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Kirche

Laien begehren gegen Kirchenführung auf

„Maria 2.0“ ist in aller Munde – auch im Bistum Regensburg fordert ein Laienverein Reformen. Bischof Voderholzer blockt ab.
Von Magdalena Hechtel

Mit Maria 2.0 wehren sich auch in Bayern Frauen gegen ihre Unsichtbarkeit in der katholischen Kirche. Foto: Friso Gentsch/dpa
Mit Maria 2.0 wehren sich auch in Bayern Frauen gegen ihre Unsichtbarkeit in der katholischen Kirche. Foto: Friso Gentsch/dpa

Regensburg.Fritz Wallner macht sich Sorgen – um seine Kirche. Als Jugendlicher war der Schierlinger unter anderem Ministrant und Jugendgruppenleiter, später saß er in fast jedem Gremium, das die katholische Kirche zu bieten hat. Doch mit dem, was sich seine Kirche leistet, ist er schon lang nicht mehr einverstanden. „Es geht nur noch um Macht, nicht mehr um die Menschen und ihren Glauben“, sagt er. „Wenn man nicht umsteuert, was passiert dann?“ Eine kürzlich veröffentlichte Studie beantwortet diese Frage: Bis 2060 wird sich die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland voraussichtlich halbieren.

Für dieses Ergebnis machen viele Katholiken die von Amtsträgern begangenen Missbräuche und die Ausgrenzung von Frauen in der Kirche verantwortlich. In Münster gründete sich deshalb die Initiative „Maria 2.0“. Eine Woche lang wollen Frauen dort streiken, ihre ehrenamtlichen Aufgaben bewusst niederlegen und dafür Gottesdienste im Freien – ohne Priester – feiern. An der Initiative beteiligen sich auch die Frauen der Pfarrgemeinde St. Michael im fränkischenHeroldsbach. „Sie werden in unseren Gemeinden keine Dienste tun und die Kirche nicht betreten. Deswegen fallen die meisten Gottesdienste aus und auch das Pfarrbüro wird geschlossen bleiben“, heißt es auf der Website der Gemeinde. Pfarrer Klaus Weigand unterstützt die Aktion ausdrücklich.

Voderholzer bleibt zurückhaltend

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderzolzer reagiert verhalten. In einem am vergangenen Freitag versendeten Hirtenwort nennt er „Maria 2.0“ zwar nicht beim Namen, äußert sich aber deutlich zur Priesterweihe von Frauen. „Es führt uns keinen Millimeter weiter, wenn wir uns die Geschichte der Kirche zurechtbasteln, um uns dann am Ende etwa ein Frauenpriestertum zu genehmigen“, schreibt er. Solche Aussagen ärgern Fritz Wallner. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins Laienverantwortung. Gegründet wurde der 2005, nachdem der damalige Bischof Gerhard Ludwig Müller sämtliche Gremien aufgelöst hatte, in denen Laien ein Mitspracherecht eingeräumt worden war.

Fritz Wallner ist stellvertretender Vorsitzender von Laienverantwortung e.V. Foto: Magdalena Hechtel
Fritz Wallner ist stellvertretender Vorsitzender von Laienverantwortung e.V. Foto: Magdalena Hechtel

Die Bischöfe und Priester im Bistum sorgen in den Augen Wallners dafür, dass nur sie als Kirche wahrgenommen werden. Die Folge: „Die Menschen wenden sich gegen die Kirche und sagen: eure Kirche, euer Problem.“ Kurz vor Ostern schickten die Vereinsmitglieder deshalb eine Denkschrift an Rudolf Voderholzer sowie alle Pfarrer und Priester. Darin fordern sie den Bischof auf, Maßnahmen gegen den Mitgliederschwund zu ergreifen.

Denn der ist nicht von der Hand zu weisen. Von rund 1,3 Millionen Katholiken im Jahr 2001 waren 2017 noch gut 1,2 Millionen im Bereich der Diözese übrig, obwohl die Bevölkerung insgesamt gewachsen ist. Die Zahl der Gottesdienstbesucher halbierte sich in dem Zeitraum, die der Kirchenaustritte verdreifachte sich fast.

Laienverantwortung will Umdenken erreichen

Neue Impulse setzen – dieses Ziel verfolgten Wallner und seine Mitstreiter mit ihrer Denkschrift. Deshalb finden sich darin auch recht radikal klingende Ideen. Die Verfasser schlagen etwa vor, die Diözese aufzuteilen. Sie fürchten, dass durch die große Ausdehnung des Bistums von Wunsiedel bis Eggenfelden die Seelsorge auf der Strecke bleibt. Außerdem schlagen sie vor, die Verwaltung von Kirchengeldern an gewählte Laienvertreter zu übergeben. Bislang sind dafür die Pfarrer und Priester verantwortlich.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat im März im Rahmen der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle einstimmig beschlossen, Gemeindegliedern mehr Mitsprache zu ermöglichen. „Wir wollen eine hörende Kirche sein. Wir brauchen den Rat von Menschen außerhalb der Kirche“, hieß es in einer Pressemitteilung. Da die Abstimmung einstimmig erfolgte, muss auch Voderholzer mit ja votiert haben.

Reformen

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Interessant: Er thematisiert die Verbindlichkeit synodaler Beschlüsse in seinem Hirtenwort und spricht von einer „persönlichen Verpflichtung“, die er mit seinem Weiheversprechen übernommen habe. „Kein Gremium, kein Komitee und keine Synode kann diese personale Verbindlichkeit ersetzen“, schreibt er.

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