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GESCHICHTE

Heydrichs Schloss sorgt für Aufregung

Der in Bayern lebende Sohn des einstigen Gestapo-Chefs verärgert die Tschechen. Sie wollen seine Hilfe zur Sanierung eines Herrensitzes bei Prag nicht.
Von Harald Raab, MZ

MÜNCHEN/PRAG.Ein auf dem ersten Blick harmloses Hilfsangebot macht weltweit Schlagzeilen: Der 76-jährige Ingenieur und ehemalige Geschäftsführer der Dornier-Werke Oberpfaffenhofen, Heider Heydrich, will sich an der Renovierung des Schlosses Panenske Brezany (Jungfern-Breschan), wenige Kilometer nördlich von Prag, beteiligen. Das Entgegenkommen des bei München lebenden Rentners löste in Tschechien Empörung, aber auch Zustimmung aus. Heider Heydrich ist nämlich der Sohn des NS-Gestapochefs und stellvertretenden Reichsprotektors in Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich. Er war Hitlers erster Organisator des Holocaust. Das dem Verfall preisgegebene Schloss war bis 1945 Familiensitz der Heydrichs.

Die Folgen der Heydrichade

Heider Heydrich weilte in diesem Frühjahr drei Tage in der Ortschaft Panenske Brezany. Im Garten des dortigen Schlosses liegt sein älterer Bruder Klaus begraben. Der war 1943 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Von hier aus war sein Vater, der Herr über Leben und Tod im besetzten Rest der Tschechoslowakei, am 27. Mai 1942 nach Prag gefahren. Unterwegs wurde er von tschechischen Widerständlern in seinem offenen Wagen niedergeschossen. Reinhard Heydrich erlag acht Tage später seinen Verletzungen. Aus Rache wurden die Dörfer Lidice und Lezaky dem Erdboden gleichgemacht und alle männlichen Einwohner erschossen. Der sogenannten Heydrichade fielen 1357 Tschechen zum Opfer. Die Witwe Heydrichs lebte mit ihren Kindern bis kurz vor Kriegsende im Schloss Panenske Brezany. Häftlinge aus den Konzentrationslagern Theresienstadt und Flossenbürg waren zur Bewirtschaftung der weitläufigen Schlossanlage und des Gutsbetriebes eingesetzt. Die Familie Heydrich floh 1945 nach Norddeutschland. Lina Heydrich wurde in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Briten lieferten sie nicht aus. Sie erreichte sogar, dass sie eine Witwen-Pension bewilligt bekam. Reinhard Heydrich war als „Kriegsopfer“ eingestuft worden.

Über das Engagement des Heydrich-Sohnes für das Schloss Panenske Brezany gibt es unterschiedliche Versionen. Ortsbürgermeister Libot Holik sagte dem tschechischen Rundfunk: „Ich habe die Möglichkeit gehabt, Verhandlungen mit Heider Heydrich aufzunehmen, um dieses Schloss wieder in seinen ehemaligen soliden Zustand zurückzuversetzen. Er hat administrative Hilfe und die Möglichkeit angeboten, Gelder aus der EU aufzutreiben.“

„Ich helfe, wenn es Tschechien will“

Gegenüber der Deutschen Presseagentur relativiert Heider Heydrich: Bürgermeister Holik habe übertrieben. Natürlich habe ihn der Zustand des Schlosses bekümmert. „Aber ich kenne weder den jetzigen Eigentümer noch gibt es einen Nutzungsplan. Wenn man an mich herantreten würde, könnte ich mir jedoch ein Engagement vorstellen – wenn man das in Tschechien tatsächlich will.“

Pavel Vransky vom Vorstand des tschechischen Freiheitskämpferverbandes drückt die Empörung der meisten seiner Landleute aus: „Ich weiß zwar über den Heydrich-Sohn nichts. Aber ich halte es nicht für gut, dass der Name noch einmal mit unserem Land in Verbindung gebracht wird. Lieber würde ich das Schloss eigenhändig niederreißen.“ Milous Cervencl, der Leiter der Gedenkstätte Lidice, sieht das anders: „Ich hätte mit einem Engagement Heider Heydrichs kein Problem. Ich würde das eher als eine Form der Wiedergutmachung, als eine Entschuldigung für die Verbrechen sehen, die sein Vater zu verantworten hat.“

Auch der derzeitige Besitzer des Schlosses, ein tschechisches Privatinstitut für Metallforschung, äußerste sich positiv: Man würde sich einem Engagement des Heydrich-Sohnes nicht entgegenstellen. Einen Erfolg hat die lebhafte Debatte in Tschechien. Das Schloss wird unter Denkmalschutz gestellt. Es gibt erste Vorstellungen, das Gebäude als Museum für den tschechischen Widerstand zu nutzen.

Heider Heydrich gilt als sozial engagierter Mann. Er ist Vorsitzender eines Vereins, der für die Belange von Rentnern eintritt. Nicht zum ersten Mal musste er erfahren, dass er mit den Verbrechen seines Vaters in Verbindung gebracht wird und deswegen abgelehnt wurde. Er wollte sich an der Rekonstruktion des Invalidenfriedhofs in Berlin beteiligen. Wegen seines Namens wollte man ihn jedoch nicht dabei haben. Er ist aus der CSU mit der Begründung ausgetreten: Die Partei kümmere sich zu wenig um die Benachteiligten in der Gesellschaft. Er sagt: „Wenn ich etwas aus der Geschichte gelernt habe, dann ist es, sich für Menschen einzusetzen.“ So wolle er auch sein Angebot verstanden wissen, bei der Sanierung des Schlosses seiner Kinderjahre hilfreich zu sein. Er habe auf keinen Fall die kontroverse Debatte in Tschechien gewollt.

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