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Tiere

Kritiker fordert Abschaffung von Zoos

Der Tierschützer Frank Albrecht provoziert mit seinen Vorträgen. Er sagt: Mit dem Geld der Zoos könnte man mehr Arten retten.

Gorilla-Baby Tambo knabbert im Zoo in Krefeld an etwas Grünzeug. Geht es nach dem bekannten Tierrechtler Frank Albrecht, wird es solche Bilder künftig nicht mehr geben.
Gorilla-Baby Tambo knabbert im Zoo in Krefeld an etwas Grünzeug. Geht es nach dem bekannten Tierrechtler Frank Albrecht, wird es solche Bilder künftig nicht mehr geben. Foto: dpa

Nürnberg.Artenrettung statt Tiergarten: Der Zoo-Kritiker Frank Albrecht fordert, das Geld, das für Zoos ausgegeben wird, in die Rettung von bedrohten Tierarten zu stecken. „Zoos haben innerhalb der letzten 150 Jahre weniger Arten gerettet, als am heutigen Tag aussterben“, sagte Albrecht am Freitag in Nürnberg. Mehrere tausend Tierarten seien weltweit in Gefahr; dank der Zoos überlebt hätten bislang jedoch nur rund 50 bedrohte Arten. Als Beispiel nannte der 46-Jährige das neue Nashornhaus für vier Tiere des Zoos Magdeburg, das 3,5 Millionen Euro gekostet habe. „Damit hätte man bis zu 3000 Nashörner in freier Wildbahn retten können.“

Der Tierrechtler Frank Albrecht (r) und ein anderer Aktivist der Tierschutzorganisation PETA demonstrierten im April 2008 über dem Eisbär-Gehege im Tiergarten in Nürnberg gegen den ersten Medien-Auftritt der jungen Eisbärin Flocke.
Der Tierrechtler Frank Albrecht (r) und ein anderer Aktivist der Tierschutzorganisation PETA demonstrierten im April 2008 über dem Eisbär-Gehege im Tiergarten in Nürnberg gegen den ersten Medien-Auftritt der jungen Eisbärin Flocke. Foto: dpa

Früher bei Peta aktiv

Albrecht war mehrere Jahr für die Tierschutzorganisation Peta aktiv. 2008 sagte er sich von den Aktivisten los und gründete den Verein Endzoo. Überregional bekannt wurde er durch seine Kritik an der Handaufzucht von Eisbär-Baby Knut im Berliner Tiergarten.

Er hält Zoos für moralisch nicht vertretbar und fordert daher ihre Abschaffung. Der 46-Jährige bezweifelt, dass die Tiergärten in der Lage sind, Menschen auf die Probleme mancher Tierarten aufmerksam zu machen: „Die Leute schauen lieber süße Fotos und Videos von Eisbär-Babys an, als sich über den Klimawandel zu informieren.“

Zoos sollen Einsicht in Zuchtbücher geben

Der Tierschützer fordert zudem, dass die Zoos die Veränderungen in ihren Tierbeständen auf ihren Internetseiten veröffentlichen. Nur durch die Einsicht in die sogenannten Zuchtbücher und Tierarzt-Berichte lasse sich nachvollziehen, woran die Tiere sterben und wie lange sie leben. Anhand von Gorillas und Eisbären könne er belegen, dass sogenannte Wildfänge im Zoo länger leben als in Gefangenschaft geborene Tiere. „Die Natur hat die Tiere widerstandsfähiger gemacht. Im Zoo überleben dagegen auch schwächere Tiere.“ Seine These: Durch die Zucht mit genetisch schwächeren Tieren schafften sich die Zoos langfristig selbst ab, wenn sie auf Wildfänge verzichten.

Nicht abstreiten will Albrecht, dass die Tierhaltung in Zoos für die Forschung auch Nutzen bringen kann. „Doch Tiere zeigen in Gefangenschaft ein ganz anderes Verhalten als in freier Wildbahn. Studienergebnisse werden dadurch verfälscht.“ Er könne verstehen, dass Zoos als Wirtschaftsunternehmen gezielt niedliche Tiere wie Eisbär-Babys für ihre Werbung einsetzen. „Doch die Zoos mutieren immer mehr zum Disney-Land“, sagt Albrecht. Sie vermittelten kein authentisches Bild des natürlichen Verhaltens der Tiere. (dpa)

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