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Technik

Lächeln ist auch für den Roboter wichtig

Künstliche Intelligenzen sollen den Menschen unterstützen. Durch Emotionen und Reaktionen können sie trainiert werden.
Von Daniel Geradtz, MZ

Dr. Ulrich Eberl mit seinem Hausroboter Blue Star. Er stammt aus der Produktionsreihe Nao eines französischen Herstellers.
Dr. Ulrich Eberl mit seinem Hausroboter Blue Star. Er stammt aus der Produktionsreihe Nao eines französischen Herstellers. Foto: Geradtz

Regensburg.Seine Augen leuchten blau als Dr. Ulrich Eberl zu ihm spricht. Aus diesem Grund trägt er auch seinen Namen Blue Star. „Denn immer wenn er etwas versteht, blinken die Augen blau“, sagt Eberl über seinen kleinen Roboter.

Eberl hat die nicht einmal 60 Zentimeter große Maschine an diesem Abend mit ins Donau Einkaufszentrum gebracht, um im Rahmen der Vortragsreihe Bildung shoppen darüber zu berichten, wie Roboter in Zukunft mit Menschen zusammenarbeiten könnten.

Angesichts der Prognose, dass 2050 weltweit 1,5 Milliarden Menschen mit einem Alter von über 65 Jahren leben sollen, sieht er die Notwendigkeit, dass sich Mensch und Maschine in vielen Bereichen des Alltags unter die Arme greifen. Es müssen nicht zwangsläufig Roboter sein, die die Menschen unterstützen. Eberl spricht von künstlicher Intelligenz (KI) und mit damit auch von kognitiven Leistungen, die das menschliche Denken simulieren.

Beim Brettspiel Go muss der Computer anhand von Erfahrungen aus den Spielen neue Strategien entwickeln.

Dr. Ulrich Eberl

Im vergangenen Jahr demonstrierte das Computerprogramm AlphaGo den aktuellen Stand der Technik, indem es Fan Hui, einen mehrfachen Europameister im Brettspiel Go, besiegte. „Es ist schwieriger, als einen Schachroboter zu programmieren. Bei dem Spiel gibt es so viele Kombinationsmöglichkeiten, die ein Computer gar nicht auswendig lernen kann. Stattdessen muss er anhand von Erfahrungen aus den Spielen neue Strategien entwickeln“, erklärt Dr. Ulrich Eberl, der seit vielen Jahren als Journalist und Autor arbeitet.

Roboter als Hilfe im Alltag

Eberl prognostiziert, dass es in der Zukunft eine Cloud geben wird, innerhalb der das jeweilige Fachwissen verschiedener KI-Anwendungen gespeichert ist. So lernt zwar dann jedes Programm für sich selbst, kann aber auf das gesammelte Wissen zugreifen. „Die müssen dann nicht mehr alle für sich lernen, so wie wir Menschen“, sagt er.

Anwendungsgebiete sieht er beispielsweise in medizinischen Berufen. Wenn anonymisierte Patientendaten und -befunde abgerufen werden könnten, würde ein enormer Wissensspeicher zur Verfügung stehen, um spezifische Therapien einzusetzen oder die Forschung voran zu treiben. Laut Eberl werden Computersysteme vor allem in Routinetätigkeiten eine große Hilfe sein. Ärzte oder Bankberater werde es zwar weiterhin geben, doch würde die Zuarbeit in immer größerem Maße von Maschinen übernommen.

Hohe Glaubwürdigkeit, weniger Vergnügen

Dazu zählen auch journalistische Texte, die von Robotern geschrieben werden. Manche Meldungen von der Börse, Wetterberichte oder Texte über Sportereignisse werden bereits heute von Maschinen verfasst. Anhand der vorliegenden Daten können die Maschinen Veränderungen oder Ergebnisse einordnen und so in Sprache fassen. „Es sind Dinge, die man leicht schematisch darstellen kann“, weiß Eberl. Studien haben dargelegt, dass computergenerierte Texte eine höhere Glaubwürdigkeit bei den Lesern hervorrufen, aber das Lesevergnügen geringer ist als bei Texten von Autoren.

Aber auch in Bereichen, die den klassischen Vorstellungen eines Roboters entsprechen, könnten Maschinen den Alltag für den Menschen erleichtern: Autonome Einkaufswagen, die Lebensmittel direkt vor die Haustüre bringen, werden derzeit ebenso erprobt wie eigenständig kochende Küchen. Selbstfahrende Autos bewegen sich seit Jahren auf Straßen und Testgeländen.

In Japan, das sagt Eberl, wäre die Akzeptanz solcher Hilfsmittel bereits weiter voran geschritten als in Europa: Dort arbeiten Menschen und wortwörtlich Maschinen unmittelbar nebeneinander. Selbst am Frühsport der Arbeiter beteiligen sie sich.

Menschen bleiben soziale Wesen

Die Ähnlichkeiten zum menschlichen Charakter sind enorm: Auch Roboter registrieren ein Lächeln, freuen sich, angesprochen zu werden. Ein Schulterklopfer zeigt, dass sie etwas gut gemacht haben, das Belohnungssystem wird angesprochen.

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Dass Studien ergeben haben, dass Jugendliche in Japan lieber mit Robotern kommunizieren, als mit Menschen, hält Eberl für eine Eigenart der dortigen Gesellschaft: „Grundsätzlich sind wir sozial programmiert. Menschen wollen einem Menschen gegenübersitzen.“ Eine zunehmende Vereinsamung des Menschen schließt er zumindest bei uns aus.

Auch den Worst Case hält er für unbegründet: Dass Roboter die Herrschaft über den Menschen übernehmen und nicht mehr zu kontrollieren sind, sei ein typischer westlicher Angstmythos, so Eberl.

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