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Forschung

Kleine Moleküle, große Wissenschaft

Nobelpreisträger Randy Schekman sprach an der Universität Regensburg – und kritisierte die kommerziellen Fachzeitschriften.
Von Louisa Knobloch, MZ

Nobelpreisträger Randy Schekman sprach an der Universität Regensburg über seine Forschung.
Nobelpreisträger Randy Schekman sprach an der Universität Regensburg über seine Forschung. Foto: Knobloch

Regensburg.In unserem Körper geht es zu wie auf dem Postamt: Zellen verpacken bestimmte Moleküle in kleine Bläschen – die Vesikel – und schicken sie so zum Zielort. Diese Transportprozesse in Zellen untersucht seit vielen Jahren Prof. Dr. Randy Schekman von der University of California, Berkeley. 2013 bekam der US-Forscher zusammen mit zwei Kollegen dafür den Nobelpreis für Medizin. Am Donnerstag berichtete Schekman vor rund 300 Zuhörern im voll besetzten Hörsaal H 37 der Universität Regensburg von zwei aktuellen Forschungsprojekten zur Absonderung von Proteinen und RNA aus menschlichen Zellkulturen.

Organisiert hatten den Gastvortrag Doktoranden der Graduiertenschule RIGeL (Regensburg International Graduate School of Life Sciences). In Regensburg war Schekman seit den 1980er Jahren mehrfach zu Gast. Im April 2005 war ihm die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Biologie und Vorklinische Medizin der Universität Regensburg verliehen worden – lange vor dem Nobelpreis, wie Dekan Prof. Dr. Thomas Dresselhaus gestern betonte.

Bereits in den 1980er Jahren hatte Randy Schekman die Universität Regensburg besucht.
Bereits in den 1980er Jahren hatte Randy Schekman die Universität Regensburg besucht. Foto: Archiv/ Prof. Widmar Tanner

Seinen Anteil am Nobel-Preisgeld – 400 000 US-Dollar – hat Schekman seiner Universität gespendet, um dort einen Stiftungslehrstuhl für Krebsforschung einzurichten. Benannt ist der „Esther and Wendy Schekman Chair in Basic Cancer Biology“ nach Schekmans Mutter und Schwester, die beide an Krebs gestorben waren. „Ich wollte mit gutem Beispiel vorangehen, weil ich es wichtig finde, in staatliche akademische Bildung zu investieren“, sagte Schekman im Imterview mit der MZ. In den USA gebe es einen Wettbewerb zwischen staatlichen und privaten Hochschulen, zu denen etwa Havard, Yale oder Princeton gehören. „Diese Institutionen haben viel Geld und ziehen durch die guten Bedingungen exzellente Wissenschaftler an.“ Die meisten Studenten in den USA würden aber staatliche Hochschulen besuchen. „Diese sollten auch die nötigen Ressourcen haben, um die besten Studenten und Wissenschaftler anzulocken“, so Schekman.

Kritik an hohen Studiengebühren in den USA

Ein großes Problem in den USA seien die hohen Studiengebühren. Zu seinen Studienzeiten seien diese noch deutlich niedriger gewesen, sagt Schekman. „Ich konnte den Sommer über arbeiten und genug verdienen, um das Studienjahr zu bezahlen.“ Das sei für heutige Studenten nicht möglich. Zwar gebe es Stipendienprogramme, aber gerade für Familien aus der Mittelklasse, die vielleicht sogar mehrere Kinder an der Universität haben, seien die Kosten enorm. „Absolventen haben oft jahrelang mit den Schulden zu kämpfen.“ Wie in Deutschland gar keine Studiengebühren zu verlangen, sei aber auch der falsche Weg, findet Schekman. „Wenn das Studium komplett kostenlos ist, schätzt man es möglicherweise nicht so wert.“ Die Gebühren sollten aber erschwinglich sein und niemanden vom Studium abhalten, so der Forscher.

Nobelpreisträger Randy Schekman mit den Regensburger Doktoranden Sandra Bertrand, Nathalie Nida Moske, Rohit Menon und Sam Ringel
Nobelpreisträger Randy Schekman mit den Regensburger Doktoranden Sandra Bertrand, Nathalie Nida Moske, Rohit Menon und Sam Ringel Foto: Knobloch

Studenten, die mit einer Promotion beginnen, rät der Forscher, sich gänzlich auf ihre Forschung zu konzentrieren und nicht so viel Zeit darauf zu verwenden, sich um die Zukunft zu sorgen. Junge Wissenschaftler hätten heute deutlich mehr Karrieremöglichkeiten, nicht nur im akademischen Bereich, sagt Schekman. Viele seiner Studenten oder Postdoktoranden würden später in Biotechnologie-Firmen arbeiten. Auch im Patentrecht, in der Politikberatung oder im Wissenschaftsjorunalismus gebe es Optionen.

Arbeit als Forscher: Faszinierend – und oft frustrierend

Was für ihn das Faszinierende an Forschung ist? „Man hat ein Fragestellung, die man gedanklich aus verschiedenen Richtungen betrachtet – etwa wie ein bestimmter molekularer Prozess funktioniert. Dann denkt man sich ein Experiment aus, um seine Idee zu überprüfen, führt das Experiment durch und erfährt schließlich etwas darüber, wie dieser Prozess tatsächlich funktioniert. Das finde ich spannend“, sagt Schekman. Allerdings könne die Arbeit auch ganz schön frustrierend sein, denn oft würden die Experimente zunächst nicht funktionieren. An die Nachwuchswissenschaftler gerichtet, fügt er hinzu: „Man muss immer im Kopf behalten, dass man ein wertvolles Ziel hat und dass man immer auf dieses Ziel hinarbeitet – dann kann man die tägliche Frustration einfach als kurzzeitigen Rückschlag sehen.“

Als Dankeschön bekam Randy Schekman ein T-Shirt mit Logo der Uni Regensburg überreicht.
Als Dankeschön bekam Randy Schekman ein T-Shirt mit Logo der Uni Regensburg überreicht. Foto: Knobloch

Am Ende seines Vortrags in Regensburg kritisierte Schekman den „exklusiven Club“ der kommerziellen wissenschaftlichen Fachzeitschriften wie „Science“, „Nature“ und „Cell“ und ihre Fixierung auf den Journal Impact Factor, den er als „künstliche Zahl“ bezeichnete. Der Impact Factor sei nie als Maßeinheit zur Beurteilung wissenschaftlicher Qualität gedacht gewesen. „Wir müssen diesen Blödsinn hinter uns lassen und andere Methoden entwickeln, um die schöpferische Leistung zu messen“, forderte Schekman. Der Forscher ist Chefredakteur des Open-Access-Journals „eLife“, das seit 2012 vom Howard Hughes Medical Institute, der Max Planck Gesellschaft und dem Wellcome herausgegeben wird.

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