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Fotografie

Jürgen Krall findet Schönheit im Detail

Der Fotograf feiert internationale und nationale Erfolge. Seine Kunst: Er kann Verborgenes sichtbar werden lassen.
Von Angelika Lukesch

Der Fotograf Jürgen Krall sucht den Charakter eines Objekts und das Wesen eines Menschen durch die Linse. Foto: Angelika Lukesch
Der Fotograf Jürgen Krall sucht den Charakter eines Objekts und das Wesen eines Menschen durch die Linse. Foto: Angelika Lukesch

Lappersdorf.Jürgen Krall (51) hat als Fotograf schon eine Reihe hochkarätiger internationaler Preise errungen. Vor Kurzem wurde er Vizemeister bei der Deutschen Fotomeisterschaft 2019. Dabei ist er eigentlich, was die Fotografie anbelangt, ein Spätberufener. Zwar habe ihn, wie er sagt, „Fotografie schon immer interessiert“. Doch die Abläufe des Lebens hinderten ihn immer wieder daran, sich näher und intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen.

Zuerst habe er den Beruf des Kirchenmalers erlernt und hatte kein Geld für dieses teure Hobby. Danach schloss sich ein Architekturstudium an und nach der Studienzeit fraß die Arbeit als Architekt die ganze Zeit auf. Dann jedoch kam das Jahr 2009, als er seiner Frau Daniela zum Geburtstag eine Kamera schenkte. „Wir wollten eine Reise nach Sizilien machen und ich dachte mir dann, dass eine Kamera nicht für zwei Leute ausreicht, die fotografieren wollen. Also habe ich mir eine zweite Kamera gekauft“, erzählt Krall.

Die Initialzündung

Die Reise nach Sizilien sollte den Ausschlag dafür geben, dass Krall ernsthaft und „akribisch“ begann, sich mit der Fotografie, vor allem hinsichtlich der Technik, auseinanderzusetzen. „Es hat mich geärgert, dass ich fotografisch nicht das umsetzen konnte, was ich wollte. Ich wollte die Technik verstehen“, sagt Krall.

In den nächsten zehn Jahren feilte der Lappersdorfer an seinem Wissen um die Technik. Er lernte mehr und mehr von der Kunst, wie er auf einem Foto das darstellen konnte, was er in seinem Fotogegenstand sah.

Auch wenn sich Krall mit einer Vielzahl fotografischer Sparten befasst, unter anderem experimentelle Fotografie, Lost Places, Landschaft, Natur, die Welt von oben und vieles mehr, so haben sich doch im Laufe der Jahre die zwei Bereiche herauskristallisiert, die ihn am meisten interessieren: menschliche Gesichter und Architektur.

Man könnte meinen, gegensätzlicher kann es gar nicht sein, denn hier steht das Belebte gegen das Unbelebte, das Organische gegen das Konstruierte. Doch aus der Sichtweise von Jürgen Krall ergibt sich auch in diesen Gegensätzen ein gemeinsamer Nenner, nämlich das Suchen nach dem Charakter, der Aussage und der Form.

Mit diesem Foto von „Mike“ gewann Krall eine Medaille.  Foto: Jürgen Krall
Mit diesem Foto von „Mike“ gewann Krall eine Medaille. Foto: Jürgen Krall

Bei der Portraitfotografie interessieren ihn Menschen beziehungsweise Gesichter, in denen er das Wesen dieses Menschen sucht oder vielleicht auch das, was dieser Mensch in sich hat, ohne es selbst zu wissen. Verborgene Eigenschaften zu finden und sie mithilfe fotografischer Technik und Kniffe abzubilden, sodass sie auch für den Betrachter sichtbar werden, ist die große Kunst, die Krall beherrscht und die er immer weiter verfeinert.

So wurde zum Beispiel aus einem jungen Mann, Dominik aus Cham, der „in Wirklichkeit“ eher ein sanfter Typ gewesen sei, auf Kralls international prämierten Foto ein Mann, dem man seine innere Kraft und die herausfordernde Haltung gegenüber der Welt ansieht – Eigenschaften, die Dominik wohl in sich trägt, jedoch im Alltagsleben nicht zeigt.

Ein anderes Beispiel: Ein junger freundlicher Mann mit Rastalocken und Vollbart bestäubte Krall mit Mehl. So zeichneten sich Konturen ab, die diesen Mann in einen Typen mit archaischer Anmutung verwandelten und die dominanten Züge des Modells, die vorher verborgen schienen, sichtbar werden ließen. Krall beherrscht die Kunst, hinter das Alltagsgesicht zu schauen und das Verborgene der Menschen sichtbar zu machen.

Nationaler und internationaler Erfolg

  • Nationale Preise:

    Jürgen Krall wurde Vizemeister der Deutschen Fotomeisterschaft 2019. Für die Meisterschaft hatte Krall sechs Bilder eingereicht, alle sechs wurden prämiert. Die Siegerehrung fand in Kaufbeuren statt. 2014, 2017und 2018 war er Jahressieger der Fotografischen Gesellschaft Regensburg.

  • Internationale Preise:

    2014 Gold-Medaille beim Trierenberg Super Circuit in der Kategorie Portrait. 101 000 Bilder standen dort zur Auswahl. 2013 PSA-Gold-Medaille „Best of Competition“ (Wettbewerbssieger) beim 10. German Mega Circuit unter Teilnehmern aus 40 Nationen mit 6814 Bildern.

Das Foto, das beim Wettbewerb des Deutschen Fotografenverbandes eine Medaille erhielt, zeigt das Gesicht eines Mannes. Der Ausdruck ist intensiv, es liegt etwas Trauriges darin, etwas Endgültiges und vor allem – Würde. Krall spielt hier mit den Möglichkeiten des Lichts und des Wassers und überzeugte damit die hochkarätige Jury. Für die Deutsche Fotomeisterschaft hatte Krall sechs Bilder eingereicht, alle sechs wurden prämiert.

Das Muster eines Gebäudes

Architekturfotografie ist für Krall pure Entspannung. Auch hier will er jedem Gebäude das Besondere entlocken. „Wenn ich im Auftrag fotografiere, versuche ich, in dem Bauwerk etwas zu finden, das der Auftraggeber nicht an seinem Objekt kennt“, sagt Krall. Deshalb ist er schon vor Sonnenaufgang vor Ort und lässt sich auf eine Art der Kommunikation mit dem Bauwerk ein.

Er begeht es, er betrachtet, er beobachtet. So entstehen vor seinem Auge die Bilder, die sowohl dreidimensionale Bildkompositionen zeigen als auch als zweidimensionale geometrische Muster abbilden. Seine Architekturfotos werden zum optischen Spiel für die Augen. Den Charakter eines Gebäudes einzufangen, ist das, was Krall bei der Architekturfotografie am meisten interessiert, denn er schreibt für jedes Haus, das er fotografiert, eine eigene Geschichte. Die Schönheit findet er dabei im kleinen Detail.

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