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Sprache

Kurse zum Dialekt-Abgewöhnen im Kommen

In Bolsterlang im Allgäu lernen Allgäuer Hochdeutsch. Nicht nur dort. Auch in weiteren Städten gibt es Hochdeutsch-Schmieden.
Von Isabella Hafner, dpa

Ariane Willikonsky (r) trainiert in der Allgäuer Sprachschule mit ihren Schülern, dem Mediengestalter Markus Zieris (l) und der Verkaufstrainerin Rita Katharina Biermeier (M), während eines Hochdeutschkurses das Sprechen mit rund geformten Mund. Auch in anderen Städten gibt es ebenfalls Hochdeutsch-Schmieden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bolsterlang.Auf dem Spitzenplatz der unbeliebtesten Dialekte landet regelmäßig Sächsisch, das haben in der Vergangenheit mehrfach Umfragen ergeben. Das Bayerische und der norddeutsche Zungenschlag rangieren hingegen dann meist auf der Hitliste der „sympathischsten Dialekte“ oben. Auch das Allgäuerische sei weit oben bei der Beliebtheit, meint Ariane Willikonsky, die in Bolsterlang bei Oberstdorf Einheimischen Hochdeutsch beibringt. „Viele verbinden mit Allgäuerisch Urlaub“, sagt sie. Aber: „Im Beruf kann die Wirkung ganz anders sein.“ Denn je hochdeutscher jemand spreche, desto mehr Kompetenz werde ihm zugetraut, betont die Expertin.

Die Allgäuer Sprachschule ist dabei kein Unikum. Auch in etlichen anderen Städten gibt es entsprechende Kurse, bei denen sich Schwaben, Württemberger oder Rheinländer ihren Dialekt abtrainieren können. Willikonsky selbst unterrichtet auch in Stuttgart bei einem Institut.

Allgäuern mangelt es an Klang und Deutlichkeit

Sie lebt gerne im Allgäu. Doch als Logopädin weiß sie auch: „Die Allgäuer öffnen ihren Kiefer zu wenig, das „R“ ist ihnen nach vorn gerutscht, es mangelt an Klang und Deutlichkeit. So wirken sie schwerer zugänglich und abgewandt, obwohl sie das nicht sind.“ Auch wenn sie Englisch oder Französisch sprechen, höre man den Dialekt durch und damit ein ländliches Image.

„Es mangelt an Klang und Deutlichkeit. So wirken sie schwerer zugänglich und abgewandt, obwohl sie das nicht sind.“

Ariane Willikonsky

„Eigentlich bräuchte man keine Hochdeutsch-Kurse“, sagt sie. „Aber immer mehr Menschen sind beruflich überregional tätig und wollen verstanden werden. Es ist erleichternd, wenn sie sich im Gespräch oder Vortrag nicht auf die Sprache konzentrieren müssen.“

Ein Düsseldorfer Sprachinstitut bietet ebenfalls unter dem Motto „So werden Sie Ihren Dialekt los und sprechen akzentfrei“ Seminare an. Die Rheinländer betonen: „Dabei geht es nicht darum, die eigene Herkunft und Heimat zu verleugnen. Regionale sprachliche Besonderheiten sind schützenswert und tragen zur Sprachvielfalt bei.“ Im Job sei es aber von Vorteil „dialektfreies Hochdeutsch tadellos zu beherrschen“. Und der Weg dahin sei nicht leicht: „Einen unliebsamen und hinderlichen Dialekt loszuwerden und akzentfrei zu sprechen ist allerdings nicht so einfach, wie es sich anhört.“

Trotzdem auf den Dialekt stolz

Ariane Willikonsky steht in der Allgäuer Sprachschule während eines Hochdeutschkurses vor einem Flipchart. Hier lernen Allgäuer Hochdeutsch. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Markus Zieris möchte aber genau dies erreichen. Daher hat der Allgäuer Mediengestalter einen Kurs in Bolsterlang absolviert. „Ich habe Kunden im Allgäu und in Hamburg zum Beispiel. Da wird sofort gefragt, wo ich herkomme und ob da alle so sprechen.“ Der 49-Jährige findet das zwar oft einen netten Gesprächseinstieg, denn auf seinen Dialekt ist er stolz, aber manchmal findet er: „Es lenkt von der Sache ab.“ Er will deshalb sein Hochdeutsch weniger mit seinem Allgäuer Slang mixen und übt sogar morgens und abends bei der Bestellung im Stamm-Café.

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Laut Willikonsky kann jeder Dialektsprecher Hochdeutsch lernen. Erstmal gehe es darum, welche Wörter er austauschen muss. „Grüß Gott“ wirke im Norden fromm, und dann gibt’s noch die „Viertel vor, Viertel nach und Dreiviertel“-Missverständnisse bei der Frage der Uhrzeit. Sie übt mit ihren Schülern Zungenbrecher und Vokale. „Das „A“ wird im Hochdeutschen offener gesprochen, im Allgäu ist es eher ein „O“.“

Die Trainerin will Dialekte nicht austreiben. „Das geht auch nicht, es ist wie Radfahren“, weiß sie. „Zwar spricht weniger Dialekt, wer eine Zeit lang nicht in der Heimat war. Aber kaum ruft jemand von dort an, wird umgeschaltet. Wir haben immer das Bedürfnis uns anzupassen.“

Dialektsprecher wirken sympathischer

Dialektsprecher wirkten zudem oft sympathischer, sagt sie und nennt die singenden Rheinländer und Badener. Die meisten Menschen hätten heute nur noch eine dialektale Färbung. Vor allem in Städten sprechen Kinder Hochdeutsch.

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Über ein mögliches Schulfach „Mundart“ wird daher immer wieder diskutiert. Wissenschaftlicher Konsens ist dabei, dass Dialektkinder, die auch Hochdeutsch beherrschen, sprachlich vergleichbar sind mit mehrsprachig aufwachsenden Kindern. In der Mundart gebe es auch einen größeren Wortschatz. Längst gibt es spezielle Unterrichtsmaterialien für die Dialektförderung, doch nach Angaben des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband ist es noch ein weiter Weg: „Dialekt genießt zwar breite Akzeptanz, wird jedoch an nur wenigen Schulen aktiv gefördert.“

Dialekt- haben gegenüber Hochdeutschsprechern dabei einen weiteren Vorteil, wie Willikonsky betont. Umgekehrt sei es fast unmöglich, einen Dialekt später zu lernen. „Das hört sich immer peinlich-bemüht an“, weiß die Expertin. Denn: „Es gibt zu viele Regeln.“

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