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J.B.O. ziehen andere Saiten auf

Vor 27 Jahren hat Vito C. die Band J.B.O. gegründet. Mit der Erfindung des Comedy-Metals hat diese ihr Genre gefunden.
Von Alois C. Braun, MZ

Bei großen Festivals wie in Wacken wissen die Musiker von J.B.O. immer noch zu begeistern – wie hier Sänger und Gitarrist Vito C.
Bei großen Festivals wie in Wacken wissen die Musiker von J.B.O. immer noch zu begeistern – wie hier Sänger und Gitarrist Vito C. Foto: dpa

Erlangen.„Wenn du die Leute dazu bringst, traurig zu sein, dann ist es Kunst. Wenn du sie hingegen zum Lachen bringst, dann bist du ein Blödel.“ So lautet das nicht von der Hand zu weisende Fazit, das die Erlanger Band J.B.O. über den Zustand der Kultur in Deutschland auf der neuen CD „11“ zieht. „In anderen Ländern ist Comedy und Witzigkeit vielmehr als Kunstform anerkannt“, sagt Vito C.

Vor knapp 27 Jahren hat er mit Hannes „G. Laber“ Holzmann die Band gegründet, die mit der Erfindung des Comedy-Metals ihr eigenes Genre definiert hat. Dabei steckt viel mehr hinter dem langjährigen Erfolg als reiner Spaß. Vor allem Arbeit und Leidenschaft.

Erkennungszeichen: Rosa

Ein Biergarten im Nürnberger Rosenaupark. Vito C. kommt in „zivil“ zum Interview. Die langen Haare zusammengebunden und kein einziges rosafarbenes Kleidungsstück am Leib. Diese Farbe ist das durchschlagende optische Erkennungszeichen von J.B.O. – seit Anbeginn. Auf allen Bandfotos, den CDs und bei allen Konzerten dominiert das Rosa. „Unser damaliger Schlagzeuger Holmer ’a Bier Graap hatte ein rosafarbenes Schlagzeug der Marke TAMA“, erzählt Vito C., der Vater eines Sohnes ist. „Wir trugen bereits bei unserem ersten Auftritt im Erlanger E-Werk die farblich dazu passenden Bühnenoutfits.“ Und bis heute identifiziert man die Band damit.

Als „größte Werbekampagne“ für die Band entpuppte sich jedoch die ursprüngliche Wahl des Bandnamens: James Blast Orchester. Die Plattenfirma von James Last witterte laut Unterlassungsklage „Verwechslungsgefahr“ und untersagte die Verwendung des Namens auf CD-Veröffentlichungen. J.B.O. nutzten die Chance für Promotion, überpinselte das Wort „Blast“ mit dem plakativen „zensiert!“ und erhielt eine gigantische Aufmerksamkeit. Ob der Orchesterchef selbst ein Problem mit dem Namen hatte, ist nicht überliefert. Schmunzelnd erzählt Vito jedoch von einem angeblich existierenden Foto, das James Last lächelnd mit einer J.B.O.-CD in der Hand zeigt.

Eine Opernausbildung hält die Stimme fit

Lustige Texte zu bekannten Rock- und Popsongs, das ist die Spezialität der Band. So wurde aus Hello’s „New York Groove“ der „Nürnberg Groove“ und Sandie Shaw’s Gassenhauer „Those were the days“ heißt „Jetzt ist halt heut“, um zwei Beispiele aus dem aktuellen Album zu nennen. Aber nicht jeder Autor ist mit der Bearbeitung von J.B.O. einverstanden. So finden sich auf der Band-Homepage Texte, die nie auf einem Album veröffentlicht wurden, weil die Verlage der Originaltitel ihre Zustimmung verweigerten. „Natürlich ist das manchmal frustrierend, aber wir nehmen es mit Humor.“

Bis heute tummeln sich die Alben erfolgreich in den Charts, und die Band begeistert bei Auftritten in Hallen und bei großen Festivals wie dem Rockavaria oder in Wacken. Erfolg kommt aber nicht von ungefähr. Vito C. stammt aus einer Familie, in der Musik durchaus wichtig war. Über den Vater kam er mit der Klassik in Berührung, nahm Gesangsunterricht und sang auch Opernarien. „Diese Ausbildung ist heute besonders wertvoll. Sie hilft mir sehr viel, meine Stimme auf der Bühne fit zu halten“, so der Gitarrist und Sänger. Und auch Geige lernte er neun Jahre lang, bis zur elften Klasse. „Ich habe das aber nie ordentlich hinbekommen Außerdem waren ab der siebten Klasse auch andere Sachen wichtig“, erinnert er sich. Nichtsdestotrotz spielte er das Streichinstrument auf der letzten Tournee bei einem Song auch auf der Bühne.

Nie bereut hat er seine Entscheidung, Profi zu werden und voll und ganz für die Band zu arbeiten. Fast aber wäre er Lehrer geworden. Vito: „Die Zwischenprüfung war geschrieben, mir fehlte noch eine Arbeit.“ Doch genau zu dieser Zeit zeichnete sich der Erfolg von J.B.O. immer mehr ab. Es stand eine wichtige Tour an. „Der Scheiß war heiß“, wie er es ausdrückt. Zweigleisig fahren kam für ihn nicht in Frage. „Wenn, dann richtig!“, war seine Devise – und ab diesem Zeitpunkt stand die Band im Mittelpunkt.

Alle Teile aus unserer Serie „MZ-Kulturkantine“ finden Sie hier.

Dass Vito C. voll in der Musik aufgeht, zeigt auch seine Passion für Gitarren. Eine stattliche Anzahl von Gibson-Gitarren, darunter fünf Flying V’s (Gitarren in Pfeilform), nennt er sein eigen. „Ich löte gerne daran herum“, sagt er dazu. Seine Gitarrensammlung hat der Bastler mit Bill Lawrence L-500 L Pickups ausgestattet, deren gleichmäßige Abnahme des Tons beim sogenannten Ziehen der Saiten er besonders schätzt.

Überhaupt seien Saiten eine Sache, bei der man viel falsch machen und den Klang sehr positiv beeinflussen könne. „Es ist extrem wichtig, sie richtig aufzuziehen, nicht zu viele Windungen, nicht zu wenige“, erklärt Vito C. mit dem Hinweis auf seine Facebook-Seite „Saiten aufziehen, aber richtig“.

Vito C., der zur Entspannung gern mit seinem Sohn Drachen steigen lässt oder mit Bandkollege Wolfram zum Klettern geht, ist musikalisch sehr breit aufgestellt. Der Metal von J.B.O. ist nur eine Facette seines Musikgeschmacks: „Ich finde die Beatles einfach outstanding, höre sehr gerne Joe Jackson oder Ben Folds.“ Als Jugendlicher beschäftigte er sich intensiv mit der Polit-Rockband Ton Steine Scherben, war politisch aktiv, und sagt: „Ich war ein Kind der Ostermärsche. Mit 14 bin ich in besetzten Häusern abgehangen, engagierte mich in der Anti-Atomkraftbewegung.“

Laudatio für Jazzgitarristen

Seine musikalische Bandbreite und die Anerkennung seiner Arbeit in der Szene zeigt sich in Projekten, an denen Vito C. neben der Band beteiligt ist. „Ich habe mit der Smul Meier Band am Album ,Gesammelte Körbe‘ gearbeitet und auch mit Götz Widmann drei Songs aufgenommen“, zählt er Beispiele auf. Eine besondere Freude sei jedoch die Anfrage des international renommierten Jazzgitarristen Torsten Goods gewesen. „Er wollte, dass ich die Laudatio halte, als er den Erlanger Kulturförderpreis erhielt. Das habe ich natürlich mit Freude gemacht.“

J.B.O. spielen mit Erfolg auch immer wieder in nicht-deutschsprachigen Ländern. Vitos Begeisterung ist nicht zu übersehen: „Wir waren in der Ukraine für ein Bierfest engagiert. Da waren 10 000 Leute, die eigentlich kein Wort verstanden, uns aber abgefeiert haben.“ Ein Beleg dafür, dass die Band den Grundsatz „Qualität statt Quantität“ perfekt umsetzt und mit ihrer Professionalität das Publikum erreicht. Anders lässt sich eine bald drei Jahrzehnte währende Karriere auch nicht erfolgreich gestalten. Egal, ob Comedy nun als Kunst wahrgenommen wird oder nicht.

J.B.O. sind auf Tour und machen am 11. Februar 2017 Station im Airport in Obertraubling. Spätestens dann können auch die Regensburger sehen, wie man die Saiten richtig aufzieht.

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