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Aschermittwoch

Kapitän Gysi blieb sachlich

Die Linke lud nach Passau zum politischen Aschermittwoch ein. Ein großer rhetorischer Schlagabtausch blieb jedoch aus.
Von Bettina Griesbeck, MZ

Gregor Gysi nimmt beim Politischen Aschermittwoch der Linken in Passau einen Schluck Bier, bevor er an das Rednerpult muss.
Gregor Gysi nimmt beim Politischen Aschermittwoch der Linken in Passau einen Schluck Bier, bevor er an das Rednerpult muss. Foto: dpa

Passau.Die Linke hatte sich das größte Ausflugsschiff auf der Donau gechartert, um am politischen Aschermittwoch in Passau ihre Genossen zum verbalen Schlagabtausch einzuladen. Rhetorisch hieß es auf der MS „Stadt Linz“ jedoch nicht „Leinen los“, denn die politischen Seitenhiebe blieben rar gesät. Besonders Gregor Gysi umschiffte in seiner Rede die Klippen der CSU. Der Fraktionsvorsitzende der Linken konzentrierte sich lieber auf die bekannten Partei-Ziele.

Der Vormittag begann noch verheißungsvoll, als Eva Bulling-Schröter, Janine Wissler und Gregor Gysi zu den Klängen des bayerischen Defiliermarsches an Bord kamen und sich erstmal ein Weißbier genehmigten. Die bayerische Landessprecherin der Linken trat als erste an das Rednerpult und sorgte mit einem Versprecher für den ersten Lacher: „Die Linke steht hinter dem Reinheitsverbot“ – ihr Freud'scher Versprecher zum Thema TTIP. Vereinzelt stichelte Bulling-Schröter gegen die CSU, so mahnte sie beim Thema Waffenlieferungen an, sich auf die christlichen Werte zu besinnen: „Das ist weder christlich, noch sozial.“

Seehofers Wankelmut in Sachen Stromtrasse

Bulling-Schröter, die Sprecherin der Linken für Energie- und Klimapolitik ist, kam natürlich auch auf die Stromnetz-Debatte zu sprechen. „Vor einem Jahr hat die CSU zugestimmt, jetzt entschuldigen sich die Politiker, weil sie angeblich nicht wussten, was sie abgestimmt haben“, meinte sie mit einem Hinweis auf Seehofers Wankelmütigkeit. Die gleichzeitige Forderung nach regionaler Energie, dem Ausstieg aus der Atomenergie und mehr regionaler Wertschöpfung brachte ihr großen Applaus der anwesenden Gäste ein.

Janine Wissler, Abgeordnete der Linken des Hessischen Landtags, ging im Schulterschluss mit ihrer Vorrednerin zur Pegida-Bewegung konform und sprach sich gegen Rassismus aus. „Man darf Proteste nicht hofieren, indem man die Ängste und Sorgen dieser Bürger ernst nimmt, sich mit ihnen trifft und Gespräche führt – man sollte sich lieber mit den Ängsten und Sorgen der Flüchtlinge beschäftigen.“ Beim Flüchtlingsthema teilte Wissler auch in Richtung Seehofer aus, der sich gegen eine „Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme bis zur letzten Patrone wehren“ wolle. Auch die Griechenland-Wahlen sprach Wissler an und meinte, dass sie Syriza zum Erfolg gratuliere. „Wie gut es ist, kann man an Schäubles Gesichtsausdruck ablesen“, sagte Wissler.

Gysi freut sich auf den Nockerberg

Nach einer kurzen Pause erhob sich Hauptredner Gregor Gysi ans Rednerpult. Statt auszuteilen, ging der Fraktionsvorsitzende bekannte sozialpolitische Themen durch und blieb sachlich. Gysi schwor die Anwesenden ein, TTIP nicht zuzulassen und forderte mehr Geld für Bildung statt für Banken. Im bayerischen Schulsystem würde seiner Meinung nach sowieso fiel zu früh getrennt – „dadurch fördert man die soziale Ausgrenzung“.

Freude war Gysi anzusehen, als er auf die Bürgerschaftswahl in Hamburg zu sprechen kam, bei der Die Linke mit 8,5 Prozent gut abgeschnitten hat. „Leider wird die Linke immer nur dann gewählt, wenn es einem Land schlecht geht – ich würde auch gerne mal was verteilen“, meinte Gysi auch mit einem Verweis auf die Griechenland-Wahl. Nächste Woche kommt Gysi wieder zu Besuch nach Bayern – zum Nockerberg. Dort wird ihm dann der ein oder andere Seitenhieb nicht erspart bleiben, meinte Gysi.

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