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Glaube

Kirche auf der Suche nach ihrer Zukunft

Besser, offener, näher an den Menschen: Die katholische Kirche in Bayern will sich ändern. Was hält sie eigentlich davon ab?
Von Frederick Mersi

Jugendliche auf Straßenmusiktour – hier in Nürnberg. Zusammen mit einem Jugendreferenten sind sie sechs Tage in drei Städten – darunter Regensburg – zum Musizieren unterwegs. Foto: Daniel Karmann/dpa
Jugendliche auf Straßenmusiktour – hier in Nürnberg. Zusammen mit einem Jugendreferenten sind sie sechs Tage in drei Städten – darunter Regensburg – zum Musizieren unterwegs. Foto: Daniel Karmann/dpa

München.Sechs Tage sind die Jugendlichen in drei Städten unterwegs. Im Gepäck: jede Menge Instrumente. „Das ist auf jeden Fall ein Abenteuer“, sagt Stefan Strohmayer. Der 38-Jährige hat rund um Rosenheim zu einer Straßenmusiktour nach Regensburg, Würzburg und Nürnberg unter dem Hashtag #SummerRoadMovie eingeladen.

Veranstalter ist die katholische Jugendstelle, die zum Erzbischöflichen Jugendamt München-Freising gehört. Viele der Jugendlichen hätten mit der Kirche bisher wenig zu tun gehabt, sagt Strohmayer. Doch die Straßenmusik-Gruppenfahrt sei für sie interessant.

Näher an den Menschen, offen und attraktiv: Das will die katholische Kirche in Bayern nicht erst seit der Veröffentlichung der jüngsten Mitgliederzahlen sein. Der enorme Schwund gab den Rufen nach Veränderung neuen Nachdruck: Doch was hindert die Kirche vor Ort daran, sich zu ändern?

Auf der einen Seite steht das Kirchenrecht. „Dass unser Erzbischof den Zölibat einfach außer Kraft setzt, ist eine utopische Hoffnung“, sagt Wolfgang Bischof. Er ist als Weihbischof im Erzbistum München und Freising für die Weiterentwicklung des seelsorgerlichen Profils zuständig.

Das Personal wird knapp

Entscheidungen über die Ehelosigkeit für katholische Pfarrer oder die Priesterweihe für Frauen würden – wenn überhaupt – auf weltkirchlicher Ebene getroffen. Im Bistum könne man aber Freiräume nutzen, um Frauen und Männern ohne Weihe Aufgaben in der Gemeindeleitung zu übertragen. In einigen Gemeinden wird das praktiziert.

Die neuen Leitungsmodelle sind aber auch das Resultat eines zweiten Problems: Der Kirche gehen die Pfarrer und hauptamtlichen Mitarbeiter aus. Das Erzbistum München-Freising rechnet bis 2030 mit einem Personalschwund von 30 Prozent. Das Erzbistum Bamberg reduziert die Zahl der Seelsorgebereiche schon zum 1. September hin von aktuell 95 auf 35, um dem Priestermangel gerecht zu werden.

Kirchenaustritte

  • Frage:

    Der Generalvikar im katholischen Erzbistum München und Freising, Peter Beer, sagte bei der Bekanntgabe: „Wir müssen überlegen, warum wir zu so vielen Menschen den Kontakt verloren haben.“

Von einem „Umbau im laufenden Betrieb“ spricht Weihbischof Bischof. Mit Prozessen, die die katholische Kirche fit für Veränderung machen sollen, kennt er sich aus: Unter dem Titel „Dem Glauben Zukunft geben“ leitete er 2009/2010 einen Zukunftsprozess mit Tausenden Rückmeldungen, elf Gesprächsabenden und einem Abschlusspapier, das an Kardinal Reinhard Marx übergeben wurde. „Wir haben dabei viel gelernt und sind am Ende doch sehr stark bei den Strukturen hängengeblieben“, sagt Bischof heute.

Momentan ist der 58-Jährige mit der Gestaltung der mittleren Leitungsebene, der Dekanate, beschäftigt. Parallel soll er Leitlinien weiterentwickeln, wie die katholische Kirche Menschen vor Ort besser erreichen kann.

Eine neue Grundlage

Als Positiv-Beispiele nennt Bischof die Casa Don Bosco, eine katholische Einrichtung mit Krippenplätzen, Kindergarten und Schülerhort im Münchner Stadtteil Haidhausen. Um passende Angebote zu entwickeln, nutzt das Erzbistum auch Daten aus Sozialraumstudien. Eine Frage stehe im Mittelpunkt, so Bischof: „Wie können wir den Menschen konkret in ihrem Leben dienen?“ Auf dieser Grundlage sind eine Jazz-Abendandacht, ein „Gottesdienst für postmoderne Menschen“ und eine „Lange Nacht“ zur Firmvorbereitung entstanden. Bisher ist das aber, was den Mitgliederschwund angeht, nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Viele Laienvertreter wünschen sich deshalb einen groß angelegten Strategieprozess, an dem Ehrenamtliche mehr beteiligt werden – und eine Antwort auf die Frage: Was ist die Zukunftsidee? Weihbischof Bischof ist da zurückhaltender. Nach den Erlebnissen mit „Dem Glauben Zukunft geben“ wolle er diesmal ohne Hochglanzdrucke, ohne Titel und ohne Frist arbeiten, sagt er.

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