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Im Hauptquartier des Weltwissens

Die Wikipedianer beziehen ein eigenes Büro in München. Sie suchen Autoren, die am Universallexikon mitschreiben.
Von Antonia Hofmann, dpa

Die Wikipedianer Kevin Golde (rechts) und Patrick Fischer sitzen in München, im neuen Büro der Wikipedia-Community, an einem Computer.
Die Wikipedianer Kevin Golde (rechts) und Patrick Fischer sitzen in München, im neuen Büro der Wikipedia-Community, an einem Computer. Foto: dpa

München.WikiMUC nennen die Wikipedianer ihr neues Büro in München. Während die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Online-Enzyklopädie in den neuen Räumen noch Kartons auspacken, liegt ein Gefühl von Vorfreude und Aufregung in der Luft. Hier soll mehr entstehen als nur ein Büro: ein Treff- und Stützpunkt, eine Anlaufstelle für alle Interessierten und Wissbegierigen.

Ein großer, langer Tisch bildet das Zentrum des Büros, in dem sich die Wikipedianer treffen. Sie alle schreiben ehrenamtlich für das weltgrößte Online-Lexikon und erweitern mit ihrem Wissen die bekannteste Enzyklopädie im Internet.

Trotz der Online-Affinität sei der Offline-Austausch wichtig. Die lokalen Gruppen würden „Wikipedia ein Gesicht geben“, sagt Martin Rulsch von Wikimedia Deutschland, dem Verein hinter der deutschen Wikipedia-Ausgabe. Nach dem Lokal K in Köln und dem Kontor Hamburg ist WikiMUC das dritte Wikipedia-Zentrum in Deutschland.

Mehr Leser als Goethe hatte

Kevin Golde ist Teil des Münchner Teams. Der 20-Jährige schreibt seit neun Jahren. In seinem ersten Artikel widmete sich Golde dem Olympiastadion in der Landeshauptstadt. Irgendwann fiel ihm auf, dass es noch keine Artikel zu den Asterix-Comics gab, und machte sich an die Arbeit. Bis zu vier Stunden investiert er täglich in Texte; es gefällt ihm, zu etwas beizutragen. „Es ist auch schön, wenn die eigene Arbeit vielleicht häufiger gelesen wird als die von einem Goethe.“

Dieses Jahr feiert Wikipedia ein Jubiläum: Seit 15 Jahren existiert die deutschsprachige Version. Sie ist mit knapp zwei Millionen Artikeln nach der englischen, der schwedischen und der philippinischen Version die viertgrößte. 6000 aktive Autoren schreiben im deutschsprachigen Raum für die Enzyklopädie. Zwar schwanke die Zahl monatlich, grundsätzlich ginge die Tendenz aber etwas nach unten, heißt es bei Wikimedia. Der Verein geht davon aus, dass deutlich mehr Autoren männlich als weiblich sind.

An dem Tisch im neuen Münchner Büro sitzt auch Patrick Fischer. Der 40-Jährige ist Spezialist für Osttimor. Rund 1600 Artikel gibt es bei Wikipedia zu dem Inselstaat, fast alle stammen von Fischer. Man führe Informationen zusammen wie bei einem Puzzlespiel, sagt der Ingenieur. Wissbegierig müsse man sein und „ein kleines Korrektursyndrom sollte man haben“.

Interessierte können nun an drei Tagen in der Woche das Büro im Münchner Glockenbachviertel besuchen. Abends oder am Wochenende veranstalten die Mitglieder dort Workshops und andere Treffen. Hauptverantwortlicher ist Burkhard Mücke, ein Journalist im Ruhestand. Zusammen mit einem kleinen Organisationsteam hat er den Standort in den vergangenen Monaten hochgezogen. Grundsätzlich laufe alles basisdemokratisch, erläutert Mücke.

Es herrscht ein rüder Ton

Diskutiert wird viel. Das größte Problem, finden Fischer und Golde, liege im teils sehr rüden Ton bei der Diskussion über Artikel. Neue Schreiber würden abgeschreckt. „Diese Streitkultur muss sich ändern.“ Neuen Autoren den Einstieg zu erleichtern, ist ebenfalls ein Ziel des Wiki-Büros. Bedarf an Schreibern gibt es trotz der zwei Millionen Artikel. Rulsch: „Es gibt allein über drei Millionen Lebewesen, die noch nicht beschrieben sind.“

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