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Religion

Kreuz-Debatte: Kardinal Marx äußert sich

Nach dem Kabinettsbeschluss wehte Markus Söder ein rauer Wind entgegen. Jetzt nimmt auch der Erzbischof Stellung.

Markus Söder brachte den Beschluss auf den Weg. Foto: Peter Kneffel/Archiv

München.Im Streit um Kreuze in bayerischen Landesbehörden gibt es weiter Kritik am Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Auch der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx schaltete sich am Wochenende in die Debatte ein. Durch den Erlass der Staatsregierung seien „Spaltung, Unruhe, Gegeneinander“ entstanden, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden.“ Eine bundesweite Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die „Bild am Sonntag“ ergab, dass fast zwei Drittel der Bundesbürger (64 Prozent) eine Anordnung zum Aufhängen vom Kreuzen in Dienstgebäuden ablehnen, dafür sind lediglich 29 Prozent. Auch unter Katholiken und Protestanten überwiegt Ablehnung. Bei Katholiken beträgt sie 48 Prozent, bei Protestanten 62 Prozent. Befragte anderer Konfessionen und Konfessionslose lehnen Kreuze in Behörden mit großer Mehrheit ab. 87 Prozent waren dagegen, 12 Prozent stimmten zu.

Auf Initiative Söders hatte das bayerische Kabinett vergangenen Dienstag beschlossen, dass in allen Behördengebäuden unter der Verwaltung des Freistaats im Eingang ein Kreuz angebracht werden soll. Für ihn sei das Kreuz „in erster Linie ein religiöses Symbol“, es gehöre „aber auch zu den Grundfesten des Staates“, sagte Söder. Es habe eine „identitätsstiftende, prägende Wirkung für unsere Gesellschaft“. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) verwies am Wochenende darauf, dass schon jetzt in fast allen staatlichen Gebäuden im Freistaat Kreuze zu finden seien. „Im Landtag an ganz exponierter Stelle. Ich gehe davon aus, dass das Kreuz dort auch nie in Frage gestellt wird.“ Sie wünschte sich statt eines Schlagabtauschs über den Kabinettsschluss eine grundsätzliche Debatte darüber, „wo wir stehen, was unsere Gesellschaft ausmacht und was die Prägung Bayerns ausmacht“.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hatte Söder eine „Profanisierung“ des christlichen Symbols vorgeworfen. Söder habe das Kreuz zu einem Symbol der Kultur des Staates erklärt und damit von seiner christlichen Bedeutung getrennt, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Der ehemalige Bundestagspräsident und SPD-Politiker Wolfgang Thierse sagte im Inforadio des rbb, das Kreuz als zentrales Symbol christlichen Glaubens dürfe nicht Gegenstand staatlicher Verordnung werden. Er verstehe zwar, dass Söder das Kreuz als Zeichen der Identität sehen wolle. Dies rechtfertige aber nicht, es in den Zusammenhang eines Wahlkampfes zu rücken. Die Vizepräsidentin des Bundestages, Claudia Roth (Grüne), reagierte mit scharfer Kritik. Söder instrumentalisiere nicht nur eine Religion, sondern grenze auch Millionen Menschen aus – „Muslime, Atheisten, Juden“, sagte Roth. (dpa/is)

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