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Infrastruktur

Länderbahn: Zugausfälle bis Jahresende

Verkehrsminister Reichhart macht Druck und kündigt strikte Vorgaben bei künftigen Ausschreibungen von Bahnstrecken an.
Von Christine Schröpf

Der Engpass bei den Lokführern hält weiter an. Zugpassagiere der Länderbahn in der Oberpfalz brauchen weiter viel Geduld. Foto: Armin Weigel dpa/lby
Der Engpass bei den Lokführern hält weiter an. Zugpassagiere der Länderbahn in der Oberpfalz brauchen weiter viel Geduld. Foto: Armin Weigel dpa/lby

Bad Staffelstein.Die Oberpfälzer Kunden der Länderbahn werden über den 31. Oktober hinaus Geduld aufbringen müssen: Das Unternehmen rechnet damit, dass es wegen fehlender Lokführer und Zugbegleiter auf jeden Fall bis zum Jahresende in den Randzeiten am Morgen und am Abend zu Zugausfällen kommen wird. „Vielleicht nicht in der vollen Form. Aber wir rechnen nicht mit einer deutlichen Entspannung“, sagte Länderbahn-Pressesprecher Jörg Puchmüller am Dienstag. Die Ausbildungsoffensive, die die Länderbahn zum Beheben der Probleme gestartet habe, greife nur verzögert. „Ein Lokführer-Lehrgang wird bis zum Jahresende fertig. Das wird aber nicht ausreichen, die Lücken, die wir haben zu füllen.“ Man arbeite aber mit Hochdruck daran, dass der Fahrplan ab Januar möglichst regulär erfüllt wird. „Es sind über 70 Leute in der Fortbildung.“ Viele davon würden im ersten Halbjahr 2020 einsatzbereit sein.

Engpässe seit 15. Juli

Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart Foto: Peter Kneffel/dpa
Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart Foto: Peter Kneffel/dpa

Engpässe gelten bereits seit 15. Juli und betreffen mehrere Verbindungen der Oberpfalzbahn und des Alex. Zunächst sollten sie bis September behoben sein, dann wurde der 31. Oktober genannt. Beide Termine lassen sich nun nicht halten. Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart will keine weiteren Verzögerungen hinnehmen und macht Druck. Eine Fortsetzung der Zugausfälle, vielleicht sogar noch im nächsten Jahr, „ist nicht das was wir wollen“, sagte er gegenüber unserem Medienhaus. Die Länderbahn habe die geschlossenen Verträge einzuhalten. „Wir erwarten, dass dafür alle Maßnahmen getätigt werden.“ Er kündigt eine Abmahnung an, falls es im November nicht zu deutlichen Verbesserungen kommt. „Dann müssen wir uns auch über die Vertragskonditionen und die Vertragslaufzeiten unterhalten.“

„Es kommt nur noch zum Zug, wer sich verpflichtet, Lokführer auszubilden.“

Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart

Bei künftigen Ausschreibungen soll es deutliche Verschärfungen geben. „Es kommt nur noch zum Zug, wer sich verpflichtet, Lokführer auszubilden.“ Es sollen auch bereits klare Vertragsstrafen festgeschrieben werden. Warum die Personalsituation nicht schon bisher ausschlaggebendes Kriterium für Zuschläge gewesen sei, erklärt Reichhart mit der davor deutlich entspannteren Situation auf dem Arbeitsmarkt. Das habe sich inzwischen radikal geändert. „Der Lokführerberuf ist der größte Mangelberuf in Deutschland.“

Wie stark sind die Druckmittel?

Unklar ist, wie stark die Druckmittel der Politik aber tatsächlich sind. Um der Länderbahn Beine zu machen, müsste Bayern einen alternativen Anbieter zu Hand haben, der bessere Leistung liefern kann. Wie aus verschiedenen Kreisen zu hören ist, ist das Bewerberfeld - freundlich formuliert - eher überschaubar. Länderbahn-Pressesprecher Puchmüller kommentierte am Dienstag die geplanten strikten Vorgaben für eine ausreichend dicke Personaldecke bei künftigen Ausschreibungen. Beim Zuschlag für sein Unternehmen für die nun von Zugausfällen betroffenen Strecken sei noch alles im Lot gewesen. „Wir hatten genügend Personal eingeplant. Das Problem, das sich damals für uns noch nicht abgezeichnet hatte, ist die dramatische Entwicklung des Fachkräftemarkts im gesamten Bahnbereich. Das betrifft nicht nur uns, sondern auch andere Unternehmen in ganz Deutschland. Wenn wir alle Planstellen vom Arbeitsmarkt her besetzen könnten, hätten wir auch keine Probleme.“

Rückhalt von Söder

  • Karrierepläne:

    Verkehrsminister Hans Reichhart hatte diese Woche angekündigt, bei der Kommunalwahl 2020 in Günzburg als Landrat zu kandidieren. Aus der Opposition kamen wegen des zeitaufwendigem Wahlkampfs sofort Forderungen nach einem Rücktritt aus dem Kabinett. Von Ministerpräsident Markus Söder gab‘s nun aber am Rande der CSU-Klausur in Kloster Banz eine klare Jobgarantie.

  • Zwischentöne:

    Die Arbeitsleistung bayerischer Minister liege generell bei 120 Prozent, sagte Söder. Was Reichhart in der restlichen Zeit mache, sei seine eigene Sache. Kolportiert wird, dass bei Reichharts Kandidatur der Landtagsabgeordnete Alfred Sauter die Finger im Spiel hatte, um sich selbst und nicht Reichhart die Option auf ein Direktmandat bei der Landtagswahl 2023 offenzuhalten. Auch eine scherzhafte Äußerung Söders lässt sich so interpretieren. Reichhart müsse erst noch als Landratskandidat nominiert werden, „wobei ich davon ausgehe, dass der Alfred Sauter das schon gut vorbereitet hat (...) In Günburg gibt‘s keine Zufälle parteilich.“

Sanktionen für sein Unternehmen hält er für den falschen Weg. „Es ist ja nicht so, dass uns das Ganze nicht schon genug weh tut. Wir müssen hier aufpassen, dass wir für Ursachen, für die wir nichts können, nicht auch noch zusätzlich bestraft werden.“ Sein Unternehmen tue alles, um die Situation in den Griff zu bekommen. Er verweist auf „millionenschwere“ Investitionen zum Beispiel in die Ausbildung der Lokführer, die pro Person mit 25 000 bis 30 000 Euro zu Buche schlagen. „Ich denke nicht, dass zusätzliche Strafen hier etwas an den Rahmenbedingungen verändern würden.“ Die aktuellen Zugausfälle hätten bereits finanzielle Konsequenzen. „Züge, die wir nicht fahren, werden nicht bezahlt.“ Die Länderbahn organisiere und bezahle den Bus-Ersatzverkehr. „Dafür bekommen wir auch zum Teil einen finanziellen Ausgleich. Aber das deckt natürlich nicht die Kosten.“

Verkehr

Neue Lokführer werden fit gemacht

Der Länderbahn fehlt es an Personal. Jetzt bildet das Unternehmen Quereinsteiger an einer eigenen Schule aus.

Konkret betroffen sind bis auf Weiteres beim Alex Verbindungen der Strecke München-Hof in beiden Richtungen sowie der Zug nach Prag. Bei der Oberpfalzbahn geht es um die Routen Schwandorf-Cham-Furth im Wald-Domazlice, außerdem Cham-Waldmünchen sowie Regensburg-Schwandorf-Weiden-Marktredwitz. Ersatzweise werden dort in den Randzeiten Busse eingesetzt.

Was die Länderbahn schmerzt, sind Abwerbeversuche des Lokführerpersonals aus den Reihen der Konkurrenz. Puchmüller würde sich wünschen, dass sich Bahnunternehmen auf einen Ehrenkodex verpflichten und das künftig bleiben lassen. „Wir müssen hier den Kuchen gemeinsam vergrößern, anstatt alle an der gleichen Tischdecke zu zerren. Erfolg werden wir nur haben, wenn wir neues Personal für diese klimafreundliche Zukunftsbranche begeistern.“

Zunächst aber bleibt sein eigenes Unternehmen im Fokus. Der Chamer CSU-Landtagsabgeordnete Gerhard Hopp drängte am Dienstag am Rande der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Banz ebenfalls auf Verschärfungen bei neuen Ausschreibungen. Unternehmen müssten verpflichtet werden, „auf Dauer in Ausbildung zu investieren - damit so etwas nicht wieder passiert“, sagte er. Forciert werde müsse zudem die Förderung von Umschulungen auf den Beruf des Lokführers durch die Arbeitsagentur.

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