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Hehn und der Hechtsprung

Der Schauspieler zierte als Starschnitt die Zimmer der Mädels. Heute sieht er manche Entwicklung im TV-Geschäft kritisch.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Sascha Hehn spielt noch in zwei Folgen der ZDF-Serie „Das Traumschiff“ den Kapitän Victor Burger. Foto: Dirk Bartling/ZDF/dpa
Sascha Hehn spielt noch in zwei Folgen der ZDF-Serie „Das Traumschiff“ den Kapitän Victor Burger. Foto: Dirk Bartling/ZDF/dpa

München.Der Mensch vor der Kamera und der Mensch hinter der Kamera – bei Schauspieler Sascha Hehn sind es zwei gegensätzliche Pole. Auf der einen Seite der Frauenversteher mit dem sonnigen Gemüt, auf der anderen Seite der zurückgezogen lebende Eigenbrötler. Hier der verständnisvoll schmeichelnde Arzt oder Kapitän, dort der geradlinige Schauspieler, der auch mal Tacheles redet. Zuletzt mussten das die Verantwortlichen beim ZDF schlucken, als Hehn überraschend seinen Job als „Traumschiff“-Kapitän kündigte. „Leider hat die Serie in den letzten zwei Jahren ihren Charme verloren“, begründete er seinen überraschenden Rückzug. Bereits zuvor hatte er sich über schlechte Drehbuchautoren und den Sparzwang beim ZDF beschwert. Mit seinen 63 Jahren könnte sich Hehn jetzt zur Ruhe setzen und seinen Hobbys Fischen, Jagen und Golfen nachgehen. Das „Traumschiff“ wird wohl ohnehin bald im Trockendock vor sich hindümpeln.

Erste Fernsehrolle mit fünf

Seit 58 Jahren ist Hehn im Fernsehgeschäft. Auf einem Spielplatz wurde er als Fünfjähriger entdeckt. Er war mit seinem Vater, dem Schauspieler Albert Hehn unterwegs, als dieser einen befreundeten Produzenten traf, der sofort eine Rolle für den Buben anbot. Der Vater sträubte sich zunächst, doch Alexander, der Sascha genannt wurde, drängte vor die Kamera. In „Hubertusjagd“ gab er sein Debüt. Rasch folgten weitere Rollen für den hübschen Buben, der nach der Trennung der Eltern im Münchner Vorort Grünwald aufwuchs. Noch vor der Mittleren Reife verließ Sascha Hehn die Schule, um sich voll und ganz auf die Schauspielerei zu konzentrieren. Mit Anfang 20 landete er kurzzeitig im Erotikgeschäft. Er spielte unter anderem bei den „Hausfrauen-“ und „Schulmädchen-Reports“ mit. Damit befand er sich zu jener Zeit in durchaus illustrer Runde, wenn man sich die Besetzungslisten anschaut. Auch Peter Steiner, Wolfgang Fierek oder Beppo Brem besserten in den 1970er Jahren mit derlei Rollen ihr Konto auf.

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Sascha Hehn: Eine Karriere in Bildern

Die Rolle des Frauenschwarms war von da an die seine – und es war einige Jahre später auch sein großer Durchbruch. 1981 ging das erste „Traumschiff“ auf Kurs – und mit an Bord Sascha Hehn in der Rolle von Chefstewart Victor. „Was darf ich Ihnen bringen“, fragte er die Damen höflich. Die warfen ihm gerne schmachtende Blicke zu – doch Victor blieb stets galant auf Abstand. Das änderte sich, als er 1984 in einer weiteren Serie von Wolfgang Rademann angefragt wurde. Der plante eine Arztserie, die im Schwarzwald angesiedelt werden sollte. Die „Schwarzwaldklinik“ wurde zu einer der erfolgreichsten Familienserien in Deutschland überhaupt, fuhr allein in Westdeutschland Einschaltquoten mit bis zu 28 Millionen Zuschauern ein.

Hehn (2. v. l.) mit den Kollegen der Schwarzwaldklinik Foto: Horst Ossinger/dpa
Hehn (2. v. l.) mit den Kollegen der Schwarzwaldklinik Foto: Horst Ossinger/dpa

Als Dr. Udo Brinkmann spielte Sascha Hehn an der Seite von Klausjürgen Wussow und Gaby Dohm den umtriebigen Sohn des Chefarztes. Der Sprung, mit dem sich der begehrte Arzt in jeder Folge in sein Golf-Cabriolet schwang, fand unter den Playboys seiner Generation bald zahlreiche Nachahmer, schrieb einmal „Die Zeit“. Der Stern schwärmte noch 30 Jahre später von dem Hechtsprung, während der Bravo-Starschnitt von Hehn, auf dem er lediglich ein Handtuch um die Hüften trug, längst aus allen Mädchenzimmern verschwunden ist.

Für das „Traumschiff“ und dessen Ableger „Kreuzfahrt ins Glück“ war Hehn zuletzt sieben Monate im Jahr unterwegs. In einem Interview machte er deutlich, dass er für sich selbst im Einfachen das Glück gefunden habe. „Dieses Gefühl, immer noch mehr erreichen zu müssen, immer noch mehr Geld zu scheffeln, gefällt mir nicht. Zufriedenheit ist das Zauberwort.“ Seit Jahren lebt der Schauspieler mit seiner Lebensgefährtin, einer Mathematikerin, in einem rustikalen Blockhaus in einem Dorf in Oberbayern. Die Sportwagen, die er in jungen Jahren gerne zur Schau stellte, hat er verkauft. Heute fährt er einen VW-Bus. Seine Schauspielkollegin Eva Löbau, mit der Hehn „Lerchenberg“, eine satirische Sitcom im und über das ZDF drehte, nannte Hehn einen hervorragenden Praktiker. „Wenn Sie den günstigsten Telefontarif wissen wollen oder wie man Wühlmäuse vom Grundstück verjagt – da ist er einfach unschlagbar.“

„Wo wollen wir eigentlich hin?“

Apropos „Lerchenberg“: Die Serie, in der Sascha Hehn einen selbstverliebten, eitlen, arroganten Schauspieler namens Sascha Hehn spielte, wurde trotz überragender Kritiken im Feuilleton nach nur zwei Staffeln eingestellt. Schon damals übte der Schauspieler scharfe Kritik an der Art und Weise, wie das „Lerchenberg“-Team vom ZDF behandelt worden sei. In einem Interview mit dem Stern beklagte er zudem die generelle Entwicklung im Fernsehgeschäft: „Problematisch wird es, wenn Formate wie das „Dschungelcamp“ als preiswürdig erachtet werden, wo ehemalige Protagonisten, deren Selbstachtung ad acta gelegt worden ist, für ein paar Kröten reingehen, weil sie sich eine zweite Karriere erhoffen. Da muss man dann irgendwann ,Stopp‘ sagen: Wo wollen wir eigentlich hin?“ Wohin es Sascha Hehn nach dem „Traumschiff“-Ende zieht, bleibt vorerst offen.

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