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Hochwasser-Spenden sollen verteilt werden

Im Sommer richteten Fluten in Deutschland schwere Schäden an. Beim Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ gingen 39 Millionen Euro Spenden ein.
Von Dagmar Unrecht, MZ

Ein Bild vom Juni dieses Jahres: In Regensburg richtete das Hochwasser große Schäden an. Foto: dpa

Regensburg.Schlauchboote fahren durch die Passauer Innenstadt, der Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf versinkt in Wassermassen. Die Bilder des Jahrhunderthochwassers vom Frühsommer dieses Jahres sind noch nicht vergessern. Am wenigsten für die vielen Menschen, die in der Katastrophe ihr Hab und Gut verloren haben und noch immer unter den Folgen des Unglücks leiden. Die Flut hat aber auch eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Insgesamt 39 Millionen Euro Spenden hat allein die „Aktion Deutschland Hilft“ bundesweit für die Opfer des Hochwassers 2013 gesammelt. „Das ist die zweithöchste Summe nach der Tsunamikatastrophe 2004“, sagte Moritz Wohlrab vom Aktionsbündnis am Dienstag in Regensburg.

Spenden fließen am Schluss

„Wir wollen das Geld so schnell wie möglich verteilen“, verspricht Siegfried Depold, bei der Arbeiterwohlfahrt zuständig für den Bezirk Niederbayern/Oberpfalz. Doch die Reihenfolge sei klar: Erst müssten die Versicherungen zahlen, dann sei der Staat in der Pflicht und erst danach könnten die Hilfsorganisationen Spenden verteilen. „Wir sitzen auf Kohlen“, fügt er hinzu. Wer Hilfe beanspruchen möchte, muss einen schriftlichen Antrag stellen. „Das ist anfangs sehr schleppend angelaufen, die Leute hatten andere Sorgen“, berichtet Alexandra Bengler, beim Malteser Hilfsdienst zuständig für die Hochwasserhilfe in Bayern. Gerade im überschwemmten Ortsteil Fischerdorf sei erst nach einigen Wochen klar gewesen, dass viele Häuser durch ausgelaufenes Heizöl unbewohnbar geworden seien. Mehr als 150 Gebäude müssten dort abgerissen werden, so Bengler. Viele Menschen seien traumatisiert, der Absatz freiverkäuflicher Beruhigungsmittel habe sich nach Angaben von Apotheken vor Ort erhöht. „Die Anträge auf staatliche Hilfe werden zwar relativ schnell bearbeitet, aber es müssen eine Menge Unterlagen vorliegen“, weiß die Projektleiterin der Malteser. Die Zusammenarbeit der Hilfsorganisation mit den Behörden sei aber sehr eng, um es den Betroffenen so einfach wie möglich zu machen. „Auch wenn die Abläufe bürokratisch klingen, es soll kein fader Beigeschmack bleiben“, sagt Depold. Man wolle verhindern, dass Hilfsgelder doppelt ausbezahlt oder Spenden anstelle von Staatshilfe verwendet würden. Die Auszahlung der Spenden wird sich nach Einschätzung der Hilfsorganisationen noch bis Ende nächsten Jahres hinziehen. Anträge auf staatliche Hilfe können in Bayern bis 30. Juni 2015 gestellt werden.

Von den 39 Millionen Euro der „Aktion Deutschland Hilft“ wurden bisher rund 21 Millionen Euro von den mehr als 20 Mitgliedsorganisationen des Bündnisses abgerufen - für Hilfsprojekte im gesamten Bundesgebiet. Wie viel davon nach Bayern geflossen, ist nach Angaben des Bündnisses derzeit noch nicht einzuschätzen. Unterstützt werden mit dem Geld auch Flutopfer in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Schleswig-Holstein und zu einem kleinen Teil auch Betroffene in Tschechien.

Wäschetrockner und Kuren

Die Verteilung der Spenden erfolgt nach einem festen Schlüssel. Demnach erhalten der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Malteser und die Johanniter-Unfall-Hilfe jeweils 25 Prozent, zehn Prozent gehen an die Arbeiterwohlfahrt. Die übrigen 15 Prozent verteilen sich auf kleinere Initiativen. Für die ASB, die Johanniter und die Malteser waren in der akuten Phase der Nothilfe in Bayern rund 1500 Fluthelfer im Einsatz. Unter den Spendern sind nach Auskunft des Aktionsbündnisses viele Unternehmen, aber auch viele Neuspender aus den betroffenen Regionen. Vereinzelt sei sogar Geld aus dem Ausland gespendet worden. Inzwischen gehe aber kein Geld mehr für die Hochwasseropfer ein. Die Hilfsorganisationen haben bereits eine ganze Reihe von Maßnahmen finanziert, darunter Ferienfreizeiten für Kinder, Mutter-Kind-Kuren, mobile Beratungshilfen oder die Anschaffung von Wäschetrocknern. Auch Psychologen werden organisiert, allerdings nicht nur für direkte Flutopfer, sondern zum Beispiel auch, um die Schadensgutachter zu unterstützen, die den Betroffenen reihenweise eröffnen müssen, dass ihre Häuser nicht mehr zu retten sind.

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