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Ich bin kein Alien, der nur Profit sieht

Investor Ferdinand Schmack entwickelt riesige Flächen im Regensburger Osten. Für die Region baut er eine Waldorfschule.
Von Marion Koller

  • Ferdinand Schmack, Geschäftsführer des gleichnamigen Immobilienunternehmens in Regensburg Foto: altrofoto.de
  • Im Regensburger Stadtosten besitzt das Unternehmen 140 000 Quadratmeter. Schon lange wollen die Brüder Schmack die Flächen im Anschluss an das Wohngebiet Candis I bebauen. Foto: Koller

Regensburg.Sein Geografiestudium hat Ferdinand Schmack abgebrochen. Lieber gründete er mit 20 eine Immobilienfirma. Der Unternehmer schätzt Kunst und eine gewisse Ironie. Im Flur der Niederlassung fällt ein Ölbild von Leo Deininger auf. Es zeigt die Brüder Ferdinand und Martin Schmack recht cool am Tresen einer Cafebar. Beim Interview weicht die Assistentin nicht von Schmacks Seite. Sie springt sofort auf, wenn er etwas braucht. Der 46-Jährige stellt gerne Fragen, die er dann selbst beantwortet.

Herr Schmack, wie kommt es, dass Sie und alle Ihre Geschwister Unternehmer geworden sind?

Wir sind selbstständig erzogen worden. Einer der wesentlichen Punkte war, dass jeder machen konnte, wozu er Lust hatte. Es war schon in der Kindheit klar, dass ich mich selbstständig mache. Ich wollte mir wenig dreinreden lassen. Unternehmer handeln eigenverantwortlich. Stark beeinflusst wurde ich vom Widerstand gegen die WAA. Wenn der Bürger auf die Barrikaden geht, ändert sich die Politik.

Dieses Ölgemälde von Leo Deininger hängt im Flur der Ferdinand Schmack jun. GmbH. Es zeigt Ferdinand Schmack (mit Brille) und seinen Bruder Martin (rechts neben ihm) am Tresen einer Cafebar. Foto: Koller
Dieses Ölgemälde von Leo Deininger hängt im Flur der Ferdinand Schmack jun. GmbH. Es zeigt Ferdinand Schmack (mit Brille) und seinen Bruder Martin (rechts neben ihm) am Tresen einer Cafebar. Foto: Koller

Vor eineinhalb Jahren wurde die Regensburger Waldorfschule in einer ehemaligen Gärtnerei eröffnet. Bald folgt ein Neubau. Sie entwickeln das Projekt. Warum?

Der Waldorf-Verein ist nicht in der Lage, so einen komplexen Bebauungsplan aufzustellen, also haben wir gesagt, wir können uns das vorstellen. Es ist kein Unterfangen, bei dem man Geld verdient. Aber ein pluralistischer Bildungsmix am Standort ist wichtig. Regensburg braucht ein solches Bildungsangebot. Sie werden in Tennessee oder Jakarta eine Waldorfschule finden. Wenn wir mit unseren Global Playern übergeordnete Standortqualitäten haben wollen, ist es schlau, sich um solche Angebote zu kümmern. Ich hoffe, dass sich die Förderpraxis für Privatschulen in Bayern verbessert.

Immobilienunternehmer Schmack erklärt sein Bauvorh

Der Grundschulneubau sollte doch 2017 fertiggestellt werden. Wie kam es zur Verzögerung?

Die Auslegung des Bebauungsplans ist bereits beendet. Wir wollten ursprünglich eine Baugenehmigung für die Grundschule einholen und dann erst den Bebauungsplan fürs gesamte Gelände machen, aber das wurde abgelehnt. Die Bebauungsplanverfahren sind viel zu lang, Die Stadt ist unfähig, das zügig durchzuführen. Jedoch erwarten wir in Kürze die Genehmigung.

Wie viele Kinder besuchen die Waldorfschule?

Es sind vier Grundschulklassen mit 100 Schülern und eine Kindergartengruppe mit 25 Mädchen und Buben.

Werden Ihre eigenen Kinder, die jetzt ins Kinderhaus Steinweg und die Gerhardinger-Schule gehen, zu Waldorf wechseln?

Ein Wechsel ist nicht geplant. Ich finde das Konzept nicht schlecht, aber auch das der öffentlichen Schulen nicht.

Sie gelten in der Regensburger Korruptionsaffäre als Beschuldigter. Ihr Anwalt Michael Haizmann sagt, die Vorwürfe seien hanebüchen.

Wir fühlen uns zu Unrecht beteiligt am Spendenskandal. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass OB Wolbergs die Baugenehmigung für die zweite Industriehalle auf dem früheren Teichgelände der Zuckerfabrik zu Unrecht erteilt hat. Das ist aber falsch. Und dass er sie nur erteilt hat, weil wir gespendet hätten. Auch das ist falsch. Der Stadtrat wollte die schnelle Genehmigung und hat die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen. Aber es ist nichts passiert. Dann hat Herr Wolbergs sie 2016 persönlich unterschrieben, was ein OB darf. Wir haben im OB-Wahlkampf 2014 gespendet. Damals sind wir davon ausgegangen, dass wir eine Baugenehmigung aufgrund eines Bebauungsplans bekommen. Es gab keine Absprachen. Wenn der Herr Staatsanwalt was rausposaunt zum Thema Wolbergs, wird das als Evangelium genommen.

Die Industriehallen im Stadtosten bieten Unternehmen wie Conti, Siemens, BMW und Krones Lager- und Produktionskapazität. Wie viele Jobs entstehen?

Rund 700.

Die Schmacks gelten als Querdenker.

Ich bin ein freigeistiger Denker, katholisch und dadurch tolerant. Wir sind Teil der Gesellschaft, in der wir uns bewegen und keine Aliens, die Gewinnmaximierung betreiben. Ich gehe nicht an die Regensburger Pestalozzi-Schule, weil es mir Imagepunkte bringt, sondern aus Überzeugung.

Was machen Sie dort?

Wir haben ursprünglich ein Sponsoring für das Mittagessen aufgebaut. Ein Teil der offenen Ganztagsschule isst bei uns in der Firmenkantine. Mittlerweile liefern wir jeden Morgen einen Korb mit Semmeln und Äpfeln in die Schule, damit Kinder, die ohne Frühstück zum Unterricht kommen, bis zur fünften Stunde durchhalten. Wir wollen erreichen, dass die Schule bald ausgebaut wird, eine Doppelturnhalle und eine Mensa fehlen. Es ist nicht damit getan, dass man spendet, man muss sich einbringen.

In Regensburg und dem Umland werden Tausende Wohnungen gebaut. Ist ein Ende des Mietpreiswahnsinns absehbar?

Was jetzt gebaut wird, ist verbraucht. In der kommunalen Selbstverwaltung kann die Stadt sehr viel bewirken, zum Beispiel die Grundsteuer senken, – aber sie tut es nicht. Sie hält mit dem Wachstum nicht Schritt. Regensburg wächst jährlich um 2500 bis 3000 Menschen. Wir brauchen im Jahr 80 000 bis 120 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche zusätzlich, das heißt, ein Gebiet wie das Dörnbergviertel ist innerhalb von zwei Jahren verbraucht. Deutlich über 10 000 Wohnungen fehlen. Nur die Stadt selbst kann erschwingliche Mietwohnungen bauen.

Im Regensburger Osten besitzen Sie im Anschluss ans Wohngebiet „Candis I“ 140 000 Quadratmeter. Sie wollen 1400 Wohnungen bauen. Warum klappt es nicht?

Die Aufstellung und Durchführung der Bebauungspläne stagniert.

Sie errichten Wohnungen in Pilsen und eine Schule in Uganda.

Unsere Partnerstadt Pilsen besitzt ähnliche wirtschaftliche Voraussetzungen. Sie wird sich entwickeln. Mit einem befreundeten Pfarrer sammle ich seit zehn Jahren Spenden und baue Schulen in der ugandischen Diözese Kasese.

Weitere Interviews lesen Sie hier.

MZ-Serie: Alles ausser gewöhnlich

  • Die Serie:

    Es gibt Menschen, die einem auffallen: weil sie auf eine spezielle Weise leben oder die Dinge auf eine ganz eigene Art anpacken. Sie sind eben „alles außer gewöhnlich“.

  • Die Autorin:

    Marion Koller hat mit Unternehmer Ferdinand Schmack immer wieder zu tun, weil er viele Bauprojekte in der Region anpackt und dabei zuweilen aneckt – beim Bund Naturschutz und Anwohnern.

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