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Politik

Landesparteitag: Piraten fehlt das Publikum

Erfolg bei der Bundestagswahl, mehr als 12.000 Mitglieder — Trotzdem hat die „Spaßpartei“ ein Image-Problem.
Von Bettina Mehltretter, MZ

Politik bei den Piraten: Jedes Mitglied hat während der Parteitage Stimm- und Rederecht, Delegierte gibt es nicht. Foto: Mehltretter

Regensburg. Die Piratenpartei hat ein Imageproblem: Trotz des Achtungserfolgs bei der Bundestagswahl und der mittlerweile über 12.000 Mitglieder haftet der Gruppierung, die in Deutschland in erster Linie gegen Internetsperren mobil macht und die freie Zugänglichkeit von Informationen im Netz fordert, der Stempel „Spaßpartei“ an. Daran ändern auch die jüngsten Aktivitäten nichts. In Neumarkt etwa liebäugelt ein 20-Jähriger mit dem Amt des Oberbürgermeisters, scheitert aber an der Einstiegshürde, dem Mindestalter von 25 Jahren. Und beim Landesparteitag in Regensburg mussten sich am Samstag die Bewerber für das Schiedsgericht der Partei Fragen wie „Könnt ihr lesen und schreiben?“ gefallen lassen. Die Antwort von Versammlungsleiter Benjamin Stöcker blieb ähnlich humorvoll: „Alle Kandidaten heben die Hand — nur Markus hebt das Bier.“

Typischer Pirat ist männlich mit IT-Hintergrund

Aktuell zählt die Piratenpartei in Deutschland 37.500 Mitglieder weniger als das Bündnis 90/Die Grünen – die nächste Marke, die man knacken möchte. Damit sei man die „deutlich größte der kleinen Parteien“, sagt Stefan Körner (41) aus Neumarkt, der neue Landesvorsitzende. Körner ist Softwareentwickler und fällt damit ins typische Piraten-Klientel: männlich, mit IT-Hintergrund. Anfangs seien die meisten Piraten Mitte zwanzig gewesen. „Gerade verändert sich das Mitgliederprofil aber deutlich“, so Körner. Ältere Landwirte und Universitätsprofessoren interessieren sich zum Beispiel genauso für die Partei wie die junge „Generation Netz“.

Zustrom aus Studentenstädten

Ein Großteil der Oberpfälzer Piraten leben in Neumarkt und den Hochschulstädten Amberg und Regensburg, wo aufgrund der zahlreichen Studenten die Ideen der Partei auf fruchtbaren Boden fallen. In Gegenden wie Schwandorf und Cham gibt es indes Probleme, Piratenstammtische zu installieren. Trotzdem sieht Körner gute Chancen, 2013 den Einzug in den Bundes- und in den Landtag zu schaffen.

Bis dahin wollen die Piraten an ihrer Bekanntheit arbeiten, etwa mit einem noch zu findenden Oberbürgermeister-Kandidaten in Neumarkt und Infoständen zu Themen wie dem EU-Forschungsprojekt „Indect“ zur Bürgerüberwachung. Beim Parteitag haben die Piraten außerdem beschlossen, ihr Programm breiter aufzustellen. So wolle man künftig auch gegen die dritte Startbahn am Münchner Flughafen opponieren und energiepolitische Themen diskutieren. Körner lehnt ein Vollprogramm aber ab: „Ich glaube nicht, dass das ein Heilsbringer ist.“

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