatten.

  • Strafe:

    Bei Zuwiderhandlung kann ein Mobilfunktelefon oder ein anderes digitales Speichermedium vorübergehend einbehalten werden. Viele Schulen ziehen die Geräte bis zum Ende des Schultages ein und geben sie dann an die Schüler zurück.

An allen Schulen werden Verstöße gegen die Regelungen mit Ordnungsmaßnahmen bestraft. Am Pindl-Gymnasium und an der Konrad-Max-Kunz-Realschule sind das Verweise. Zudem werden die Geräte überall bis zum Ende des Schultags eingezogen.

Weitere Nachrichten aus Bayern lesen Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht