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Hochwasser fordert Menschenleben

Niederbayern kämpft gegen die Fluten. Nachdem die Lage sich etwas beruhigt hat, machen Taucher einen grausamen Fund.

  • Ein Auto liegt in Simbach an der Inn auf dem Dach. Foto: dpa
  • Mitarbeiter der Wasserwacht des bayerischen Roten Kreuzes (BRK) evakuieren mit einem Boot Menschen in Triftern (Bayern). Foto: Armin Weigel/dpa
  • Autos schwimmen am in Simbach am Inn (Landkreis Rottal-Inn) zwischen Holzteilen im Hochwasser. Foto: dpa

Triftern.Bei dem verheerenden Hochwasser in Niederbayern sind vier Menschen ums Leben gekommen. Drei Leichen seien am Mittwochabend von Tauchern in einem überschwemmten Haus in Simbach am Inn entdeckt worden, teilten Polizei und das Landratsamt in Pfarrkirchen mit. Eine weitere Leiche wurde bei Julbach an einem Bach entdeckt, wie die Polizei berichtete.

Das Wasser kam schnell und heftig: Nach stundenlangem Dauerregen ist am Mittwoch im Südosten Bayerns Hochwasser-Katastrophenalarm ausgelöst worden. Flüsse und Bäche traten ungewöhnlich rasant über die Ufer, die Flutwelle riss Autos und Bäume mit sich. Vielerorts stand das Wasser meterhoch in den Straßen. Viele Häuser waren komplett eingeschlossen, die von den Wassermassen überraschten Bewohner mussten mit Hubschraubern gerettet werden.

Das Landratsamt Rottal-Inn rechnete mit Schäden im zweistelligen Millionenbereich. In Bayern ist es das zweite schlimme Hochwasser binnen weniger Tage. Erst wenige Tage zuvor hatten Überschwemmungen in Mittelfranken im Großraum Ansbach große Schäden angerichtet. Die Aufräumarbeiten dort dauern immer noch an. Das Hochwasser im Landkreis Rottal-Inn hat etwa 9000 Haushalte vom Strom abgeschnitten.

Lage entspannt sich

In Pfarrkirchen beruhigt sich die Lage am Mittwochabend. „Die Pegel gehen etwas zurück“, sagte Robert Kubitschek, stellvertretender Sprecher des Landratsamtes Pfarrkirchen. Jedoch seien die Verwüstungen groß. „Brücken sind eingestürzt oder unbefahrbar. Straßen sind unterspült.“ Auch Triftern kann durchatmen: Die Hochwasserlage hat sich am Mittwochabend entspannt. „Das Wasser läuft zügig ab. Die Feuerwehren haben Zeit, die vollgelaufenen Keller leer zu pumpen“, sagte der Einsatzleiter der örtlichen Wasserwacht, Hans Nothaft.

Auch wenn es zuvor eine Unwetterwarnung gegeben hatte, war das Ausmaß des Hochwassers in Niederbayern doch überraschend: „Mit dieser Wucht hat wohl niemand gerechnet“, sagte ein Sprecher des Landratsamtes in Pfarrkirchen. So sah es auch Emil Bumberger von der Polizei in Pfarrkirchen: „Es herrscht Land unter. Die Wassermassen kamen sehr schnell.“

Flutwelle wälzte sich durch Simbach

In vielen Gemeinden war die Lage dramatisch. In Simbach am Inn wälzte sich eine reißende, schlammig-braune Flutwelle durch den Ort. Eine Asylbewerberunterkunft in einer ehemaligen Turnhalle wurde geräumt. Rettungskräfte berichteten, dass Lastwagenfahrer auf der Bundesstraße 12 auf die Dächer ihrer Fahrzeuge geklettert waren, weil sie Angst hatten, von den Fluten davon geschwemmt zu werden. Auch die Polizei war betroffen – die Beamten mussten ihre Dienststelle verlassen. „Da steht das Wasser meterhoch“, sagte ein Polizeisprecher. Land unter auch am Grenzübergang zum österreichischen Braunau: Eine Brücke war komplett überspült.

Ähnlich sah es in Triftern aus. „Der ganze Ortskern wurde von dem Altbach überspült“, sagte Bürgermeister Walter Czech (CSU). In dem Ort mussten rund 250 Kinder den Tag über in der Turnhalle ausharren, in Simbach saßen 350 Schüler fest. Während die Schüler aus Simbach bis zum Abend wieder nach Hause konnten, waren in Triftern etwa 50 Kinder auch am späten Abend noch in der Mittelschule. Sie wurden von 25 Erwachsenen betreut, wie das Landratsamt mitteilte. Am Donnerstag werden einige Schulen im Landkreis Rottal-Inn geschlossen bleiben.

In der Galerie – Niederbayern kämpft gegen das Hochwasser:

Hochwasser: Katastrophenalarm in Niederbayern

Glück im Unglück hatte eine Schulklasse aus Augsburg, die mit zwei Lehrern und einem Begleiter unterwegs war. Die Siebtklässler waren während einer Bootstour auf dem Schwarzen Regen in Niederbayern vom Unwetter überrascht worden. Bei Dauerregen und heftiger Strömung wurden ihre Kähne auseinandergetrieben. Ein Teil der Gruppe gelangte ans Ufer, die anderen retteten sich auf eine Insel. Die Wasserwacht brachte die verstörten Schüler in Sicherheit, ein Mädchen erlitt einen Schock, ein anderes eine Unterkühlung.

Neben zahlreichen Feuerwehren eilte auch die Wasserwacht ins Katastrophengebiet. „Alles, was wir verfügbar haben, ist im Einsatz“, hieß es vom Polizeipräsidium Niederbayern. Polizisten seien von Grenzübergängen abgezogen worden. Auch auf österreichischer Seite herrsche Alarmbereitschaft.

Im Video – eine Straße hält den Fluten nicht stand:

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) sagte unterdessen Unterstützung zu: Der Freistaat werde bei der Regulierung der Schäden „schnell und unbürokratisch helfen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Er bereite bereits für die Kabinettssitzung kommende Woche einen entsprechenden Entwurf vor. Notwendig sei, die Schäden zu ermitteln. Wo sich aber eine finanzielle Notlage ergebe, dürfe man sich auf die Hilfe des Freistaats verlassen.

In Mittelfranken ging unterdessen das große Aufräumen weiter. Bis alle Straßen wieder freigegeben sind, kann es aber noch etwas dauern. Vor allem kleinere Straßen und Wege seien immer noch wegen Unterspülungen gesperrt, hieß es bei der Leitstelle in Ansbach. Gleichzeitig befürchten die Helfer dort neue Unwetter mit Starkregen. Der Boden sei bereits gesättigt, der Regen könne im Moment kaum ablaufen. Laut Deutschem Wetterdienst in München sind derzeit aber im Raum Ansbach keine Unwetter zu erwarten, allerdings könne es zu Gewittern und starken Schauern kommen.

Passau ruft Katastrophenalarm aus

Der Landrat von Passau, Franz Meyer (CSU), rief aufgrund einer Vielzahl von Schadensmeldungen ebenfalls den Katastrophenfall aus. Besonders betroffen seien die Bereiche Bad Griesbach, Kößlarn, Rustorf, Harbach, Kirchham und Neuburg am Inn. Vierzig verschiedene Feuerwehren rückten aus.

Der Hochwassernachrichtendienst Bayern meldete für den in den Inn fließenden Fluss Rott am Pegel Birnbach/Rott die höchste Hochwasserwarnstufe vier. Auch in der Nacht zum Donnerstag werden für die Region schwere, lokal auch unwetterartige Niederschläge erwartet. Die Donau in Passau sollte gegen Mitternacht mit 7,70 Metern einen Höchststand erreichen, einzelne Straßen wurden gesperrt. Beim historischen Donau-Hochwasser 2013 war der Pegel aber mit einem Höchststand von 12,89 noch deutlich höher.

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