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Kolumne: Spechte auf Baustelle

Unser Autor Heinz Klein mit einem weiteren Teil der Kolumne. Diesmal blickt ein Baustellenspecht in Gruben.
Von Heinz Klein

Die Häuser werden kleiner, die Doppelgaragen größer. Ein Baustellenspecht macht sich so seine Gedanken über den Sinn von Kellern.Foto: Armin Weigel/dpa
Die Häuser werden kleiner, die Doppelgaragen größer. Ein Baustellenspecht macht sich so seine Gedanken über den Sinn von Kellern.Foto: Armin Weigel/dpa

Regensburg.Mitten im Neubaugebiet: Sie baggern. In jeder zweiten oder dritten Parzelle ein Bagger. Komatsu 180. Sie baggern sich immer tiefer in ihre Baugruben. Wie Maulwürfe. Der Maulwurfhaufen neben dem Loch wird immer höher und die Bagger werden immer kleiner.

Bald werden sie verschwunden sein. Wie sie wohl wieder rauskommen aus ihrer Grube? Hat es das schon gegeben: Ein Haus, in dessen Keller ein richtig großer Bagger steht? Weil er nicht mehr rausgekommen ist. Und dann hat man das Haus einfach über den Bagger gebaut. Nein, es gibt keine Bagger in Häusern. Wenn, dann nur kleine. Von Matchbox. Im Regal.

„Ich schaue in die Rohbauten“

Ich schaue in die Rohbauten und dabei fällt mir der zweieinhalbtausend Jahre alte Satz von Laotse ein: „Türen und Fenster höhlen die Wände. Wo nichts ist, liegt der Nutzen des Hauses.“ Richtig. Häuser müssen innen hohl sein. Auch wenn es heißt, es wären Massivhäuser. Da, wo nichts ist, wohnt man. Man nennt es umbauten Raum. Ganz schön teuer, 5000 oder gar 6000 Euro pro Quadratmeter Nichts in Regensburger Neubauten.

Die teuersten Räume in einem Haus sind aber die Keller. Auch ohne Bagger drin. Dabei wohnt man da nicht mal. In den Kellern wohnen Bier- und Limokästen, Kartoffeln, Skier und vielleicht eine Kellerassel mit ihrer Frau.

Ob man das mit den Kellern mal überdenken sollte? So viel Geld für Bierkästen, Kartoffel und Skier. Skifahren ist schon im Winter so teuer. Und dann erst im Sommer – wegen dem Keller als Skiaufenthaltsraum. Es gibt Leute, die lassen den Keller einfach weg. Wahrscheinlich fahren sie mit dem gesparten Geld dann Sommerski.

Im Neubaugebiet patrouillieren täglich Baustellenspechte. Sie spechten herum, verfolgen penibel alle Baufortschritte und würden als Bauherr natürlich fast alles anders machen. Meist sind es Rentner. Oft mit Hund. Der Hund gibt ihnen die Berechtigung ihres Hierseins, denn sie müssen Gassigehen. Die Baustellenspechte diskutieren miteinander, was man anders machen müsste. Ihre Hunde pinkeln währenddessen gegen den Kran.

Den Kran kränkt das nicht

Doch den Kran kränkt das nicht.

Manchmal schütteln die Baustellenspechte die Köpfe und wundern sich über die Häuser. Weil die Grundstückspreise so hoch sind und das Bauen so teuer ist, werden die Häuser immer kleiner. Aber die Doppelgarage bleibt. Doppelgaragen können leider nicht kleiner werden, weil die Autos immer größer werden. Das führt bisweilen schon dazu, dass Doppelgaragen größer sind, als die dazugehörigen Häuser. Lieber schöner parken als schöner wohnen, könnte man meinen.

Man könnte, so sagte mir unlängst ein Baustellenspecht, die Doppelgarage doch noch ein bisschen größer machen, damit man auch die Skier reinstellen könnte. Dann bräuchte es den Keller nicht, wenn man das Bier in den Kühlschrank stellt, was ohnehin sinnvoll ist, und keine Kartoffeln mehr isst.

Doch einer ist ja immer der Gelackmeierte. In diesem Fall wäre es die Kellerassel. Die müsste dann umsatteln. Zur Garagenassel. Sie würde Öltröpfchen trinken und von Reifenabrieb leben. Und immer sonntags würde sie ihre Frau zu einer Ausfahrt einladen, ins Auto steigen und mitfahren.

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