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Forschung

Joghurt soll vor Alzheimer schützen

Auf der Suche nach Mitteln gegen die Krankheit: Das Bezirksklinikum Regensburg führt eine Studie für einen neuen Danone-Drink durch. Wichtig für den Erfolg einer Therapie ist vor allem, die Krankheit möglichst früh zu erkennen.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Dr. Hans Klünemann Foto: Archiv

Regensburg. Hoffnungsschimmer in der Alzheimerforschung: Ein probiotischer Joghurtdrink und ein neues Medikament, das für das Gehirn schädliche Beta-Amyloide bindet, werden derzeit an der Universitätsklinik für Psychiatrie am Bezirksklinikum Regensburg getestet. Zudem forschen die Oberpfälzer Mediziner auf dem Gebiet der Diagnostik. Inzwischen kann die Krankheit schon lange vor ihrem Ausbruch durch sogenannte Tau-Proteine entdeckt werden. Dennoch: Eine Heilung gibt es weiterhin nicht. Projektleiter Privatdozent Dr. Hans Klünemann spricht gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung aber von positiven Effekten für sogenannte Risikogruppen. In Deutschland erhalten jedes Jahr 300.000 Menschen die Diagnose Demenz oder Alzheimer. Ein wirksames Medikament, um einen bereits fortgeschrittenen Krankheitsverlauf zu stoppen, gibt es nicht. Dennoch sieht der Mediziner positive Ansätze in der Forschung. „Die Entwicklung ist nicht ganz so negativ, wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt wird.“

Forschung fokussiert Frühstadium

Vor allem die Forschung im Frühstadium der Krankheit sei vielversprechend. So könnten mit einem monoklonalen Antikörper schädliche Prozesse im Körper verzögert werden. Dies gelte aber vermutlich nur dann, wenn die Therapie bereits im Frühstadium einer Alzheimerkrankheit erfolge. „Dann erkennen wir einen Effekt“, sagt Klünemann. Das Universitätsklinikum forscht bereits im dritten Jahr an einem entsprechenden Medikament, die Pharmafirma wolle nun eine Zulassung in den USA beantragen. Der Regensburger Mediziner geht davon aus, dass es frühestens 2013 auf den Markt kommen könnte.

Für den probiotischen Joghurtdrink „Souvenaid“, den das zum Danone-Konzern gehörende Unternehmen Nutricia jetzt auf den Markt bringen will, werden die Regensburger Forscher eine zweijährige Studie durchführen. Etwa ein Dutzend Probanden, in deren Familien Demenzerkrankungen diagnostiziert wurden, haben sich dafür gemeldet. Weitere Probanden werden gesucht. Vorgängerstudien haben bereits dargelegt, dass der medizinische Effekt in der Mixtur des Joghurtdrinks liegt: EPA und DHA, zwei mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren, Cholin - eine Vorstufe eines wichtigen Botenstoffs im Gehirn - sowie Uridin, ein RNA-Baustein, verlangsamen die Verfallsprozesse. Souvenaid, so schrieben die Wissenschaftler, verbessere das Gedächtnis von Alzheimer-Patienten im Anfangsstadium und rege die Nervenzellen im Gehirn zur Ausbildung neuer Synapsen an.

Fisch alleine ist nicht genug

Kritiker bemängeln, dass dieser Effekt auch mit dem Verzehr bestimmter Lebensmittel erreicht werden könne und ein Alzheimer-Joghurt überflüssig sei. Allerdings kann durch selbst zusammengebraute Nahrungsmittel allein nicht die notwendige Konzentration von 300 bis 400 mg DHA pro Tag erreicht werden, betont Klünemann. Da müsse man schon mehr als 400 Seefische wie zum Beispiel Lachs pro Jahr verzehren.

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