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Festival

Kinokunst ohne roten Teppich

Die Hofer Filmtage glänzen mit dem Charme des Improvisierten. Auf die Stars warten Liegestühle statt Glamour.
Von Kathrin Zeilmann, dpa

  • Kinobesucher in Hof, am Eingang des Scala-Kinos: Die Hofer Filmtage zeigen bis 25. Oktober vor allem Debütfilme junger ambitionierter Regisseure. Foto: dpa
  • Besucher sitzen in Hof im Kinosaal des Scala-Kinos: bei den Hofer Filmtagen 2015. Foto: dpa
Ein Mann liegt auf einer aus Paletten gebauten „Couch“ in der Filmlocation „Weiße Wand“: bei den Hofer Filmtagen.
Ein Mann liegt auf einer aus Paletten gebauten „Couch“ in der Filmlocation „Weiße Wand“: bei den Hofer Filmtagen. Foto: dpa

Hof.Und plötzlich war auch Wim Wenders da und machte es sich in einem Liegestuhl bequem. So kann es bei den Hofer Filmtagen zugehen: Dass man Stars und Branchengrößen in der Fußgängerzone beim Bratwurstessen oder Kaffeetrinken trifft. Oder eben in der Location „Die Weiße Wand“, die Tobias Hornig und Martin Iwansky im Vorjahr in einem leerstehenden Laden erstmals eingerichtet haben. Auch diesmal haben sie wieder Räume gefunden, um ein paar Tage lang Video-Installationen und Kunstprojekte zu präsentieren – bei Kaffee, Bier oder Cola.

Die Liegestühle aus dem Vorjahr sind aber weitgehend verschwunden. Damals haben Hornig und Iwansky Filme an die Decke projiziert, was so gut ankam, dass Filmemacher Wenders und Festivalchef Heinz Badewitz auch ein wenig Entspannung im Liegestuhl suchten. Jetzt ist das Konzept ein anderes, „Die Weiße Wand“ gehört sogar zum offiziellen Festivalprogramm. Einen Teil der Retrospektive, die dem britischen Filmemacher Christopher Petit gewidmet ist, dürfen Hornig und Iwansky zeigen – es sind vor allem Videoinstallationen, die über die improvisierten Leinwände flimmern.

Lieblingsfilme an den Wänden

Die Hofer Filmtage zeigen bis 25. Oktober vor allem Debütfilme junger ambitionierter Regisseure.
Die Hofer Filmtage zeigen bis 25. Oktober vor allem Debütfilme junger ambitionierter Regisseure. Foto: dpa

Improvisation ist überhaupt das Motto des 33-Jährigen und des 32-Jährigen, die schon seit Grundschultagen befreundet sind: Das Mobiliar ist zusammengewürfelt: Sessel, Stühle, Tischdecken, eine Hängematte und Paletten bieten ein Ambiente, das man gut und gerne in einem hippen Café in Berlin vermuten könnte.

Hornig hat visuelle Kommunikation in Offenbach studiert, wo es eine Reihe von „temporären studentischen Projekten“ gegeben habe. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Hof wollte er so etwas auch verwirklichen – und die Filmtage waren der perfekte Anlass. Im Elektrotechnik-Ingenieur Iwansky fand er den Partner, der alle Ideen für filmische Installationen auch technisch umsetzen kann. In diesem Jahr haben Hornig und Iwansky die Hofer dazu aufgerufen, Videos zu drehen und darin ihren Lieblingsfilm zu beschreiben – auch diese Clips flimmern nun an jedem Festivalabend an den Wänden.

Die Reihe ist in Hof angekommen

Es gehört zur Tradition der Hofer Filmtage, dass ein roter Teppich fehlt, dass anreisende Stars nicht eigens gefeiert werden, sondern dafür im Kinosaal die Reaktionen des Publikums hautnah zu spüren bekommen. „Die Hofer Filmtage gelten zurecht als das Familientreffen der Branche“, sagt Hofs Oberbürgermeister Harald Fichtner (CSU). Gerade diese Bodenständigkeit ziehe die Filmschaffenden jedes Jahr wieder an.

Die Filmtage finden nicht nur hinter verschlossenen Kinotüren statt, sondern inmitten der Stadt. Es gebe dazu erfreulich viele Ideen der Bürger und der lokalen Wirtschaft, um das Festival „noch schöner, noch bunter und abwechslungsreicher“ zu machen, sagt Fichtner. „Die Filmtage sind kein in Hof gelandetes Ufo mehr, wie das vielleicht in den ersten Jahren der Fall war. Mittlerweile gehören die Filmtage längst zur Stadt und den hier lebenden Menschen.“

An den Ticketschaltern lange Schlangen

Das zeigte sich auch gleich zu Festivalbeginn: Vor dem Kartenschalter harrten einige besonders eingefleischte Filmfans bereits seit 5 Uhr in der Früh aus, um am Nachmittag beim Start des Ticketverkaufs noch die freie Auswahl zu haben. Die meisten von ihnen waren tatsächlich Einheimische.

Zu sehen in den Kinosälen bekommt man indes keine weichgespülte, massenpublikumstaugliche Kost: Debütfilme junger, ambitionierter Filmemacher gehören traditionell zum Programm, so dass Festivalchef Badewitz selbstbewusst sagen kann: „Wir machen die Stars von morgen.“

Im kommenden Jahr steht die Jubiläumsausgabe bevor - die 50. Hofer Filmtage. Nein, er plane dazu noch nicht, sagt Badewitz. Dafür habe er erst den Kopf frei, wenn am Sonntag das diesjährige Festival ende. Und auch die Teilzeit-Gastronomen der „Weißen Wand“ wissen nicht, ob sie dann wieder irgendwo in Hof öffnen. „Wir schauen mal. Wir entscheiden das lieber kurzfristig.“

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