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Prozesse

Lebenslänglich für Schwiegervater-Mörder

Der Straubinger Tobias M. (39) wurde zur Höchststrafe verurteilt. Er hatte sein Opfer mit einer Schublade tödlich verletzt.
Von Wolfgang Ziegler

Tobias M. wurde in Handschellen im Schwurgerichtssaal vorgeführt. Foto: Ziegler
Tobias M. wurde in Handschellen im Schwurgerichtssaal vorgeführt. Foto: Ziegler

Regensburg.Tobias M. (39), der in Straubing seinen Schwiegervater tötete hat nun sehr viel Zeit zum Nachdenken. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Dr. Michael Hammer verurteilte ihn am Donnerstag zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe – und die endet frühestens nach fünfzehn Jahren. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der BMW-Montagearbeiter den 62-jährigen Frührentner Georg H. im Dezember vergangenen Jahres vorsätzlich und in Verdeckungsabsicht tötete. Er habe damit verhindern wollen, dass seine Ehefrau von der Veruntreuung von Geldern erfährt, die ihr Vater dem Angeklagten vorübergehend überlassen habe, hieß es in der Urteilsbegründung.

Kammer-Vorsitzender Hammer betonte, dass der Angeklagte die Tötung seines Schwiegervaters bereits wenige Tage nach der Tat zugegeben habe. Die Frage für das Gericht sei also nicht gewesen, ob er der Täter sei. Im Mittelpunkt habe vielmehr die Frage gestanden, warum der bis dato unbescholtene 39-Jährige getötet habe. Diese sei für die Schwurgerichtskammer auch deshalb wichtig gewesen, um einzuordnen, ob es sich bei der Tat um Mord oder Totschlag handle.

Einsturz eines Lügengebäudes

Der Richter fasste noch einmal das Ergebnis der Beweisaufnahme zusammen, wonach Tobias M. bei BMW ordentlich verdient habe. Zusammen mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern (11 und 7) habe er zudem in einem ererbten Haus gelebt – und dennoch hätten die Ausgaben der Familie ihre Einnahmen regelmäßig überstiegen. Davon habe nur der Angeklagte Kenntnis gehabt und nicht seine Ehefrau, weil nur er sich um die Abwicklung finanzieller Angelegenheiten und um die wirtschaftlichen Grundlagen der Familie gekümmert habe.

Da passte es prima, dass ihm der Schwiegervater im Jahr 2011 vorübergehend rund 20 000 Euro überlassen habe, um dieses Geld vor dem Zugriff von Gläubigern zu schützen. Tobias M. sollte das Geld in sicheren Wertpapieren anlegen, was er getan habe. Er habe seinem Schwiegervater im August 2012 auf dessen Geheiß hin auch Teile des Geldes zurückgegeben. 2016 und 2018 habe er dann allerdings weitere Wertpapiere veräußert und den Erlös seinem eigenen Girokonto gutschreiben lassen, um einen dort bestehenden Saldo auszugleichen.

Und das war gleichermaßen der Anfang vom Ende. Denn wie es die polizeilichen Ermittlungen ergaben und wie es auch Hammer in seiner Urteilsbegründung vortrug, habe Georg H. im Herbst 2018 die Rückzahlung des Restbetrages gefordert, den er seinem Schwiegersohn 2011 überlassen gehabt hatte. Der Frührentner habe sich einer teuren Zahnbehandlung unterziehen wollen. Tobias M. sei aufgrund seiner finanziellen Verhältnisse aber nicht in der Lage gewesen, die Summe zurückzuzahlen, weil er sie gar nicht gehabt habe.

In der Folge habe der Angeklagte nach den Worten des Kammer-Vorsitzenden ein Lügengebäude aufgebaut, eine Sperrung des Geldes durch das Finanzamt vorgegeben, einen nicht existierenden Finanzbeamten namens Kagerbauer erfunden, als dieser mit verstellter Stimme sogar seinen Schwiegervater angerufen – alles, um die Veruntreuung der Gelder zu verschleiern und vor allem seine Frau in Sicherheit zu wiegen. Tobias M. habe gewusst, dass sie ihn vor die Türe setzen würde, wenn der Schwindel aufflöge, so Hammer. Und genau dies habe der Angeklagte um jeden Preis verhindern wollen, weil ihm seine Familie über alles gegangen sei. Nicht zuletzt deshalb sah die Schwurgerichtskammer darin auch „das zentrale Handlungsmotiv“ des 39-Jährigen – auch für sein Tun am Nachmittag des 10. Dezember 2018, als er seinen Schwiegervater aufsuchte, um diesen damit zu konfrontieren, dass er das Geld nicht zurückzahlen könne.

Denn der habe aufgebracht reagiert, habe seinen Schwiegersohn gar „am Krawattl gepackt“ und ihn als „Idiot“ beschimpft. Daraufhin habe ihn der 39-Jährige weggeschubst, der Frührentner sei gestürzt, habe sich den Kopf an der Eckbank aufgeschlagen – und dann einen wohl verhängnisvollen Satz gesagt: Er werde dafür sorgen, dass Tobias M. seine Familie nicht mehr sehe. Der Angeklagte habe sich daraufhin eine Schublage geschnappt und diese seinem Schwiegervater solange auf den Kopf geschlagen, bis sie zertrümmert gewesen sei. Danach habe er einen Holzsplitter genommen und ihm damit mehrfach in die rechte Drosselvene gestoßen. Georg H. sei an einer Luftembolie verstorben, allerdings wäre nach den Worten des Richters auch das „schwere offene Schädel-Hirn-Trauma“, das der Mann durch die Schläge mit er Schublade erlitten habe, tödlich gewesen.

Tat war nicht geplant

Die Schwurgerichtskammer wertete die Tat daher als Verdeckungsmord und verurteilte Tobias M. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Staatsanwalt Thomas Kamm hatte in seinem Plädoyer so geendet wie er in seiner Anklageschrift begonnen hatte: Er war nach der Beweisaufnahme bei seinem Mordvorwurf geblieben. Auch er war der Meinung, dass der 39-Jährige aus Verdeckungsabsicht gehandelt habe, damit seine Familie nichts von der Veruntreuung des Geldes erfahre. Das ließ für ihn nur einen Schluss zu: lebenslänglich. Rechtsanwalt Josef Moosmeier, der als Nebenklage-Vertreter die Interessen der Tochter des Opfers und Ehefrau des Angeklagten vertrat, ging darüber hinaus und wollte sogar auf eine besondere Schwere der Schuld erkannt wissen, was eine Haftentlassung nach fünfzehn Jahren ausgeschlossen hätte.

Verteidiger Rechtsanwalt Uwe Grabner hatte hingegen auf Totschlag in einem minder schweren Fall plädiert und für seinen Mandanten nur vier Jahre Haft gefordert. Der Angeklagte habe die Tat nicht geplant gehabt, sagte er. Vielmehr sei er bei dem Streit mit seinem Schwiegervater in Panik geraten und von der Situation überfordert gewesen.

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Verdeckungsmord

  • Verdeckungsabsicht:

    Das Mordmerkmal der Verdeckungsabsicht ist in Paragraph 211 des Strafgesetzbuches (StGB) festgehalten. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes handelt es sich dabei um einen Sonderfall der niedrigen Beweggründe. Konkret instrumentalisiert der Täter auch hier das Leben von Menschen für egoistische Ziele.

  • Voraussetzung:

    Zur Verwirklichung dieses Mordmerkmals muss der Täter gezielt die Aufdeckung seiner Tat oder seine Identifizierung verhindern wollen. Der Täter muss dabei nicht zwangsläufig seine strafrechtliche Verfolgung verhindern wollen. Eine Verdeckungsabsicht liegt auch dann vor, wenn er eine Straftat vor Privatpersonen vertuschen will.

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