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Justiz

Hinter Gitter statt ins Bordell

Ein kinoreifer Plan: Fahrer eines Werttransports täuschen einen Überfall vor. Doch der Coup fliegt auf.
Von Thomas Burmeister, dpa

Blick in den Ulmer Gerichtssaal: Fünf Männer wurden nach einem fingierten Überfall zu langen Haftstrafen verurteilt. Foto: Burmeister/dpa
Blick in den Ulmer Gerichtssaal: Fünf Männer wurden nach einem fingierten Überfall zu langen Haftstrafen verurteilt. Foto: Burmeister/dpa

Ulm.Wegen eines fingierten Überfalls auf einen Werttransporter an der A8 hat das Landgericht Ulm fünf Angeklagte verurteilt. Die Männer aus dem Raum Stuttgart und Berlin, zwischen 31 und 40 Jahre alt, erhielten Haftstrafen von drei bis fünf Jahren. Die Richter sahen es am Donnerstag als erwiesen an, dass sie bei dem Coup im Januar 728 Luxusuhren im Wert von fünf Millionen Euro erbeutet hatten.

Zu dem Quintett gehörten zwei Fahrer einer Werttransportfirma aus Esslingen/Neckar. Sie ließen sich laut Urteil an einem Parkplatz an der A8 zwischen München und Stuttgart von ihren Komplizen fesseln, ehe diese mit den Luxusuhren in zwei Autos nach Berlin verschwanden. Das Gericht revidierte vorherige Schätzungen des Schadens über acht Millionen Euro.

Die Angeklagten hätten sich des Diebstahls im besonders schweren Fall sowie der Vortäuschung einer Straftat schuldig gemacht, erklärte Vorsitzender Richter Gerd Gugenhan. Die Männer hätten sich zu der Tat verabredet, weil sie hofften, „für den Rest ihres Lebens ausgesorgt zu haben“, sagte er.

Coup im Bordell geplant

Der Coup, den die Männer laut Anklage in einem Sauna-Bordell und bei Skatrunden ausheckten, erinnert an das Drehbuch eines Gangsterfilms. Am 15. Januar geht um 20.48 Uhr im Polizeipräsidium Ulm ein Notruf ein. Der Fahrer eines Werttransporters meldet, er und sein Kollege seien ausgeraubt worden. Maskierte hätten sie mit einer Pistole bedroht und seien mit den Uhren – darunter Liebhaberstücke wie eine Sonderanfertigung des Modells Audemars Piguet Royal Oak Wert: 450 000 Euro – verschwunden. Die Edeluhren waren zuvor auf einer Messe in München gezeigt worden und sollten nun in das Lager des Esslinger Werttransporters kommen.

An den Angaben zweifelt die Kripo von Anfang. Die zehnköpfige Ermittlergruppe „Scheibe“ in Ulm stößt auf Ungereimtheiten. Eine „Vertrauensperson“ aus der Berliner Unterwelt meldet, einige merkwürdige Uhren seien Hehlern angeboten worden. Im März werden die fünf Männer verhaftet. Zu Prozessbeginn legen sie Geständnisse ab. Doch ein ominöser „sechster Täter“ fehlt auf der Anklagebank. Bei dem „Raub“, der ja bloß eine Umladeaktion der Säcke mit den Uhren auf Fluchtfahrzeuge war, soll er sich, wie zuvor bei einem „Probelauf“, im Hintergrund gehalten haben. Er fährt mit den teuersten Uhren davon.

Der Grossteil der Beute fehlt

  • Strafen:

    Die beiden Fahrer des Werttransporters müssen für jeweils drei Jahre ins Gefängnis. Ein Täter, der mit zu den Hauptverantwortlichen gehört haben soll, wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt; er muss zudem zwangsweise eine Kur zum Drogenentzug absolvieren. Zwei weitere Täter wurden zu Haftstrafen von drei Jahren und neun Monaten sowie von vier Jahren und drei Monaten verurteilt.

  • Beute:

    Bei dem Coup, im Januar 2017 auf einem Parkplatz an der A8 in Szene gesetzt, wurden 728 Luxusuhren im Wert von rund fünf Millionen Euro erbeutet. 163 Uhren stellte die Polizei bei Hausdurchsuchungen sicher, der Löwenanteil der Beute fehlt.

163 Luxusuhren stellt die Polizei bei Durchsuchungen sicher, auch Geld und eine Pistole. Doch der Löwenanteil der Beute bleibt verschwunden, genau wie der „sechste Mann“.

Noch während des Verfahrens gibt ein Angeklagter der Staatsanwaltschaft Ulm Hinweise zur Identität des „sechsten Mannes“. Er ist den Ermittlern nun bekannt und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

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