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Urteil

Heilpraktiker wird freigesprochen

Das Landgericht Regensburg hat das Urteil gegen einen Heilpraktiker wegen des Todes einer Krebspatientin aufgehoben.
Von Christian Eckl

Der angeklagte Heilpraktiker mit seinem Anwalt Michael Haizmann.
Der angeklagte Heilpraktiker mit seinem Anwalt Michael Haizmann.

Regensburg.Freispruch für einen Heilpraktiker, dem der Tod einer Krebspatientin vorgeworfen wurde: Die Berufungskammer des Landgerichts Regensburg hob das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Kelheim vom März 2018 auf. „In diesem Fall stößt das Strafrecht an seine Grenzen“, sagte Richter Robert Rösl bei der Urteilsverkündung. Man habe zwar einen Heilpraktiker vor sich, der gegen seine beruflichen Pflichten eklatant verstoßen habe. „Aber der Nachweis, dass dieser Verstoß zum Tod einer Patientin geführt hat, konnte nicht geführt werden.“ Der Heilpraktiker, der bis ins Jahr 2000 eine Apotheke in Regensburg betrieben hatte, war in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Krebspatientin mit Pendel behandelt

Eine Österreicherin hatte sich fünf Jahre von ihm behandeln lassen, unter anderem mit einem Pendel und homöopathischen Medikamenten, obwohl Schulmediziner Brustkrebs diagnostiziert hatten. Noch am Sterbebett hatte der Heilpraktiker der Frau versichert, dass sie keinen Krebs hätte – eine Fehldiagnose, die Frau starb 2013 in einem österreichischen Hospital. Laut Richter Rösl konnte aber im Berufungsverfahren nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass die Frau nicht auch ohne die Fehldiagnose gestorben wäre.

Schwere Vorwürfe gegen Amtsrichterin

Schon in seinem Plädoyer erhob Strafverteidiger Haizmann massive Vorwürfe gegen die Kelheimer Amtsrichterin, die seinen Mandanten zu zwei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt hatte. „Das Urteil war maßlos überzogen“, sagte Haizmann in seinem Schlussvortrag. „Jeder Arzt hätte vielleicht einen Strafbefehl bekommen, aber keine Haftstrafe.“ Haizmann räumte ein, dass sein Mandant eine Fehldiagnose gestellt hatte. „Aber ist er deshalb ein Scharlatan, ein Monster, ein Unheilpraktiker?“

Für den Strafverteidiger kam auch eine „Blindheit vor dem eigenen Wohlbefinden“ der Patientin ins Spiel. Er glaubt, die verstorbene Krebs-Patientin habe einfach vor der Brustentfernung zurückgeschreckt, die ihr die Schulmediziner als Heiltherapie empfohlen hatten. „Viele Frauen glauben, sie sind nur noch eine halbe Frau, wenn sie sich eine Brust abnehmen lassen.“ Der Heilpraktiker gab an, dass er nach wie vor praktiziert und im Monat etwa 30 Patienten behandelt. Doch bei Krebspatienten ist er nun vorsichtig. „Ich möchte keinen gefährden“, sagte der 69-Jährige dem Gericht. „Ich nehme von der Behandlung von Krebspatienten immer mehr Abstand.“

Fehldiagnose

Heilpraktiker weist Schuld zurück

Ein 69-Jähriger behandelte eine Frau, bei der Ärzte Krebs diagnostiziert hatten, homöopathisch. Am Ende starb sie.

Gänzlich anders sah die Staatsanwältin den Verlauf des Berufungsverfahrens. „Er hat sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht“, sagte die Vertreterin der Anklage in ihrem Schussvortrag. „Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,7 Prozent hätte die Patientin ihren Todeszeitpunkt überlebt“, folgerte sie aus den vom Gericht gehörten Gutachtern. „Die Diagnose war zwar schockierend für die Patientin, aber ebenso gut war auch ihre Prognose für die Heilungschancen.“ Für die Patientin bestand „eine Wahrscheinlichkeit von fast 100 Prozent, dass sie nach der Entfernung der Brust geheilt worden wäre“, so die Staatsanwältin. Doch die Patientin hatte dem Angeklagten blind vertraut. „Sogar am Sterbebett hat er ihr noch versichert, dass sie keinen Krebs hat“, so die Staatsanwältin. Sie plädierte auf eine höhere Strafe, als das Kelheimer Amtsgericht ausgesprochen hatte: Zwei Jahre und vier Monate sowie ein jahrelanges Berufsverbot forderte die Staatsanwältin.

Die Familie der verstorbenen Patientin aus Österreich hat sich durch zwei Anwälte vertreten lassen bei dem Berufungsprozess. Bekannt wurde dabei auch, dass die Familie versucht, in Österreich mehr als 100 000 Euro an Schmerzensgeld einzuklagen. Die Nebenkläger versuchten auch, ein weiteres Gutachten in den Prozess einzuführen, das beweisen sollte, dass die Frau ihren Todeszeitpunkt überlebt hätte. Das wies Rechtsanwalt Haizmann vehement zurück: „Ich habe den Eindruck, es sollen so lange Gutachten erstellt werden, bis das Ergebnis passt.“ Das sah auch das Gericht ähnlich und lehnte den Antrag ab.

Das Gericht betonte aber bei seinem Urteil, man hätte zu der sicheren Überzeugung gelangen müssen, dass der Tod der Österreicherin zu einem späteren Zeitpunkt eingetreten wäre, wenn die richtige Behandlung vorgenommen wäre. „Diese Überzeugung konnte die Kammer aber nicht gewinnen“, so Richter Rösl abschließend.

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