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Kunst

In jedem Bären steckt Herzblut

Über 400 kleine pelzige Gesellen hat Petra Hankofer schon geschaffen. Wichtig ist ihr, dass sie einen guten Platz bekommen.
Von Melanie Bäumel- Schachtner

Auf weißem Plüsch zeichnet Petra Hankofer die Umrisse ihres nächsten Mini-Bären. Foto: Melanie Bäumel-Schachtner
Auf weißem Plüsch zeichnet Petra Hankofer die Umrisse ihres nächsten Mini-Bären. Foto: Melanie Bäumel-Schachtner

Straubing.Die Bären, die unter den flinken Fingern von Petra Hankofer entstehen, werden nicht verkauft, sie werden zur Adoption freigegeben. Denn irgendwie sind sie alle ihre Kinder, die pelzigen kleinen Gesellen, die die 56-Jährige in mühevoller Kleinarbeit, mit einer großen Portion Liebe, in ihrer Werkstatt in Straubing entstehen lässt. Seit 16 Jahren ist sie vom Bärenvirus infiziert, näht und filzt in jeder freien Minute.

Dies brachte ihr bereits einen Weltmeistertitel und zahlreiche Preise in der Bärenbranche ein und beschert ihr eine große Zahl von Stammkunden, die immer wieder ungeduldig auf ihre Homepage „Hope Bears“ schauen, welche bärigen Neuigkeiten es aus ihrer Hand wieder gibt. Ab und an entsteht auch ein Erdmännchen, ein Fuchs oder ein Glücksschweinchen. Bei allen Tieren gilt: Sie sind winzig klein, bis ins Detail ausgearbeitet und mit viel Herzblut gemacht.

Tiere neun Zentimeter groß

Wenn ein Bär nicht in gute Hände kommt – das tut Petra Hankofer richtig weh. Einmal verschenkte sie einen, der in eine dunkle Ecke verbannt wurde. Das kann die Künstlerin überhaupt nicht mitansehen. Sie verlangt für ihre Künstlerbären im Miniaturformat daher keine Höchstpreise, sondern lediglich eine „Adoptionsgebühr“, wie sie schmunzelnd sagt, während sie ein kleines Beinchen mit Nadel und Faden zusammennäht.

Die Werkstatt in der Wohnung in einer Straubinger Wohnsiedlung ist nicht groß, aber gut bestückt. Stoffe, Augen, Metallteile für die Gliedmaßen und Schnittmuster lagern dort, ordentlich verstaut. Die meisten Bären fertigt sie im Format von neun Zentimetern. Angefangen hat Petra Hankofer mit größeren Bären und fertigen Schnittmustern, aber schon bald wollte sie mehr: die ganz große Bärenkunst.

Das bärige Fieber begann, als eine Freundin ihr zum 40. Geburtstag einen Teddy schenkte, den sie selbst gemacht hatte: „Ich konnte gar nicht glauben, dass der wirklich eigenhändig hergestellt war, und ich wollte das auch. So habe ich meinen ersten Bären gefertigt.“ Es kam, wie es kommen musste: Sie wurde bärensüchtig. Zwei Jahre fertigte sie nach fertigen Mustern und in größerem Maßstab. Dann wollte sie kleine Teddys machen. Und eigene Muster. „Ich habe mich deshalb zum Bärencollege angemeldet“, blickt sie lächelnd zurück. Eine ältere Dame aus Hamburg gab ihre Künste per Fernstudium weiter. Sie brachte Petra Hankofer bei, wie man eigene Schnitte erfindet und seine ganz eigenen Bären erschafft. Die gebürtige Burghausenerin saugte das Wissen in sich auf, um es in den folgenden Jahren zu verfeinern und zu perfektionieren.

„Je kleiner der Bär ist, desto mehr Übung braucht man.“

„Je kleiner der Bär ist, desto mehr Übung braucht man“, sagt sie heute. Übung, die hat die Mutter eines 25 Jahre alten Sohnes, denn sie schätzt, sie habe bislang weit über 400 Bären das Leben geschenkt. Ein Bärenleben beginnt mit dem Aussuchen eines Stoffes, den sie von einer Herstellerin aus den Niederlanden bezieht, die den Plüsch auch selber färbt. Zunächst muss ein Schnitt entwickelt und dann aufgezeichnet werden. Wer glaubt, dass es reicht, dieses Muster einfach auszuschneiden, der irrt. „Man darf nur millimeterweise mit der Spitze schneiden, sonst kappt man die schönen Härchen“, weiß die Künstlerin.

Danach werden die winzigen Körperteile und das Köpfchen mit der Hand genäht. Die kleinen Arme, Beine, der Körper und der Kopf werden links-links genäht, umgedreht und mit Schafwolle fest gestopft: „Ich finde Naturmaterial am besten.“ Dann müssen die Köperteile mit kleinen Metallteilen verbunden werden, sodass Arme und Beine beweglich sind.

Viele Bären bekommen auch eine winzige Mütze und einen kleinen Schal verpasst. Hier hat die Bärenmutter eine große Auswahl, denn ihre Mama Hilde Schwarz aus dem Landkreis Altötting ist auch noch mit ihren 79 Jahren eine fleißige Handarbeiterin, der es Freude macht, die tierischen Stoffkinder ihrer Tochter auszustaffieren. Petra Hankofer sitzt nur sehr selten vor dem Fernseher ohne eine Näharbeit in der Hand, denn gearbeitet wird nicht nur in der Werkstatt: „Für mich ist Fernsehen Hörspiel“, lacht sie.

Bären passend zum Hobby

Bei ihrer Arbeit hat sie immer wieder neue Einfälle. Im vergangenen Jahr entstanden die ersten Erdmännchen, auch heuer nimmt sie wieder auf eine Fachmesse in Münster, die größte weit und breit, eine Erdmännchenfamilie mit. Gerade ist ein Bärenpaar mit Lederhose und Dirndl entstanden, die ein Ehemann seiner Angetrauten zur Silberhochzeit bestellt hat. Das Pärchen sitzt auf einem gefilzten roten Herz mit eingesticktem Hochzeitsdatum. Auch golfende, tennisspielende und nordic-walkende Bären hat Petra Hankofer schon als Auftragsarbeiten erschaffen: „Ich frage die Besteller immer, was macht der Beschenkte gerne. Und dann fertige ich einen Bären, der zum Hobby passt.“ Für eine gerne gartelnde Dame hat sie einen Gärtner-Teddy genäht, der auf einem Rasenstück steht, und aus einem Maulwurfshaufen spitzt ein kecker Maulwurf heraus. Da die Bärenexpertin auch filzen kann, kann sie verschiedene Techniken kombinieren.

Alle Bären haben einen Namen, ein Zertifikat und eine Pflegeanleitung, und es dauert bei einem neun Zentimeter großen Bären ohne Entwicklungsphase zwölf bis 14 Stunden, bis er seinen künftigen Besitzer mit seinen kleinen Knopfaugen fertig anblinzeln kann. Je nach Ausfertigung kostet so ein Minibär in Handarbeit um die 85 Euro. Wichtiger als der große Verdienst: „Ein guter Platz.“

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