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Nachruf

Krones-Gründer gestorben

Industrie-Pionier, erfolgreicher Unternehmer und angesehene Persönlichkeit: Hermann Kronseder starb am Freitag im Alter von 85 Jahren.
Von Alexandra Nurtschund Roman Hiendlmaier, mz

Neutraubling. Hermann Kronseder, Gründer und Seniorchef des Verpackungsunternehmens Krones AG, ist tot. Wie die Unternehmenssprecherin Danuta Kessler-Zieroth am Samstag bestätigte, verstarb Kronseder bereits am Freitag. Er wurde 85 Jahre alt.

„Echte Unternehmer sind Künstler, die sich die Kreativität und Neugier eines Sechsjährigen erhalten haben.“ Besser als mit dem Zitat von Swatch-Gründer Nicolas Hayek kann man Dr.-Ing. E.h. Hermann Kronseder nicht beschreiben. Mit dem Gründer und langjährigem Vorstandsvorsitzenden der Krones AG starb am vergangenen Freitag der erfolgreichste Unternehmer nach dem Zweiten Weltkrieg und eine der angesehensten Persönlichkeiten in Ostbayern.

Sein Lebenswerk ist dabei die klassische Erfolgsgeschichte „aus einfachsten Verhältnissen zum Konzernchef“, die landläufig als „Amerikanischer Traum“ beschrieben ist. Es war nicht der Wunsch, einmal in einem repräsentativen Büro über tausende von Mitarbeitern zu herrschen, der Kronseder antrieb, als der gelernte Flugzeugmechaniker 1951 sein Unternehmen gründete. Entsprechend leitete er den Konzern auch nicht „von oben herab“, als die Zahl der Mitarbeiter drei- und vierstellige Dimensionen annahm – im Gegenteil.

Energisch, eifrig, sozial

Unprätentiös, nahe an den Mitarbeitern, ein Vorbild fachlich wie menschlich, sagen die über ihn, die mit ihm arbeiteten. Erich Seidl etwa, der 33 Jahre lang Betriebsratsvorsitzender bei Krones war, erinnert sich an einen Menschen, der seine Vorstellungen durchsetzen wollte, aber jederzeit ehrlich und korrekt war. „Was ich ihm heute noch hoch anrechne, war seine soziale Einstellung den Mitarbeitern gegenüber“, sagt der 75-Jährige.

Hermann Kronseder war nicht nur der anerkannte Chef seines Unternehmens, er war auch das Leitbild für eine Generation von Erwerbstätigen. Was das Charisma des Seniors ausmachte, dazu hat jeder, der „beim Krones“ ist oder war, seine eigene Geschichte. Wie etwa Walter Hannig, der bei Krones Maschinenbauer lernte – teils Werkbank an Werkbank mit Volker Krons-eder – und danach mehr als 40 Jahre lang unter Vater und Sohn arbeitete. Ein ausgeprägtes oben und unten der Hierarchien habe es nie gegeben, erinnert er sich. „In der Werkhalle war man per Du und auch der Firmenchef im Umgang mit seinen Beschäftigen ein Mit-Arbeiter im positiven Sinne.“ Kronseder zeigte sich in den Werkhallen, kannte viele Mitarbeiter mit Namen, hörte sich deren Sorgen und Nöte an – eine Tugend, die später auch Volker Kronseder übernahm.

Was Kronseder mit seiner Umgebung einte, war die Liebe zur Heimat, zu den Menschen und zur Natur, was sich in einem außerordentlich hohen sozialen Engagement innerhalb, aber auch außerhalb der Werkstore äußerte. Kronseder war Förderer, Mäzen, und Wegbereiter für Entwicklungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich. Ob für Sport oder Soziales, ob für Naturschutz in der Region oder die Wasseraufbereitung in Entwicklungsländern – unter Hermann Kronseder wie unter Volker Kronseder zeigte sich der Konzern bei der Förderung von Projekten aller Art sehr aufgeschlossen.

Mehr als 600 Patente angemeldet

Einzigartig war das zweitälteste von 15Kindern der Familie Kronseder aus Gailsbach in der Gemeinde Hagelstadt (Kreis Regensburg) in seiner Begeisterung für Neuentwicklungen. Der gelernte Flugzeugmechaniker, Maschinenschlossermeister und Elektromeister nannte mehr als 600 Patente sein eigen.

Das Engagement, die Verbissenheit, mit der er an Konstruktionen feilte, war derart groß, dass er sich für seine Fähigkeiten rückblickend fast schon entschuldigte: „Diese Gabe wird einem in die Wiege gelegt, erlernen kann man sie nicht.“ Neben hohen Ehrungen wie dem Bundesverdienstkreuz 1.Klasse erhielt Kronseder die Diesel-Medaille in Gold des Deutschen Instituts für Erfindungswesen, die ihn in eine Reihe mit Wernher von Braun und Konrad Zuse stellte.

Kronseder sah es als Geschenk an, dass seine Leidenschaft auch sein Lebensunterhalt war. Entsprechend trennte er nicht zwischen Beruf und Hobby. „Ein Erfinder muss ein technischer Revolutionär sein“, sagte der Ehrendoktor der Technischen Universität München zu seinem 75. Geburtstag – um gleich hinzuzufügen, dass Patente allein nichts bewirken. Seine Erfindungen hätten zwar die Getränke- und Maschinenbranche revolutioniert, was jedoch auch und gerade an seinen Mitarbeitern gelegen habe.

Über Jahrzehnte hinweg war der Seniorchef seine eigene Entwicklungsabteilung, Mastermind eines Unternehmens, das heute mit 400 000 Quadratmetern Fläche neben BMW die Stadt Neutraubling dominiert und mit insgesamt mehr als 6300 Mitarbeitern in der Region Ostbayern mitverantwortlich für deren Wohlstand ist. Vom Joghurtdrink bis zum Spülmittel, von Afrika bis China kommen täglich hunderte Millionen Menschen mit Produkten in Berührung, die von Maschinen „Made in Neutraubling“ stammen. Aus dem kleinen „Handwerksbetrieb für Etikettiermaschinen“, gegründet vom 27-jährigen Sohn eines Dorfschmieds, ist ein Global Player mit aktuell rund zwei Milliarden Euro Umsatz geworden.

Kein Leben ohne Aufgaben

Bis zu seinem 72. Lebensjahr hat Hermann Kronseder diesen Konzern geleitet, ehe er ihn 1996 in die Hände seines ältesten Sohnes übergab. Was den rastlosen Tüftler jedoch auch nicht restlos glücklich machte: „Leider musste ich feststellen“, sagte er später in einem MZ-Interview, „dass es gerade für einen Erfinder das größte Problem ist, im Alter keine Aufgabe zu haben.“ Schon damals prophezeite er PET-Flaschen eine große Zukunft – auch bei der Abfüllung von Bier, was ihm nicht wenig Kritik einbrachte.

Nicht zuletzt behielt er auch dieses mal Recht, der Aufstieg der leichten Kunststoffflaschen als Verpackungsmittel bescherte Krones einen weiteren Aufschwung und der Senior konnte zu seinem 75. einen bescheidenen Geburtstagswunsch äußern: „Noch einige Jahre leben und gesund sterben, am besten am Konstruktionsbrett oder auf der Jagd!“

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