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Drogen

Hotline zu Crystal Meth

Ab sofort gibt es in Bayern anonym Hilfe per Telefon für Crystal-Meth-Abhängige und ihre Angehörigen. Die Droge wird immer öfter konsumiert.
Von Dagmar Unrecht, MZ

Die Bundes-Drogenbeauftragte Marlene Mortler (l.) und Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml mit einem Flyer zur neuen Hotline. Foto: altofoto.de

Regensburg.Nach einem kurzen Höhenflug, folgt der jähe Absturz: Die synthetische Droge Crystal Meth macht schnell abhängig, führt zu Psychosen und greift den Körper massiv an. Die leistungssteigernde Wirkung verpufft, Konsumenten fühlen sich erschöpft und depressiv. „Die gesundheitlichen Schäden von Crystal Meth sind verheerend“, sagte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml am Mittwoch in Regensburg beim Start einer neuen Telefon-Hotline für Betroffene. Crystal Meth sei die Droge mit den größten Steigerungsraten, besonders in der Oberpfalz, Niederbayern und Oberfranken, fügte die Ministerin hinzu.

Angehörige und Betroffene können sich bei der neuen Hotline anonym beraten lassen. Träger des Hilfsangebots ist der Regensburger Verein „DrugStop Drogenhilfe“. Unter der Telefonnummer 0941/569 582 901 meldet sich ab sofort Sozialpädagogin Sandra Reisbeck. Die 24-Jährige ist von Montag bis Freitag (10 bis 16 Uhr) und am Sonntag von 18 bis 20 Uhr zu erreichen. Sie hört zu, vermittelt Ansprechpartner und gibt Ratschläge.

Einstieg über Freunde

„Ich glaube, ich hätte bei der Hotline angerufen“, sagt Julia, eine 21 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Regensburg, die ihren wirklichen Namen nicht nennen möchte. Heute hat sie ihre Sucht überstanden, als 16-Jährige ist sie über Freunde an Crystal Meth geraten. Aus Neugier probiert sie die Droge. „Anfangs habe ich mich toll gefühlt, aber innerhalb weniger Wochen ging alles den Bach runter“, erzählt sie. Bald konsumiert sie die Droge, die meist geschnupft wird, mehrmals täglich. Rund 20 Euro kostet die Portion. „Erst gehen die Ersparnisse drauf, dann fängt man an zu lügen und zu betrügen“, sagt sie. Mit Hilfe ihrer Eltern schafft sie es schließlich, von der Droge wegzukommen. Die junge Mutter – sie hat einen dreijährigen Sohn – hat erfolgreich eine Therapie absolviert und ist seit dem vergangenen Jahr clean.

Franz Löffler, Bezirkstagspräsident der Oberpfalz, ist als Landrat im Landkreis Cham oft mit dem Thema Drogen konfrontiert. Im Nachbarland Tschechien wird Crystal Meth in großem Umfang hergestellt und über die Grenze nach Bayern geschafft. Beide Länder arbeiteten aber inzwischen gemeinsam daran, die Drogenküchen zu bekämpfen, so Löffler. Darüber hinaus, sei Prävention wichtig. Deshalb gebe der Bezirk Oberpfalz derzeit jährlich knapp zwei Millionen Euro für zwölf psychosoziale Suchtberatungsstellen aus.

Die neue Telefon-Hotline ist ein Modellprojekt und wird vom Gesundheitsministerium in München zunächst bis Juli 2016 mit insgesamt 120 000 Euro gefördert. Auf dem Prüfstand ist dagegen der Fortbestand der „Karthause“, eine in der Oberpfalz einmalige Einrichtung für drogenabhängige Eltern mit Kindern, am Regensburger Bezirksklinikum. Willi Unglaub, Oberarzt in der Suchtabteilung, hofft aber auf den Fortbestand der Einrichtung: „Sie ist medizinisch sinnvoll.“

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