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Hundling: Lässige Geschichten aus Minga

Hundling gehen den deutschsprachigen Weg – mit mitreißender Leichtigkeit. Am 6. Juli treten sie in der MZ-Kantine auf.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Phil Höcketstaller hat das Projekt „Hundling“ ins Leben gerufen, weil er gerne Geschichten in seiner Muttersprache erzählt.Foto: Hundling
Phil Höcketstaller hat das Projekt „Hundling“ ins Leben gerufen, weil er gerne Geschichten in seiner Muttersprache erzählt.Foto: Hundling

München.Es fühlt sich an wie Urlaub. Wie Baden an der Isar. Wie Eiskaffee im Rialto. Vor 36 Jahren hat die Spider Murphy Gang den „Sommer in der Stadt“ besungen und München eine der schönsten Liebeserklärung gemacht. Lange hat es gedauert, bis wieder ein Münchner dieses besondere Gefühl, das diese Stadt ausmacht, musikalisch vermitteln kann. Die Band „Hundling“ mit ihrem kreativen Kopf Phil Höcketstaller wäre wohl Helmut Dietls erste Wahl gewesen, hätte er noch eine Serie über die Münchner Befindlichkeiten drehen können. Am 6. Juli kommen „Hundling“ zu einem Konzert in die MZ-Kulturkantine. Wir laden wieder 30 Abonnenten samt Begleitung dazu ein.

„Es kannt ois so perfekt sei“

Die Liederbestenliste, die monatlich von 20 Musikjournalisten aus vier Nationen erstellt wird, hat „Hundling“ gerade erst für den diesjährigen Förderpreis nominiert. Die Meinung der Jury: „So kann er auch klingen, der Sound der Heimat: beiläufig, cool und groovend.“ Es ist nicht die erste Auszeichnung für die Band. Bereits 2015 waren sie Gewinner des Heimatsoundwettbewerbs, 2016 erhielt „Hundling“ den Kufsteiner Kleinkunstpreis „Salzfassl“ und im vergangenen Jahr den Walther-von-der-Vogelweide-Preis. Der musikalische Cocktail, den Höcketstaller mixt, ist so vielfältig, wie die Inhalte seiner Texte: Zwischen Country und Reggae, Blues und Folkrock. Ein bisschen Tom Petty, J. J. Cale und Travelling Wilburys. Dazu besingt er Kritik am kaum noch bezahlbaren Wohnraum genauso wie die banalen Alltagsgeschehnisse in seinem Giesinger Viertel. „I hob a scheene Wohnung und ruhig is no dazua. Es kannt ois so perfekt sei, doch hob ich trotzdem nia mei Ruh.“ Apropos Giesing: Eigentlich ist der Hundling ja gar kein Münchner Hundling, denn geboren wurde er im niederbayerischen Landshut.

Die MZ-KulturKantine

  • Am 6. Juli tritt Hundling

    in der MZ-Kantine auf. Wir verlosen Karten für diesen exklusiven Auftritt. Die MZ-Kantine ist ein Dankeschön an treue Leser, die im Besitz einer MZ-Clubcard sind. Eingeladen werden 30 Leser mit Begleitung.

  • Wer gewinnen will,

    schickt am Mittwoch, 13. Juni 2018, eine E-Mail an gewinnspiel@mittelbayerische.de oder ruft an unter 01379-885 817 (0,50€/Festnetzanruf; Mobilfunk ggf. abweichend)

Als Teenager kam er 1990 in die Stadt, die seine große Liebe geworden ist. Er sog das Lebensgefühl auf und passte sich dem Idiom an. „Ois Chicago“, diese Leichtigkeit der Figur Tscharlie aus Helmut Dietls Münchner Geschichten, webt sich durch viele Lieder von Höcketstaller. „Ich sag selten ‚Ich liebe dich‘, sing dir dafür ein Lied – und bring vom Bäcker jede Woch a Stückerl Kuacha mit.“ Oft entstehen die Texte zuerst, erst danach entwickelt er die Melodie. „Ideen kommen mir beim Spaziergehen an der Isar. Lebensphilosophische, politisch nachdenkliche und skurril-komische Texte“, sagt er in einem Interview mit unserem Medienhaus. Nach „Ois Chicago“ kam 2017 das zweite Album „Gestern oder im 3. Stock“ auf den Markt – was auch eine Hommage an den Münchner Künstler Karl Valentin ist, den Höcketstaller sehr verehrt. Es geht um musikhassende Nachbarn („Musikfreie Zone“), den „Odel“, der rechtes Gedankengut verbreitet, den gechillten Ritter Dando oder die Sinnfrage nach dem eigenen Tun. „Sing i für Hippies oder Rocker oder sing i Jazz in der Bar am Hocker?“ Die Texte sollen bei Hundling im Vordergrund stehen. „Ich möchte gehört werden.“ Zu Höcketstaller, der selbst Gitarre spielt, gesellen sich Steffi Sachsenmeier am Schlagzeug, Sebastian Osthold am Keyboard, Klaus Reichardt an der Pedal Steel Guitar und Christian Klos am Bass.

Höcketstaller hat vor mehr als 20 Jahren in der Musikszene zunächst als Bassist begonnen. Er gehörte der erfolgreichen Reggae-Funk-Formation „Les Babacools“ an, die Supports von „Gentleman“ oder den „Fun Lovin Criminals“ spielten. Mit den Leuten von Blumentopf teilte sich die Band einen Probenraum. Heute geht der Schwerpunkt seines Schaffens in eine völlig neue Richtung, wenngleich immer noch hin und wieder ein bisschen Reggae und Funk mitschwingt – nun aber eben auf bayerisch und inzwischen auch mehr in hochdeutscher Sprache. Noch sind die Touren der Band südlastig, was Kritiker bedauern. So hieß es in einer Albumbesprechung im „Stern“ über Hundling: „Eine gute Mischung für eine absolut professionelle Band, der man wünschen muss, dass sie auch jenseits des weißblauen Dunstkreises ihr Publikum findet.“

Schmäh und Monaco di Bavaria

Die Entscheidung, sich von einem internationalen Bandformat, wie es „Les Babacools“ war, in die bairische Musikszene zu verabschieden, bereut Hundling nicht. Denn nun kann er das leben, was für ihn Musik ausmacht. Seine Gedanken und Gefühle transportieren, seine Geschichten erzählen. „In Englisch waren meine Texte ziemlich banal, deshalb bin ich ins Deutsche gewechselt.“ Auf seine musikalischen Vorbilder angesprochen, hat er eine Lieblingsplaylist parat, die ein wenig Schmäh und ein bisschen Monaco di Bavaria vereint. Rainhard Fendrich, Ostbahn-Kurti, Haindling, Wanda oder Pam Pam Ida. Und ja, der Spider-Murphy-Gang-Klassiker „Sommer in der Stadt“ ist auch dabei. Dieses Gefühl von bairischer Lässigkeit, das haben Hundling längst genauso gut drauf. Eigentlich fehlt der Band nur noch dieser eine Song für die Ewigkeit.

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