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Kunst

Knatsch um das Erbe von Fritz Koenig

Landshut erinnert in zwei Ausstellungen an den Bildhauer. Kritiker vermissen ein Konzept. Ein Kleinkrieg tobt.
Von Ute Wessels, dpa

Die Skulptur „Großes Bouquet III“ von Fritz Koenig vor dem Skulpturenmuseum im Hofberg Foto: Armin Weigel/dpa
Die Skulptur „Großes Bouquet III“ von Fritz Koenig vor dem Skulpturenmuseum im Hofberg Foto: Armin Weigel/dpa

Landshut.Eineinhalb Jahre nach dem Tod von Weltkünstler Fritz Koenig ehrt Landshut den Bildhauer mit zwei Ausstellungen. Im Hintergrund brodelt derweil ein wenig ehrenvoller Streit um den Umgang mit Koenigs Nachlass.

Das Skulpturenmuseum im Hofberg in Landshut hat Fritz Koenig nach seinen eigenen Vorstellungen errichten lassen. Hier waren seit 1998 Werke von Koenig zu sehen. 20 Jahre später – und zugleich 25 Jahre nach der Gründung der „Stiftung Maria und Fritz Koenig“ – wird am Samstag die Ausstellung „Koenig² - Dialoge im Labyrinth“ eröffnet. Sie soll eine Neuentdeckung des Koenig’schen Werkes möglich machen, sagt Franz Niehoff, Direktor der Städtischen Museen. Viele Exponate seien lange nicht zu sehen gewesen.

Nur ein „buntes Allerlei“

Neuentdeckung deshalb, weil zuletzt zehn Jahre – auf Koenigs’ Wunsch – die gleiche Schau im Skulpturenmuseum zu sehen war, erklärt Niehoff. Die neue Ausstellung gleiche einem Streifzug durch Koenigs’ vielfältiges Schaffen und spiegle Themen, die den Bildhauer zeit seines Lebens beschäftigten: Pferde, Afrika oder der Dialog von Kopf und Hand. Bereits seit März ist zudem in der Heiliggeistkirche eine Ausstellung zu sehen. Kritiker sehen in den Ausstellungen jedoch keine Würdigung, sondern vielmehr eine Herabsetzung Koenigs. Von einem bunten Allerlei ohne Konzept ist die Rede. Im Zentrum des seit Monaten gärenden Streits stehen Museumsdirektor Niehoff und die Leiterin des Skulpturenmuseums, Stefanje Weinmayr. Zwischen der Kunsthistorikerin auf der einen und der Stadt Landshut auf der anderen Seite läuft eine juristische Auseinandersetzung um Weinmayrs Stelle. Dazu wollen sich weder Niehoff noch Weinmayr äußern.

Kunst von Weltrang

  • Die Kugelkaryatide:

    Mit Fritz Koenig lebte bei Landshut ein Künstler von internationalem Rang. Seine Kugelkaryatide stand 40 Jahre lang zwischen den Wolkenkratzern des World Trade Centers in New York. Als die Türme am 11. September 2001 in sich zusammenbrachen, wurde das Kunstwerk schwer beschädigt aus den Trümmern geborgen – und ein halbes Jahr später wieder in Manhattan aufgestellt.

  • Fritz Koenig

    ist im Februar 2017 in Altdorf bei Landshut im Alter von 92 Jahren gestorben. Seine Kunst findet sich im Park von Schloss Bellevue in Berlin und vor der deutschen Botschaft in Madrid. Nach dem Olympia-Terroranschlag von 1972 fertigte er einen Granit-Klagebalken für das Münchner Olympiagelände. Ein Mahnmal erschuf er auch für das ehemalige KZ Mauthausen.

Nach dem Tod Koenigs war das bis dato selbstständige Skulpturenmuseum von Oberbürgermeister Andreas Putz (FDP) in die Museen der Stadt eingegliedert worden. Ein Schritt, den Koenig selbst nicht gewollt hätte, sind sich Kritiker einig. Denn Weinmayr, Kennerin des Koenig-Werks und Vertraute des Künstlers, ist damit Niehoff untergeordnet worden. Damit habe man Koenigs Wunsch missachtet, sagt Anja König, Vorsitzende des SPD-Stadtverbands: „Ob das die feine Art ist, mit seinem Vermächtnis umzugehen?“

Weinmayr wird nicht eingeladen

Niehoff nennt organisatorische Gründe, die die Zusammenlegung nötig gemacht hätten. So sollten Synergien erzeugt werden. Koenig selbst habe sich beispielsweise wenig für Besucherzahlen interessiert. Weinmayr, offiziell weiter Leiterin des Skulpturenmuseums, betreue neue Ausstellungen in Flossenbürg und Florenz, sagt Niehoff. Weiter will er sich zur Personalie nicht äußern. Weinmayr sagte auf Nachfrage, sie habe für die Eröffnung am Pfingstsamstag keine Einladung erhalten.

Von einem Kleinreden Koenigs könne keine Rede sein, sagt Niehoff. Die Schauen sollen dem Werk mehr Aufmerksamkeit verschaffen und die Debatte um die Zukunft von Koenigs einstigem Wohnsitz und Atelier in Altdorf bei Landshut bereichern. Dort könnte eine Art Dependance des Skulpturenmuseums entstehen. Doch das koste Geld. Hier sieht Niehoff auch den Freistaat in der Pflicht, schließlich sei Koenig ein „Staatskünstler Bayerns“.

Niehoff sagt, man müsse Koenig auf dem Level, das er verdiene, in der internationalen Museumsszene positionieren. Die Schau in den Uffizien in Florenz (Eröffnung: Juni) sei ein Schritt auf diesem Weg. Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz bezeichnet die Retrospektive als ideale Bühne, um Koenigs Werk einem internationalen Publikum zu präsentieren. Das sei nicht nur die Würdigung für einen der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts, sondern auch eine Ehre und eine Chance für Landshut und das Skulpturenmuseum.

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