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Konzerne unterzeichnen Charta für mehr Cybersicherheit

Cyberattacken können massive Schäden anrichten und auch Menschenleben in Gefahr bringen. Anlässlich der Sicherheitskonferenz in München tun sich jetzt große Konzerne zusammen. Ihr Ziel: Die digitale Welt sicherer machen.

Ein Vorhängeschloss als Symbol für Sicherheit. Foto: Lino Mirgeler/Archiv
Ein Vorhängeschloss als Symbol für Sicherheit. Foto: Lino Mirgeler/Archiv

München.Mit gemeinsamen Regeln und Standards für mehr Cybersicherheit will die Industrie den digitalen Wandel vorantreiben. Auf Initiative des Elektrokonzerns Siemens haben sich deshalb neun Partner auf eine gemeinsame Charta verständigt, die am Freitagabend am Rande der Sicherheitskonferenz in München unterzeichnet werden sollte. Neben Siemens gehören dazu der Flugzeugbauer und Rüstungskonzern Airbus, der Versicherer Allianz, der Autohersteller Daimler, der Software-Riese IBM, der Halbleiterhersteller NXP, der Prüfkonzern SGS sowie die Deutsche Telekom. Auch die Sicherheitskonferenz selbst ist einer der Partner.

Die Charta umfasst zehn Handlungsfelder, in denen die Politik und Wirtschaft aus Sicht der Partner aktiv werden müssen - darunter eine Zertifizierung für kritische Infrastrukturen im Internet der Dinge. Im Fokus stehen dabei Technologien, bei denen es zu gefährlichen Situationen im Falle von Cyberangriffen kommen kann wie das autonome Fahren oder die Zusammenarbeit von Robotern mit Menschen in der Industrie. Mit der Charta soll auch erreicht werden, dass Sicherheits- und Datenschutzfunktionen schon „als Werkseinstellung“ in neuen Technologien und Produkten enthalten sind, und dass die Cybersicherheit zum Bestandteil von Freihandelsabkommen wird.

Cybersicherheit sei ein wesentlicher Bestandteil moderner Sicherheitspolitik, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser der Deutschen Presse-Agentur anlässlich des Beginns der Sicherheitskonferenz. Denn Konflikte würden schon heute nicht mehr ausschließlich durch zwei sich gegenüberstehende Armeen ausgetragen, sondern häufig auch über virtuelle Attacken auf einzelne Institutionen, Unternehmen oder ganze Volkswirtschaften. Deshalb mache es Sinn, auch in der Wirtschaft die Kräfte zu bündeln und gemeinsam zu agieren. „Damit schafft man ganz andere, auch ökonomische Voraussetzungen, sich gegen diese Bedrohungen zu wehren.“ Es gebe bereits zahlreiche weitere Partner, die der Initiative beitreten wollten.

In der Charta wird auch die Verankerung von Cybersicherheit auf höchster Regierungs- und Unternehmensebene gefordert, etwa über die Schaffung eigener Ministerien. Unterstützt wird das Papier auch von Chrystia Freeland, der Außenministerin Kanadas und Stellvertreterin für die G7, sowie von der EU-Kommissarin für Binnenmarkt, Industrie und Unternehmertum, Elzbieta Bienkowska.

In Deutschland allerdings ist im neuen Koalitionsvertrag der großen Koalition entgegen der Forderung auch verschiedener Wirtschaftsverbände kein eigenes Digitalministerium vorgesehen. Für Kaeser aber ist eher entscheidend, dass es mittlerweile ein klares Bewusstsein für den Stellenwert des Themas und die potenziellen verheerenden Schäden gebe. Die Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) beziffert diese allein für das Jahr 2016 auf rund 560 Milliarden Euro. Mit der wachsenden Zahl vernetzter Geräte dürften diese Bedrohungen noch deutlich steigen: Nach Schätzungen des IT-Marktforschungsunternehmens Gartner wird die Zahl vernetzter Geräte von weltweit 8,4 Milliarden im vergangenen Jahr auf gut 20 Milliarden im Jahr 2020 steigen.

Für Deutschland mahnte Kaeser zugleich einen rascheren Ausbau der Mobilfunk-Infrastruktur an. Die Abdeckung im Vergleich zu anderen Industrieländern sei spürbar schlechter, sagte der Siemens-Chef. Beim weiteren Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur gelte es, Prioritäten zu setzen, und etwa Notfallsysteme und Unternehmen vorrangig mit dem schnellsten Mobilfunkstandard zu versorgen.

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