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Kirche

„Ketzer-Bischof“: Müller im Kreuzfeuer

Ultrakonservative schmähen den Regensburger Oberhirten im Internet. Der Auslöser: Müllers Kritik an den Piusbrüdern.
Von christine Schröpf, MZ

Bischof Gerhard Ludwig Müller Foto: altrofoto.de

Regensburg. Sie nennen ihn „Ketzer-Bischof“, zweifeln an seiner theologischen Reputation und stellen seine Kirchentreue in Frage: Bischof Müller steht im Kreuzfeuer ultrakonservativer Kirchenkreise. Anlass ist seine Kritik an den bevorstehenden Priesterweihen der Piusbruderschaft in Zaitzkofen (Lkr. Regensburg), die trotz des Verbots aus dem Vatikan und dem Bistum Regensburg am 26. Juni stattfinden sollen. Als einen Akt der Kirchenspaltung hatte Müller dieses Vorgehen gewertet und Gehorsam gegenüber Rom eingefordert. Nun bekommt er die Quittung.

Die Hölle – vermutlich leer?

Am schärfsten sind die Angriffe auf der Internetplattform kreuz.net. Sie wird von Kalifornien aus betrieben – „von einer Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee, die hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind“, wie aus der Homepage vermerkt ist. Mit fundamentalistisch lässt sich die Haltung der Autoren wohl am besten beschreiben. Müller wird als „Ketzer-Bischof“ geschmäht, der die Pius-Brüder belehren wolle, obwohl er selbst „frech das Dogma von der Jungfräulichkeit Mariens leugne“. Er propagiere zudem die Kommunion für evangelische Christen sowie für Ehebrecher und behaupte weiter, dass die Hölle vermutlich leer sei. Der ehemalige Dogmatik-Professor brauche von den Piusbrüdern „Katechismus-Nachhilfestunden“, ist zu lesen.

Zitiert wird auch der Zaitzkofener Regens, Pater Stefan Frey: Er hoffe, „dass sich Bischof Müller künftig mit den zuständigen Gremien in Rom absprechen würde, damit nicht weitere Querschüsse in der Öffentlichkeit dem Dialog mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. und somit dem Dienst an der Einheit Schaden zufügen“. Papst Benedikt XVI. bemüht sich bekanntlich, die von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Piusbrüder in den Schoß der Kirche zurückzuholen. Sie hatten sich aus Protest gegen die Modernisierung der Kirche abgespalten.

Keine juristischen Schritte

Die Piusbruderschaft erweckt den Anschein, dass Bischof Müller bei seiner Kritik an der Priesterweihe der Rückhalt aus dem Vatikan fehlt. Doch davon kann keine Rede sein, stellt der Regensburger Bistumssprecher Clemens Neck klar. „Wir vertreten die Linie der katholischen Kirche und handeln in Einmütigkeit mit dem Papst.“ Bischof Müller war erst vergangene Woche vom Papst in Rom zu einer Audienz empfangen worden. Neck machte jedoch keine Angaben, ob das Thema Piusbruderschaft dabei zur Sprache kam. „Das ist vertraulich“, sagte er.

Die kreuz.net-Veröffentlichung bezeichnet der Bistumssprecher als „Retourkutsche“ einer Splittergruppe. Auf die Reaktion der Piusbrüder habe Müller in erster Linie mit Traurigkeit reagiert. „Der Prozess der Wiedervereinigung wird dadurch in Frage gestellt.“ Juristisch wird das Bistum übrigens weder gegen kreuz.net, noch gegen die Piusbrüder vorgehen. „Wir fühlen uns nicht geschädigt. Kein Theologe würde ernst nehmen, dass Bischof Müller zum Beispiel die Jungfrauengeburt Mariens in Frage stellt“ , so Neck. Im Kern gehe es bei diesem Thema nicht um gynäkologische Fachfragen, sondern um das Mysterium der Geburt Christi.

Kreuz.net ist in Kirchenkreisen berühmt-berüchtigt. Die Bayerische Bischofskonferenz mochte sich gestern dazu nicht äußern. „Kein Kommentar“, hieß es aus München.

„Billig-polemische Hetzereien“

Die Deutsche Bischofskonferenz formulierte knapp: „Kreuz.net hat sich in Vergangenheit und Gegenwart durch mehr als fragwürdige Äußerungen hervorgetan. Die Seite hat keinen offiziellen Charakter. Kontinuierliche antisemitische Entgleisungen und andauernde billig-polemische Hetzereien gegen deutsche Bischöfe sind unerträglich“, sagte Pressesprecher Matthias Kopp.

Auch der Pressesprecher der deutschen Piusbrüder, Pater Andreas Steiner, distanzierte sich am Abend von der Form der Kritik auf kreuz.net. Er bekräftigte aber, dass Müller „in gewissen Punkten“ wie der Jungfrauengeburt Glaubenswahrheiten leugne.

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