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Landtagswahl

Kickstart für Spitzenkandidatin Kohnen

Bayerns SPD-Chefin wird mit 94,8-Prozent Votum und Kraftmüsli für Landtagswahl gestärkt. Aktuell steckt SPD im Umfrage-Keller
Von Christine Schröpf

Die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen nimmt die CSU ins Visier. Rechts im Bild: SPD-Generalsekretär Uli Grötsch. Foto: dpa
Die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen nimmt die CSU ins Visier. Rechts im Bild: SPD-Generalsekretär Uli Grötsch. Foto: dpa

München.Die bayerische SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen führt ihre Partei als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl. Bei einem Parteitag in München wurde sie am Samstagnachmittag mit 94,8 Prozent gewählt. „Es ist mir eine große Ehre, voranzugehen“, bedankte sie sich und bat um Kampfgeist bis zum 14. Oktober. „Wir können eine Menge.“ Parteifreund Martin Burkert drückte ihr später Kraftnahrung in die Hand: Das Müsli „Kickstart Women“ mit viel Crunch.

„Es hilft uns, in Bayern eine Frau in die Spitzenposition zu bringen.“

Der Münchner OB Dieter Reiter

Kohnens Nominierung war keine Überraschung. Sie hatte keinen Gegenkandidaten. Der Parteivorstand hatte sich bereits im vergangenen November einstimmig für sie ausgesprochen. Der Münchner OB Dieter Reiter bezeichnete die 50-Jährige als die richtige Antwort auf politische Mitbewerber. „Es hilft uns, in Bayern eine Frau in die Spitzenposition zu bringen.“ Kohnen habe anderes Format als der CSU-Spitzenkandidat Markus Söder, der etwa beim Wohnungsbau nur „Feigenblattpolitik“ betreibe. Die Herausforderung, am 14. Oktober ein gutes Ergebnis einzufahren, sei aber groß. Wahlkämpferin Kohnen habe sich mit Bayern das „denkbar härteste Stück“ ausgesucht. Die SPD liegt in aktuellen Umfragen bei 14 Prozent, damit deutlich unter dem Landtagswahlergebnis von 2013, als 20,6 Prozent erzielt wurden.

Bauministerium für Bayern

Stehender Beifall und viele Gratulationen: Natascha Kohnen wurde von der SPD gefeiert. Foto: dpa
Stehender Beifall und viele Gratulationen: Natascha Kohnen wurde von der SPD gefeiert. Foto: dpa

Kohnen ist die erste weibliche Spitzenkandidatin der Bayern-SPD seit Renate Schmidt in den 1990er Jahren. In ihrer Bewerbungsrede vor den rund 300 Delegierten machte sie sich für ein eigenes bayerisches Bauministerium und die Gründung einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft stark. Das Thema Bauen dürfe nicht ein „Sidekick“ des Innenministeriums sein, sagte sie mit Verweis auf den großen Nachholbedarf. Im Top-30-Ranking der Städte mit den größten Wohnkostensteigerungen seien 26 bayerische Kommunen zu finden.

Natascha Kohnen

  • Kohnen ist Münchnerin

    Die SPD-Spitzenkandidatin ist in der Münchner-Maxvorstadt aufgewachsen, nicht weit von der heutigen Staatskanzlei, die sie erobern möchte.

  • Studium in Regensburg

    Die heute 50-Jährige hat in Regensburg studiert und hier ihren Abschluss als Diplom-Biologin gemacht.

  • Senkrechtstart in SPD

    Kohnen trat 2001 in die SPD ein, seit 2008 ist sie Landtagsabgeordnete, bereits 2009 wurde sie zur Generalsekretärin gewählt.

  • Seit 2017 Bundesvize

    In einer Ur-Wahl wurde sie 2017 zur Landesvorsitzenden bestimmt. Im gleichen Jahr rückte sie als Vize in den Bundesvorstand auf.

Der Freistaat müsse in den nächsten fünf Jahren pro Jahr 25 000 neue Wohnungen bauen, forderte Kohnen. „Es wird funktionieren, wenn wir alle Kräfte bündeln.“ Die Sozialbindungen von Wohnungen müssten zudem über den Zeitraum von 25 Jahren hinaus verlängert werden. „Wir müssen diese Wohnungskrise beenden“, sagte Kohnen. So wachse neues Vertrauen in die politische Handlungsfähigkeit des Staates.

In der Arbeitsmarktpolitik forderte Kohnen faire Löhne, gerade wenn der Freistaat als Arbeitgeber auftrete. „Schluss mit den befristeten Jobs im öffentlichen Dienst“, sagte sie unter großem Beifall. Es dürfe nicht sein, dass Lehrer noch im Juli darauf warteten, ob sie im September einen neuen Vertrag bekämen.

Die Digitalisierung stelle Politik wie Beschäftigte vor große Aufgaben. Das Land brauche „bildungswütige Arbeitnehmer“, sagte Kohnen. Maschinen könnten jedoch nie die Arbeit im Sozialbereich ersetzen. „Es kommt die Stunde der sozialen Berufe“, sagte sie und forderte flankierend eine gute und gerechte Bezahlung.

Kohnen will Kindergrundsicherung

Kohnen kritisierte soziale Schieflagen auch in Bayern. 245 000 Kinder seien von Armut bedroht. Im Freistaat werde Reichtum vererbt, es werde Bildung vererbt – aber eben auch Armut. „Das muss es nicht geben. Das kann man ändern.“ Kohnen forderte eine eigenständige Grundsicherung für Kinder, damit diese in jedem Fall am kulturellen und sozialen Leben teilnehmen können. Die SPD denkt dabei an 400 Euro pro Kind, die nicht auf Sozialhilfebezüge der Eltern angerechnet werden. Zudem soll der Kita-Besuch kostenfrei sein.

„Sie labert nicht herum und zeigt Lösungen auf.“

Der Weidener OB Kurt Seggewiß

Kohnen wurde beim Parteitag von ihrer Tochter Hannah (18) begleitet. Was sie an ihrer Mutter am meisten schätze? „Den Humor. Davon profitiere ich am meisten. Und ihre Ehrlichkeit“, sagte die Studentin. Die SPD-Landtagsabgeordnete Annette Karl – Spitzenkandidatin auf der SPD-Bezirksliste für die Oberpfalz – zollte Kohnen Respekt. „Sie repräsentiert eine bayerische Bevölkerung, die aufgeschlossen und weltoffen ist und sich den Sorgen und Problemen aller annimmt.“ Der Weidener SPD-Oberbürgermeister Kurt Seggewiß sprach von einer kraftvollen Bewerbungsrede. „Sie labert nicht herum und zeigt Lösungen auf. Die Menschen in unserem Land brauchen Sicherheit und dafür ist sie Gewährsträgerin.“

Sebastian Roloff, von 2007 bis 2014 Oberpfälzer Juso-Chef, appellierte an die anderen Oppositionsparteien, sich im Wahlkampf auf die CSU zu fokussieren. „Die Grünen und die anderen Parteien sollten sich überlegen, wie man die CSU stürzen kann und nicht auf Kosten der SPD profilieren.“ Die SPD müsse im Wahlkampf als Alternative zur CSU überzeugen. Eine Koalition mit der CSU in Bayern scheide aus, sagte Roloff.

Programmparteitag in Weiden

Das neue Gesicht für Bayern: Kohnen vor einem ihrer Wahlplakate. Foto: dpa
Das neue Gesicht für Bayern: Kohnen vor einem ihrer Wahlplakate. Foto: dpa

Spitzenkandidatin Kohnen bekräftigte in München, dass es keine Koalitionsaussage zugunsten der CSU geben werde. Es gehe jetzt um Themen und nicht um politische Farbenspiele. Als Wahlkampfmanager steht ihr in den nächsten rund sieben Monaten ein Oberpfälzer zur Seite: Der SPD-Generalsekretär und Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch. Die aktuell 14 Prozent in Umfragen entmutigen ihn nicht. „Das hat natürlich mit dem Bundestrend zu tun“, sagt er. „Das wirkt sich im Moment in allen Bundesländern aus.“ Man werde mit einem „optimalen Wahlkampf“ gegensteuern. Wie das aussehen wird, verriet er nicht. „Das beschließen wir auf dem Programmparteitag in Weiden im Juni.“ Die Wahlplakate sind schon im Werden. Erste Exemplare waren beim Nominierungsparteitag zu sehen: Kohnens Gesicht in der Frontalaufnahme – mit dem Slogan „Ein neues Gesicht für Bayern“.

Natascha Kohnen hatte im November ihre Bereitschaft zur Spitzenkandidatur erklärt – auch ein prominenter CSU-Mann zollte ihr damals Respekt. Details dazu lesen Sie hier!

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